Donnerstag, 18. Juli 2019

50 Jahre Mondlandung: Die Raumanzüge


Astronauten trugen Raumanzüge und die wurden klassisch genäht, wenn auch in vielen Schichten, die jeweils besondere Aufgaben hatten und mit teils speziellen Materialien. Jeder falsche Stich hätte für die Astronauten unmittelbar zu schlimmen Konsequenzen führen können. Eine solche Beinahekatastrophe ereignete sich 1966 bei einem Test in einer Vakuumkammer auf der Erde. Eine undichte Stelle in einem Anzug hätte fast den Tod eines Ingenieurs verursacht.


Raumanzüge werden oft als „tragbare Raumfahrzeuge“ bezeichnet und sie haben bei allen Apollomissionen gut funktioniert. Ganz innen in den Anzügen sorgte ein Geflecht von wasserführenden Schläuchen für die richtige Temperatur und ganz außen schützte ein Kunststoffgewebe aus 21 Schichten vor der Sonnenstrahlung, vor Wärme und Kälte und vor kleinen Meteoriten. Das ist die weiße Hülle, die man mit einem Raumanzug in Verbindung bringt.




Das absolut größte Problem war die mittlere Schicht mit der Aufgabe der Verteilung der Luft in den Anzügen. Die konnte man nicht einfach aufblasen, denn sonst hätten die Astronauten wie Michelin-Männchen ausgesehen, und sich nicht mehr bewegen können. Bei einem frühen „Weltraumspaziergang“ eines russischen Kosmonauten ist so etwas passiert aber zum Glück gut ausgegangen.


Was man also brauchte, war eine Firma, die flexible, dem Körper angepasste Kleidungsstücke fertigen konnte, die auch den Luftdruck gut verteilen konnte. Die fand man in der International Latex Company (ILC), die ein Ableger von Playtex war, also einer Firma, die eigentlich eine ganz andere Produktlinie hatte. ILC war bei der Verarbeitung flexibler Materialien besser als alle Konkurrenten, und so wurde die belüftete Schicht der Raumanzüge (Pressurized Inner Suit) aus Gummi und auch alles andere dort produziert. Das Bild zeigt die Produktion von A7L-Anzügen bei ILC.



Ein interessantes Video zum Thema kann man sich auf YouTube ansehen.


Zu den Quellen:

Dies ist kein wissenschaftliches Werk und wir nennen unsere Quellen nur ungefähr. Die wichtigste ist: Christopher Riley and Phil Dolling, NASA Mission AS-506, APOLLO 11, Haynes Publishing, ISBN 978 1 84425 683 9. Die ergänzenden Bilder findet man im Internet. 

Dienstag, 16. Juli 2019

50 Jahre Mondlandung

Am 20. Juli 2019 (UTC) jährt sich zum fünfzigsten Mal die erste Landung eines Menschen auf dem Mond.

(Quelle: Wikipedia/Nasa)

Wer erstens ausreichend alt ist und zweitens am 21. Juli (MEZ) zu nachtschlafener Zeit ausreichend interessiert war, erinnert sich an die verwaschenen Bilder und den mäßigen, immer wieder von Piepsen unterbrochenen Ton der Fernsehübertragungen. Sehr früh am Morgen wussten wir es dann: Neil Armstrong und Edward (Buzz) Aldrin waren auf dem Mond gelandet und machten dort ihre ersten Schritte. Noch besser: Einige Tage später kamen sie auch wohlbehalten wieder auf der Erde an.

Etwa vierhunderttausend Menschen waren direkt an diesem Projekt beteiligt, darunter selbstverständlich auch viele Frauen. In drei folgenden Posts gehen wir - ich, als Gastgeberin und mein Mann (ausreichend alt und interessiert) als Autor der Beiträge - besonders auf Arbeiten ein, die durch ihre handwerkliche Brillanz hervorstechen. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt und soll keinen falschen Eindruck hinterlassen. Zu allen Aspekten der Mondlandung, der Bahnberechnung, der Entwicklung der notwendigen Computer und Programme haben Frauen beigetragen. Eine Ikone ist ganz sicher die Programmiererin Margret Hamilton, ohne die der Eagle vermutlich nicht gelandet wäre.

(Quelle: Wikipedia/Nasa)


Am Tag der Mondlandung beginnen wir mit einem Post über die Raumanzüge, dann folgt ein Beitrag über die Fallschirme und schließlich einer über die Computerprogramme. Wenn es bei Raumanzügen und Fallschirmen noch einleuchtet, dass diese auf einem Blog über Stoffe und Nähen erwähnt werden, so mag das bei den Programmen ganz anders sein. Aber lasst euch überraschen.

Übrigens: Genau heute - und da sind UTC und MEZ gleich - vor fünfzig Jahren ist Apollo 11 gestartet.

Dienstag, 2. Juli 2019

Nachschlag zu den Stoffspielereien im Juni 2019

Nachdem mein rope basket fertig war, hatte ich ja noch Sisalkordel übrig. Das Beste ist doch, man verarbeitet sie gleich, bevor sie lange herumliegt. Also habe ich noch einmal Kordeln genäht, doch diesmal kein Körbchen, sondern ein zweidimensionales Objekt.


Ich habe wieder die Kordel mit Stoffstreifen umwickelt, diesmal jedoch ohne die Schnittkanten zu verstecken. Außerdem habe ich die Stoffreste verwendet, die von meinem "Bauhaus-Teppich" übrig waren.


Und was soll das nun sein?


Eine Pinnwand!




Sie hängt in meinem Nähzimmer neben einer gewöhnlichen Korkpinnwand, füllt eine Ecke der Wand und verdeckt ein unschönes Bohrloch.  Außerdem waren die verwendeten Stoffe nicht zufällig so ausgesucht; ich habe nämlich jetzt - obwohl das wahrscheinlich niemandem auffallen wird - ein farbliches Pendant zu meinem Bauhaus-Quilt, der genau auf der anderen Seite der Wand hängt. Beides zusammen zu fotografieren ist leider unmöglich.

Man kann es auf dem Foto praktisch nicht erkennen, aber meine Pinnnadeln sind Karens wunderschöne Stecknadeln mit Glaskopf.

Übrigens: Im Post zuvor haben sich einige gewundert, dass die Nähmaschine die Sisalkordel näht ohne die Nähnadeln zu schreddern. Es hat bei mir in der Tat problemlos geklappt und ich denke, es lag daran, dass meine Kordel eher weich war und nicht stark verdrillt. Mit ein paar Drehungen in Gegenrichtung konnte ich sie leicht aufdröseln. Insofern würde ich Nachahmern diese Art von Kordel empfehlen.


Sonntag, 23. Juni 2019

Stoffspielereien im Juni 2019

Bei den Stoffspielereien an diesem letzten Sonntag im Juni* lautet das Thema "Afrika".



Als erstes sind mir dazu diese schönen, farbkräftigen Waxprint-Stoffe eingefallen. Aber ich hatte mich gedanklich festgelegt: Waxprint nur für Kleidung und Kleidung wollte ich im Moment bei den Stoffspielereien nicht nähen. Also habe ich weiter gesucht und bin dabei häufiger auf Körbe gestoßen, geflochten oder auch anders gearbeitet. Viele ebenso farbenfroh wie die Waxprint-Stoffe. Dann hatte ich meine Idee: ein rope basket sollte es werden.



Die DIYer unserer Sparte wissen wahrscheinlich was das ist; für alle anderen: ein geeignetes Seil oder auch Wäscheleine wird so spiralförmig in dichten Reihen aneinander genäht (oder auch gehäkelt), dass ein Korb oder eine Schale entsteht. Ich habe dabei hauptsächlich nach dieser Anleitung gearbeitet.



Man kann dieses Seil, vorzugsweise aus einer Naturfaser, so belassen, wie es ist oder mit Stoffstreifen umwickeln, so dass man Farbe hineinbringt und ein Muster erhält.



Ich habe mich für Stoffstreifen entschieden und versucht, "afrikanische" Farben zu verwenden. Meine Restekisten haben drei geeignete Farben enthalten, die ich jetzt mal forsch afrikanisch nenne:



Mein Seil ist eine Wäscheleine aus Sisal; ich finde sie für mein Vorhaben sehr gut geeignet, denn mir gefällt, dass sie ein wenig "fusselt". Ich habe aus meinen Stoffen 4cm breite Streifen geschnitten, die ich einmal längs zur Hälfte gebügelt habe. Hier wollte ich nämlich keine fransende Stoffkante. Mit dem doppelten Streifen kann ich so das Seil umwickeln, dass die Schnittkante vom Streifen immer wieder überwickelt wird. Wichtig ist, dass man eine kräftige Nadel in die Maschine einsetzt, die mit dem robusten Material fertig wird. Im zweiten Foto oben sieht man ganz gut, wie genäht wird: mit einem Zickzackstich Runde um Runde so, dass man immer in den Rand der beiden benachbarten Kordeln einsticht.

Um einen gewölbten Rand zu bekommen, muss man irgendwann die Spirale unter der Nähmaschine ankippen und so gekippt die weiteren Runden nähen. Meine Befürchtung war, dass man einen schiefen Rand bekommt, weil man den Ankippwinkel nicht immer schön gleichmäßig einhalten kann. Ja, ein wenig schief ist mein Korb, aber da sich das Gebilde auch ein wenig formen lässt, kann man es ausgleichen.




Und das Kordelende? Das habe ich nach außen gelegt und in einer weiteren Spirale verwahrt:


Nun habe ich noch etwa ein Drittel meiner Wäscheleine übrig. Mache ich noch ein weiteres Körbchen? Vielleicht nur, um den Rest zu verarbeiten. Denn obwohl mir das Ergebnis durchaus gefällt, hat mich der Weg dorthin nicht zu Wiederholungen angestachelt.


Bei mir hat die Inspiration "Afrika" womöglich ein wenig weit weg vom Thema geführt, aber ich denke, auch das ist bei den Stoffspielereien erlaubt: Das Thema ist der Anstoß und dann entwickelt man seine Ideen weiter.

Heute werden die Beiträge von  Gabi gesammelt - auf jeden Fall mal reinschauen, es lohnt sich immer. Dann machen die Stoffspielereien eine zweimonatige Sommerpause bevor wir uns am letzten Sonntag im September (29.9.) wieder treffen.

Was sind die Stoffspielereien? Klicke hier für Infos.

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* Da habe ich mich doch tatsächlich im Kalender vertan: heute ist erst der vorletzte Sonntag des Monats und insofern bin ich mit meinem Beitrag eine Woche zu früh dran. Gabi musste mich in ihrem Kommentar erst darauf aufmerksam machen. Aber besser zu früh als zu spät ...



Samstag, 15. Juni 2019

Genähte Kleinigkeiten - Teil 2: Für das Sofa

Bei mir lagen seit Jahr und Tag zwei textile Tischläufer unbenutzt im Schrank. Ich habe sie nicht verwendet und Abnehmer hatte ich auch nicht dafür gefunden. Jetzt kam ich endlich auf die Idee, sie umzuarbeiten. Glücklicherweise hatten sie genau das passende Format, dass ich aus jedem Läufer zwei Sofakissen arbeiten konnte. Die Kissenrückseite habe ich aus meinen Stoffbeständen ergänzt.
Von den Läufern gibt es kein Foto; ich habe vergessen, vor dem Auftrennen eins zu machen. Aber man kann sich das vorstellen, wenn man die fertigen Kissen sieht:



Die Läufer hatten nur eine Rückseite aus einem dünnen Baumwollstoff, den ich abgetrennt habe; gequiltet waren sie nicht. Ich habe sie quer durchgeschnitten und die hinzugefügte einfarbige Rückseite hat einen verdeckten Reißverschluss bekommen:


Auf diesem Foto sieht man besser, wie sich die Vorderseite zusammensetzt. Da sind schmale Streifen  aus verschiedenen Rottönen, natur und schwarz. Bei den anderen beiden Kissen sind es verschiedene Blaus. Am Rand sind die Streifen klappkantig auf dem einfarbigen Hauptstoff abgesteppt. Die Kissen bestehen komplett aus einem Leinen in mittlerer Stärke.


Wenn mir die Idee zu dieser Umarbeitung doch nur früher gekommen wäre! Jetzt habe ich zwei ganz ansehnliche Garnituren Kissenhüllen für die Sitzgruppe im Wohnzimmer und kann nach Bedarf wechseln (und auch mal waschen ...). Das andere Set ist ebenfalls in Patchworktechnik entstanden und es durchaus wert, hier einmal gezeigt zu werden. Zwei Exemplare brauchen allerdings eine neue, schönere Rückseite; das will ich mir für demnächst einmal vornehmen.


Donnerstag, 13. Juni 2019

Tag der Nähmaschine (13. Juni)

Heute, am 13. Juni, ist der Tag der Nähmaschine* (National Sewing Machine Day).


Pfaff Bogenschiff-Nähmaschine, Klasse 11, rund 100 Jahre alt. Sie befindet sich in meinem Besitz und war einmal ein Geschenk von meinem Mann.

Wer eine ältere Nähmaschine besitzt und sie nicht recht einzuordnen vermag, kann im Nähmaschinenverzeichnis nachschauen - ein virtuelles Nähmaschinenmuseum und Nachschlagewerk für alte Nähmaschinen.

Happy Sewing!

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*Da ist m.E. nichts Kurioses dran!

Sonntag, 9. Juni 2019

Genähte Kleinigkeiten - Teil 1: Für den Schrank

Eine Freundin hatte sich Lavendelsäckchen gewünscht. "Nimm, was du hast und mach, wie du meinst." - Gesagt, getan.

Da ich die Stickstiche meiner Nähmaschine bisher nur selten verwendet habe, war dies doch die Gelegenheit, das eine oder andere Muster auszuprobieren. Drei Säckchen sollten es werden, also habe ich in drei verschiedenen Garnfarben gestickt. Beim Stoff habe ich nach einem hellgrau melierten Leinen gegriffen, eine dünnere Qualität und ein wenig offen gewebt - damit der Lavendelduft gut durchkommt.



Die unterschiedliche Größe hat sich durch das Format meiner Stoffreste so ergeben und ich sehe das nicht negativ. Für die Stickerei habe ich Stickvlies unterlegt und nach dem Nähen so weit wie möglich abgeschnitten. Damit habe ich auch die hübsche Bogenkante am oberen Rand hinbekommen.

Fällt es auf, dass die Bändchen die gleiche Farbe haben, wie die Stickerei? Es war der absolute Zufall - und das ist die reine Wahrheit - , dass ich bei den Resten meiner pflanzengefärbten Garne genau diese Farben gefunden habe. Wohlgemerkt: Da war die Stickerei bereits fertig.

Die Bindebändchen sind einfach eine fest gehäkelte Luftmaschenkette.



Dass der Freundin die Lavendelsäckchen gefallen, habe ich schon vernommen; sie werden dann demnächst übergeben.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Me Made Mittwoch: Der Wanderrock

Letztes Jahr musste ich während einer Reise bei der Kleidung improvisieren. Ich hatte vergessen, eine Wanderhose einzupacken, obwohl kleinere Wanderungen geplant waren. Was tun, wenn eine Jeans zu unbequem und zu warm ist? Nun, ich habe einen Rock (Foto ganz unten) angezogen und schnell gemerkt, dass das sogar sehr gut ging. Ich war froh, so viel Luft um die Beine zu haben. Zurück zuhause, habe ich gleich einen "Wanderrock" auf meine Nähliste gesetzt und als ich in der diesjährigen April-Ausgabe von burdastyle den Rock 113 gesehen habe, wusste ich sofort: Das wird mein Wanderrock!


Leicht ausgestellt ist natürlich viel besser als die schmale Form meines behelfsmäßigen Rocks und Taschen hat das neue Modell nun auch. Nur der Stoff ist fast der gleiche, ein hellblauer Hemdenjeans. Verarbeiten ließ sich das gut, ob sich die dünne Qualität für den gedachten Zweck wirklich bewährt, werden die ersten Einsätze zeigen, die hoffentlich in diesem Jahr sein werden.



Für die Fotos habe ich Wanderschuhe und Rucksack bemüht, nur eine passende Landschaft hatte ich gerade nicht zur Hand.

Am Rock habe ich - im Vergleich zum Burdamodell - einige Veränderungen vorgenommen:
  • Die Nahttasche ist nur einseitig rechts.
  • Der Reißverschluss ist ein konventioneller und kein Naht-Zipper. Da ich ohnehin rechts und links der hinteren Mittelnaht absteppen wollte, gehen die RV-Nähte in die Absteppnähte über. (Außerdem konnte ich gleich noch einen RV aus dem Vorrat verarbeiten.) 

  • Gürtel: Er ist das interessante Detail am Rock, da er teilweise innen verläuft, siehe erstes Foto. Ich dachte mir nur, ein Formgürtel wäre hier viel schöner als der von Burda vorgesehene vollkommen gerade Gürtel. Also habe ich mir am Rockschnittmuster 1,5cm unterhalb der oberen Kante einen 4cm breiten Streifen eingezeichnet und ihn als Gürtelvorlage abgenommen. Das hat zwar einschließlich Zuschnitt des gebogenen Teils eine Zeit gedauert, aber ich denke, es hat sich gelohnt. 

  • Es gibt eine zusätzliche Gürtelschlaufe in der hinteren Mitte.

  • Da ich die separate Tasche ursprünglich für das Telefon vorgesehen hatte, habe ich ihr Format entsprechend angepasst. Das Schnittteil ohne NZG hatte genau die richtige Größe. Ich habe die Tasche jedoch komplett gedoppelt, damit sie etwas stabiler wird. Dennoch war schnell klar, dass das Telefon zu schwer sein würde, also ist das Täschchen jetzt nur für etwas Kleines, Leichtes. Die Wendeöffnung meiner gedoppelten Tasche an der geraden kurzen Seite habe ich offen gelassen; so habe ich eine zweite Innentasche. Auf den Riegel als Verschluss habe ich verzichtet und nur ein Stückchen Klettband aufgenäht. Es gibt bei mir auch keine Schlaufen; der Gürtel wird unter der Klappe durchgeführt. Im Nachhinein ist mir dann aufgegangen, dass die Tasche keinen Halt hat, wenn ich sie öffne - also sollte ich daran noch etwas ändern.


  • Mangels D-Ringen in 4cm Breite, habe ich eine Schnalle aus dem Vorrat verwendet. Weniger schön, aber auswechselbar, falls ich doch noch passende D-Ringe finde.
  • Mein Rock hat eine rückwärtige Länge von 58cm, das sind 3cm mehr als bei burda.
Der Rock hat in Gr.42 - ich brauche um die Hüfte eine Größe mehr als üblich - auf Anhieb gut gepasst. Ich musste noch nicht einmal eine Hohlkreuzänderung machen. Er war auch einfach und zügig zu nähen; wahrscheinlich hat der veränderte Gürtel die meiste Zeit geschluckt, aber wenn ich das Schnittmuster noch einmal verwenden sollte, fällt ja dieser Posten nicht mehr an. So ganz unwahrscheinlich ist ein zweites Modell nicht, denn ich bin ganz optimistisch, dass das ein ganz passabler Wanderrock sein wird und ich habe noch ein pfeffer-und-salz-farbenes Halbleinen im Vorrat, das nur auf eine sinnvolle Verwendung wartet.

Und hier noch, wie eingangs angekündigt, ein Foto vom ersten "Wanderrock":


Mit diesem Modell reihe ich mich in die Parade der Hobbyschneiderinnen ein, die beim Me Made Mittwoch ihre Werke zeigen.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Nadelbrief: Transparenz

Zum Thema Transparenz bei der Großen Nadelbriefaktion habe ich wieder meine gesammelten Teebeutel zur Hand genommen. Das sind natürlich benutzte Beutel und Filter. Nachdem  ich einmal im Netz gesehen hatte (Suchwort: tea bag art), was man alles damit machen kann, habe ich angefangen zu sammeln, zu trocknen und zu bügeln. Letzten Herbst habe ich einige Teebeutel "verarbeitet": hier und hier kann man sich die Ergebnisse anschauen; auch da war Transparenz wichtig für die optische Wirkung.


Bei der Gestaltung des Nadelbriefs habe ich mich von dem treiben und inspirieren lassen, was ich in meiner kleinen Sammlung von Papieren vor mir liegen hatte. Da war u.a. ein getrocknetes Gingkoblatt dabei und da eins der Teepapiere an einer Stelle eingerissen war, habe ich das Gingkblatt durch den Schlitz schauen lassen.




Die zarten Teefilterpapiere habe ich mit Vliesofix auf ein weißes Leinen geklebt. Die Papierschicht ist so dünn, dass der Stoff an vielen Partien durchscheint. Das hatte mir schon bei den Arbeiten gefallen, die ich oben verlinkt habe. Hier passt es wieder genau ins Thema. Auf der Vorderseite hat nur der Tee seine Spuren hinterlassen; auf den Papieren der Rückseite hat noch eine nachträgliche Rostfärbung mitgeholfen.

Innen:




Das Innenleben besteht aus einem gefalteten Stück Leinen, auf dessen vier Seiten wieder gefärbte Teebeutel aufgeklebt sind. Von oben nach unten: 1. Eine Collage aus Teebeutelstücken verschiedener Tees, deshalb die unterschiedlichen Färbungen; 2. Links ein Eco Print und rechts eine Rostfärbung; 3. Eine Rostfärbung mit Eisenpulver auf einem gefalteten Teefilter.

Also, genau genommen ist das ja eher ein Bilder- als ein Nadelbuch. Die Papiere sind viel zu zart, um Nadeln hindurch zu stechen. Schon beim Annähen der Bändchen (ebenfalls Teebeutel) habe ich das bemerkt ...

Bei diesen Arbeiten lohnt es sich, einen näheren Blick darauf zu werfen, um die Feinheiten und interessanten Farbergebnisse zu betrachten. Wer sich durchklicken möchte - bitteschön und möglichst vergrößert:





Ab morgen sammele ich auch wieder Teebeutel!

Und nun noch die Verlinkung zu Susannes Nadelbriefaktion. Dort gibt es auch eine Liste der Themen, die noch auf uns zukommen.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Zwei UFOs werden zu Urlaubsgarderobe

UFOs sind in der Nähwelt "unfinished objects". Bei mir lagerten seit einiger Zeit zwei unfertige Blusen. Bei der einen war ich mir lange unschlüssig, aus welchem Garniturstoff ich die Ausschnittblende und den schmalen Stehkragen nähen sollte. Bei der anderen war wohl der Sommer vorbei, bevor ich die Bluse beenden konnte - das motiviert nicht gerade zur Fertigstellung.

Nun hatte ich die beiden UFOs rechtzeitig vor Beginn der Reise über Ostern aus dem Schrank geholt. Eine dünnere Bluse mit langen und eine mit kurzen Ärmeln kam mir da gerade zupass. Bei der Kurzarmbluse gab es keine Probleme und da nicht mehr viel fehlte, war sie schnell fertiggestellt.



Es ist ein Schnitt ohne Brustabnäher und der Kragen wird einfach zwischengefasst - also insgesamt recht einfach und schnell zunähen (burdastyle 04-2012-116). Der Schnitt wird wohl bei mir eine Zukunft haben. Für dieses Modell habe ich die Vorderteile einmal längs und einmal quer zugeschnitten für ein wenig optische Raffinesse. Der Stoff ist eine Viskose von ordentlicher Qualität.

Bei der zweiten Bluse war mein erster Gedanke beim Betrachten nach zeitlichem Abstand: Warum habe ich eigentlich diesen großflächig gemusterten Stoff gekauft? Er wollte mir nicht mehr so recht gefallen; aber nun war die Bluse schon halb fertig und sollte auch beendet werden. Ursprünglich wollte ich auch Blende und Stehkragen aus einem einfarbigen Stoff nähen. Ich habe jedoch keinen passenden gefunden und mich schließlich entschlossen, den Blusenstoff - ein Baumwollbatist - zu verwenden.
Hier die Schnittskizze, damit man sich vorstellen kann, wovon ich rede:



Es handelt sich um burdastyle 04-2016-107. Am Schnitt habe ich nur die Ärmel verändert und aus der leichten Trompetenform klassische schmale Ärmel gemacht. Das ist in meinem Alltag einfach praktischer.





Die Blende setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die in der Mitte zusammengenäht werden. Da das Nahtende beim An-und Ausziehen beansprucht wird, ist es ratsam, dieses Nahtende sorgfältig zu sichern, evtl. auch ein Stückchen Vlieseline an dieser Stelle von links aufbügeln, vor allem bei zarten Stoffen. An meiner Bluse ist die Naht schon ein wenig aufgegangen; das werde ich nachnähen müssen.

Karin sammelt Sommergarderobe unter der Überschrift "Jahreszeiten-Sew-Along"; meine beiden Blusen werde ich bei ihr verlinken.

Dienstag, 14. Mai 2019

Oh, Schreck, ein Fleck!

Ärgerlich: Auf einem selbstgenähten Shirt aus einem Viskose-Feinstrick ist ein Flecken, der auch bei sorgfältigster Wäsche nicht rausging. Was tun? Zum Putz- oder Gartenarbeit-Outfit degradieren? Kleidersammlung? Nein - wir Handarbeiterinnen lassen uns etwas einfallen. Meine Idee war ein aufgenähter Patch. Etwas Florales sollte es sein und nach ein paar Experimenten, die wegen Nichtgefallen wieder verworfen wurden, habe ich mich schließlich für eine Blüte entschieden, die ich aus einem Stoffrest (locker gewebtes Leinen) ausgeschnitten habe. Die Schnittkanten habe ich roh gelassen und mit geteiltem Sticktwist genäht:


Und im Ganzen sieht das so aus:


Und angezogen so:


Bei der Pflege werde ich aufpassen; Handwäsche ist angesagt um schonend zu reinigen, aber wie das nach dem Waschen aussehen wird, ist ungewiss - ich lasse mich überraschen.

Übrigens: Man kann das auf dem letzten Foto zwar kaum erkennen, aber ich trage einer meiner Ketten aus pflanzengefärbten Holzperlen (hier habe ich im Februar darüber geschrieben). Was da inzwischen entstanden ist, werde ich an einem der nächsten Tage hier zeigen.

Sonntag, 5. Mai 2019

Nadelbrief: Japan

Japan ist reich an Kunsthandwerk. Etliches dürfte ich gar nicht kennen und wenn ich versuchen würde, die mir bekannten Bereiche aufzuzählen, würde ich unweigerlich einiges vergessen. Für mich ist von Bedeutung: Textilkunst, Färben, Keramik. Hier habe ich mich schon selbst versucht: Sashiko (z.B. mein Nadelbrief), Shibori, Furoshiki, Rakukeramik.

Susannes große Nadelbrief-Aktion hat in der 18.Kalenderwoche Japan zum Thema. Ein schöner Anlass, Boro auszuprobieren. Boro hat etwas von Patchwork und von Sashiko. Dabei werden Stoffstücke aneinander und übereinander gelegt, neu und meist kunstvoll arrangiert und mit Stickstichen festgenäht. Ursprünglich durch die Schichtung für einen wärmenden Effekt angewendet und um defekte Textilen zu flicken und erhaltenswerte Stücke zu retten und in der Familie weiterzugeben. Für uns stehen der ästhetische Aspekt, das kunstvolle Arrangement der Stoffstücke und die geschickte Platzierung der Stickstiche im Vordergrund.



Für meine Boro-Arbeit konnte ich die kleinsten Stoffstücke hervorholen: Stoffmuster, die ich mir einmal bei Onlinehändlern als Griffprobe bestellt und aufgehoben hatte. Im Laufe der Zeit ist einiges zusammen gekommen und wie gut, dass die textile Kunsthandwerkerin so schnell nichts wegwirft!

Für ein Nadelbriefchen mit dem fertigen Maß 10x10cm hatte ich schnell passende Stoffstücke in Schwarz- und Grautönen zusammen. Ich habe sie auf einem dünnen Baumwollstoff arrangiert, mit Stecknadeln fixiert und mit der Nähmaschine (größte Stichlänge, breiter Abstand) festgenäht.





Für meine nun folgenden Handstiche habe ich Sticktwist verwendet. Im Gegensatz zu Sashiko kommt es hier nicht auf Akkuratesse an; die Stiche müssen nicht gleichmäßig sein, sondern man kann sie den Gegebenheiten anpassen.



Nach der Fertigstellung habe ich teilweise die Maschinennaht wieder gelöst, aber nur da, wo sie unschön sichtbar war.

Für die Innenseite habe ich einen Rest anthrazitfarbenes Leinen mit feinem hellen Nadelstreifen verwendet. Der Verschluss ist wieder ein Bändchen; diesmal eine rote Lederkordel, die den roten Farbtupfer eines Stoffstückchens wieder aufnimmt.





Dieses Boro-Nadeletui bietet Platz für die kleinen Sicherheitsnadeln, die bisher in einem großen Sammelsurium von größeren Nadeln ziemlich untergegangen sind. Wer weiß, wofür ich sie einmal gebrauchen kann - nichts wegwerfen: s.o.

Mein Nadelbrief sieht ein wenig schief aus, was daher kommt, dass der Stoff durch die verschiedenen Lagen der Stoffstückchen an unterschiedlichen Stellen auch unterschiedlich dick ist. Dann legt sich die Nahtzugabe nicht gleichmäßig um. Das will ich mir merken für den Fall, dass ich diese Technik einmal bei einem Projekt anwende, wo es stärker auf Akkuratesse ankommt. Denn: bei der Boro-Recherche habe ich etliche ausgefallene und kunstvolle Arbeiten entdeckt, die mich angeregt haben, ein Kleidungsstück in dieser Technik zu nähen - eine reizvolle Idee, vielleicht eine Weste? Oder zunächst einmal eine Tasche?

Verlinkt bei: nahtlust.de - Susannes große Nadelbriefaktion 2019