Donnerstag, 23. Mai 2019

Nadelbrief: Transparenz

Zum Thema Transparenz bei der Großen Nadelbriefaktion habe ich wieder meine gesammelten Teebeutel zur Hand genommen. Das sind natürlich benutzte Beutel und Filter. Nachdem  ich einmal im Netz gesehen hatte (Suchwort: tea bag art), was man alles damit machen kann, habe ich angefangen zu sammeln, zu trocknen und zu bügeln. Letzten Herbst habe ich einige Teebeutel "verarbeitet": hier und hier kann man sich die Ergebnisse anschauen; auch da war Transparenz wichtig für die optische Wirkung.


Bei der Gestaltung des Nadelbriefs habe ich mich von dem treiben und inspirieren lassen, was ich in meiner kleinen Sammlung von Papieren vor mir liegen hatte. Da war u.a. ein getrocknetes Gingkoblatt dabei und da eins der Teepapiere an einer Stelle eingerissen war, habe ich das Gingkblatt durch den Schlitz schauen lassen.




Die zarten Teefilterpapiere habe ich mit Vliesofix auf ein weißes Leinen geklebt. Die Papierschicht ist so dünn, dass der Stoff an vielen Partien durchscheint. Das hatte mir schon bei den Arbeiten gefallen, die ich oben verlinkt habe. Hier passt es wieder genau ins Thema. Auf der Vorderseite hat nur der Tee seine Spuren hinterlassen; auf den Papieren der Rückseite hat noch eine nachträgliche Rostfärbung mitgeholfen.

Innen:




Das Innenleben besteht aus einem gefalteten Stück Leinen, auf dessen vier Seiten wieder gefärbte Teebeutel aufgeklebt sind. Von oben nach unten: 1. Eine Collage aus Teebeutelstücken verschiedener Tees, deshalb die unterschiedlichen Färbungen; 2. Links ein Eco Print und rechts eine Rostfärbung; 3. Eine Rostfärbung mit Eisenpulver auf einem gefalteten Teefilter.

Also, genau genommen ist das ja eher ein Bilder- als ein Nadelbuch. Die Papiere sind viel zu zart, um Nadeln hindurch zu stechen. Schon beim Annähen der Bändchen (ebenfalls Teebeutel) habe ich das bemerkt ...

Bei diesen Arbeiten lohnt es sich, einen näheren Blick darauf zu werfen, um die Feinheiten und interessanten Farbergebnisse zu betrachten. Wer sich durchklicken möchte - bitteschön und möglichst vergrößert:





Ab morgen sammele ich auch wieder Teebeutel!

Und nun noch die Verlinkung zu Susannes Nadelbriefaktion. Dort gibt es auch eine Liste der Themen, die noch auf uns zukommen.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Zwei UFOs werden zu Urlaubsgarderobe

UFOs sind in der Nähwelt "unfinished objects". Bei mir lagerten seit einiger Zeit zwei unfertige Blusen. Bei der einen war ich mir lange unschlüssig, aus welchem Garniturstoff ich die Ausschnittblende und den schmalen Stehkragen nähen sollte. Bei der anderen war wohl der Sommer vorbei, bevor ich die Bluse beenden konnte - das motiviert nicht gerade zur Fertigstellung.

Nun hatte ich die beiden UFOs rechtzeitig vor Beginn der Reise über Ostern aus dem Schrank geholt. Eine dünnere Bluse mit langen und eine mit kurzen Ärmeln kam mir da gerade zupass. Bei der Kurzarmbluse gab es keine Probleme und da nicht mehr viel fehlte, war sie schnell fertiggestellt.



Es ist ein Schnitt ohne Brustabnäher und der Kragen wird einfach zwischengefasst - also insgesamt recht einfach und schnell zunähen (burdastyle 04-2012-116). Der Schnitt wird wohl bei mir eine Zukunft haben. Für dieses Modell habe ich die Vorderteile einmal längs und einmal quer zugeschnitten für ein wenig optische Raffinesse. Der Stoff ist eine Viskose von ordentlicher Qualität.

Bei der zweiten Bluse war mein erster Gedanke beim Betrachten nach zeitlichem Abstand: Warum habe ich eigentlich diesen großflächig gemusterten Stoff gekauft? Er wollte mir nicht mehr so recht gefallen; aber nun war die Bluse schon halb fertig und sollte auch beendet werden. Ursprünglich wollte ich auch Blende und Stehkragen aus einem einfarbigen Stoff nähen. Ich habe jedoch keinen passenden gefunden und mich schließlich entschlossen, den Blusenstoff - ein Baumwollbatist - zu verwenden.
Hier die Schnittskizze, damit man sich vorstellen kann, wovon ich rede:



Es handelt sich um burdastyle 04-2016-107. Am Schnitt habe ich nur die Ärmel verändert und aus der leichten Trompetenform klassische schmale Ärmel gemacht. Das ist in meinem Alltag einfach praktischer.





Die Blende setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die in der Mitte zusammengenäht werden. Da das Nahtende beim An-und Ausziehen beansprucht wird, ist es ratsam, dieses Nahtende sorgfältig zu sichern, evtl. auch ein Stückchen Vlieseline an dieser Stelle von links aufbügeln, vor allem bei zarten Stoffen. An meiner Bluse ist die Naht schon ein wenig aufgegangen; das werde ich nachnähen müssen.

Karin sammelt Sommergarderobe unter der Überschrift "Jahreszeiten-Sew-Along"; meine beiden Blusen werde ich bei ihr verlinken.

Dienstag, 14. Mai 2019

Oh, Schreck, ein Fleck!

Ärgerlich: Auf einem selbstgenähten Shirt aus einem Viskose-Feinstrick ist ein Flecken, der auch bei sorgfältigster Wäsche nicht rausging. Was tun? Zum Putz- oder Gartenarbeit-Outfit degradieren? Kleidersammlung? Nein - wir Handarbeiterinnen lassen uns etwas einfallen. Meine Idee war ein aufgenähter Patch. Etwas Florales sollte es sein und nach ein paar Experimenten, die wegen Nichtgefallen wieder verworfen wurden, habe ich mich schließlich für eine Blüte entschieden, die ich aus einem Stoffrest (locker gewebtes Leinen) ausgeschnitten habe. Die Schnittkanten habe ich roh gelassen und mit geteiltem Sticktwist genäht:


Und im Ganzen sieht das so aus:


Und angezogen so:


Bei der Pflege werde ich aufpassen; Handwäsche ist angesagt um schonend zu reinigen, aber wie das nach dem Waschen aussehen wird, ist ungewiss - ich lasse mich überraschen.

Übrigens: Man kann das auf dem letzten Foto zwar kaum erkennen, aber ich trage einer meiner Ketten aus pflanzengefärbten Holzperlen (hier habe ich im Februar darüber geschrieben). Was da inzwischen entstanden ist, werde ich an einem der nächsten Tage hier zeigen.

Sonntag, 5. Mai 2019

Nadelbrief: Japan

Japan ist reich an Kunsthandwerk. Etliches dürfte ich gar nicht kennen und wenn ich versuchen würde, die mir bekannten Bereiche aufzuzählen, würde ich unweigerlich einiges vergessen. Für mich ist von Bedeutung: Textilkunst, Färben, Keramik. Hier habe ich mich schon selbst versucht: Sashiko (z.B. mein Nadelbrief), Shibori, Furoshiki, Rakukeramik.

Susannes große Nadelbrief-Aktion hat in der 18.Kalenderwoche Japan zum Thema. Ein schöner Anlass, Boro auszuprobieren. Boro hat etwas von Patchwork und von Sashiko. Dabei werden Stoffstücke aneinander und übereinander gelegt, neu und meist kunstvoll arrangiert und mit Stickstichen festgenäht. Ursprünglich durch die Schichtung für einen wärmenden Effekt angewendet und um defekte Textilen zu flicken und erhaltenswerte Stücke zu retten und in der Familie weiterzugeben. Für uns stehen der ästhetische Aspekt, das kunstvolle Arrangement der Stoffstücke und die geschickte Platzierung der Stickstiche im Vordergrund.



Für meine Boro-Arbeit konnte ich die kleinsten Stoffstücke hervorholen: Stoffmuster, die ich mir einmal bei Onlinehändlern als Griffprobe bestellt und aufgehoben hatte. Im Laufe der Zeit ist einiges zusammen gekommen und wie gut, dass die textile Kunsthandwerkerin so schnell nichts wegwirft!

Für ein Nadelbriefchen mit dem fertigen Maß 10x10cm hatte ich schnell passende Stoffstücke in Schwarz- und Grautönen zusammen. Ich habe sie auf einem dünnen Baumwollstoff arrangiert, mit Stecknadeln fixiert und mit der Nähmaschine (größte Stichlänge, breiter Abstand) festgenäht.





Für meine nun folgenden Handstiche habe ich Sticktwist verwendet. Im Gegensatz zu Sashiko kommt es hier nicht auf Akkuratesse an; die Stiche müssen nicht gleichmäßig sein, sondern man kann sie den Gegebenheiten anpassen.



Nach der Fertigstellung habe ich teilweise die Maschinennaht wieder gelöst, aber nur da, wo sie unschön sichtbar war.

Für die Innenseite habe ich einen Rest anthrazitfarbenes Leinen mit feinem hellen Nadelstreifen verwendet. Der Verschluss ist wieder ein Bändchen; diesmal eine rote Lederkordel, die den roten Farbtupfer eines Stoffstückchens wieder aufnimmt.





Dieses Boro-Nadeletui bietet Platz für die kleinen Sicherheitsnadeln, die bisher in einem großen Sammelsurium von größeren Nadeln ziemlich untergegangen sind. Wer weiß, wofür ich sie einmal gebrauchen kann - nichts wegwerfen: s.o.

Mein Nadelbrief sieht ein wenig schief aus, was daher kommt, dass der Stoff durch die verschiedenen Lagen der Stoffstückchen an unterschiedlichen Stellen auch unterschiedlich dick ist. Dann legt sich die Nahtzugabe nicht gleichmäßig um. Das will ich mir merken für den Fall, dass ich diese Technik einmal bei einem Projekt anwende, wo es stärker auf Akkuratesse ankommt. Denn: bei der Boro-Recherche habe ich etliche ausgefallene und kunstvolle Arbeiten entdeckt, die mich angeregt haben, ein Kleidungsstück in dieser Technik zu nähen - eine reizvolle Idee, vielleicht eine Weste? Oder zunächst einmal eine Tasche?

Verlinkt bei: nahtlust.de - Susannes große Nadelbriefaktion 2019

Mittwoch, 1. Mai 2019

Nadelbrief: Sehnsucht

Da ich mit meinem Nadelbrief zum Thema Sehnsucht ziemlich spät dran bin, konnte ich in Susannes Nadelbrief-Sammlung bereits alle zuvor entstandenen Exemplare ansehen und komme zu dem Schluss, dass ich das Thema ganz anders angegangen bin. Meine Mitstreiterinnen haben Ihre persönlichen Sehnsüchte abgebildet, meine Gedanken gingen jedoch so: Sehnsucht - Symbol für Sehnsucht - blaue Blume der Romantik.

Also sollte eine blaue Blume die Vorderseite meines Nadelbriefs zieren. Schließlich fand ich den Gedanken, ein wenig in die Dreidimensionalität zu gehen ganz attraktiv und ich habe Blüten aus Seidenstoffen gearbeitet; drei Stück sind es geworden und durchaus unterschiedlich:



Zunächst hatte ich auch vor, sie alle auf dem Nadelbrief unterzubringen, habe mich aber dann doch für eine einzelne entschieden, was auch das Nadelbriefchen klein (10x10cm) gehalten hat.



Für die Blüte habe ich einen ca. 4cm breiten Streifen Seidenstoff längs zur Hälfte gelegt und die offenen Kanten mit einem großen Stich zusammen genäht. Wenn man dann am Nähfaden zieht, kann man den Streifen einkräuseln, wobei er sich fast von selbst in eine runde Form legt. Ein wenig zupfen und formen und die Blüte kann von der Rückseite mit ein paar Stichen zusammen genäht werden. Für die "Staubgefäße" habe ich kleine weiße Perlen aufgenäht. Das hat auch noch zusätzlich das Gebilde fixiert.

Für einen schönen Kontrast habe ich für die Vorderseite des Nadelbriefchens ein rein weißes Feinleinen verwendet, für die Innenseite und die "Einlageseite" dunkelblauen Babycord aus meiner Restekiste.



Die Rückseite ist ohne Dekoration; die Innenseite:



Beim Zusammennähen vergesse ich jedesmal, die Bindebändchen mit einzufügen und muss anschließend trennen und nochmals drübernähen ... vielleicht denke ich beim nächsten Nadelbrief dran.

Apropos: Kennt ihr folgenden Trick? Wenn man, wie beim Nadelbrief, verstürzen muss, ist es hilfreich, an der Wendeöffnung quer zur Naht bis ans Ende der Nahtzugaben zu nähen. Dann legt sich die NZG nach dem Wenden wie von selbst in die richtige Position nach innen.


Ein Blick auf die Themenliste der Nadelbriefe sagt mir, dass im Moment drei Länder dran sind (ach, es fehlt mir dabei Griechenland ... aber ich hätte es ja zur rechten Zeit vorschlagen können ...), aber zu Japan fällt mir bestimmt auch etwas ein.

Verlinkt bei: Nahtlust.de - Susannes große Nadelbrief-Aktion 2019

Sonntag, 28. April 2019

Stoffspielereien im April 2019

Herzlich willkommen zu den Stoffspielereien. Ich darf heute beim Thema "Bauhaus" die Gastgeberin sein.
Das Bauhaus wird in diesem Jahr 100 Jahre alt; auch wir, die Stoffspielerinnen, wollen das mit unseren Arbeiten feiern.

Im Laufe des Tages werde ich sie hier sammeln und auflisten. Die regelmäßigen Teilnehmerinnen habe ich wohl im Blick; wer sich nicht findet, hinterlässt bitte einen Kommentar mit dem Link zum Beitrag. Ich ergänze die Liste über den Tag.



Die heutigen Beiträge:

  • Tyche hat sich von Bauhaus Künstler Paul Klee zu einer Stickerei inspirieren lassen.
  • Die Selbermacherin verwendet Bauhaus-Formen und Farben für eine Patchworkarbeit.
  • Mond/bimbambuki zeigt uns die Kombinationsschrift von Josef Albers.
  • Karin/grüner nähen fasst in ihrem Blogbeitrag viel Wissen über die Frankfurter Küche zusammen und präsentiert eine Bauhaus-inspirierte Patchworkarbeit.
  • Bei Ute (123-nadelei) lesen wir zunächst eine informative Abhandlung über das Bauhaus und sehen dann zwei von Anni Albers inspirierte Kissen.
  • Elvira hat Schrift mit Bauhaus-Farben koloriert und dann auf Stoff gedruckt.



Das Thema für die Stoffspielereien stand noch nicht fest, als ich Mitte Februar hier auf dem Blog einen Aufruf zu eigenen Bauhaus-inspirierten kunsthandwerklichen Arbeiten platziert habe. Konsequenterweise habe ich dann auch die heutige Stoffspielerei übernommen. Ich verstehe das aber nicht unbedingt als Doublette, da mein Aufruf weiter gefasst war.
Meine eigenes erstes Bauhaus-Projekt haben ich kürzlich gepostet. Ein zweites für den heutigen Tag ist urlaubsbedingt und aus Mangel an guten Ideen leider noch im absoluten Anfangsstadium. Aber ich möchte euch natürlich zeigen, was ich geplant habe und wie weit ich gekommen bin.

Meine Inspiration ist ein Bild ("Komposition mit rotem Eck") vom Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy:


Ich bin darauf aufmerksam geworden, als ich bei meinem Haussender hr2 einen Betrag zu diesem Bild gehört habe (Link zum Beitrag).

Größe und Aufteilung der Flächen mit Stoff lässt sich realisieren, aber die Transparenz, die ebenfalls für die Gesamtwirkung des Bildes wichtig ist, erfordert einige Überlegung. Für die hellen Flächen habe ich sehr locker gewebten und halbtransparenten Stoff gefunden; aber beim roten Stoff, der ebenfalls soweit durchscheinend sein sollte, dass das darunter liegende Grau sichtbar wird, bin ich nicht fündig geworden.



Für die rote Fläche habe ich zwei Farben zur Auswahl. Die dunklere ist in natura heller als auf dem Bild oben, aber dennoch bin ich unsicher, welches Rot besser passt.


 

Dann stellt sich noch die Frage, wie ich die Rechtecke auf meinen Grundstoff aufbringe. Da habe ich noch keine gute Antwort gefunden. Habt ihr dazu Ideen? Im Moment habe ich alles nur aufeinander gelegt. Oder soll ich ganz von diesem Projekt Abstand nehmen, weil ich dem Charakter des Bildes so nicht gerecht werden kann? Ich bin für jeden Vorschlag dankbar.

Somit habe ich heute eine unfertige Arbeit gezeigt, sehe dies aber durchaus im Geiste der Stoffspielereien, wo wir ja auch misslungene Werke zeigen können, um durch einen Erfahrungsaustausch möglicherweise doch noch zum Ziel zu kommen. Ich ergänze: (vermeintlich) misslungene oder unfertige Arbeiten.


Unsere Einladung zu den Stoffspielereien:

Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:

26.05.2019: „Heimat“ bei Nahtlust
30.06.2019: „Afrika“ bei made with Blümchen
29.09.2019: „Miniatur“ bei Feuerwerk bei Kaze
27.10.2019: „Handweben“ bei Schnitt für Schnitt
24.11.2019: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Im Juli und August machen wir eine Sommerpause.
Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du hier bei mir.

Sonntag, 14. April 2019

Bon Voyage mit selbstgemachten Koffergurten

Wer schon einmal an der Gepäckausgabe am Flughafen auf einen schwarzen Hartschalenkoffer gewartet hat, hat eine Ahnung, wie viele sich jedesmal in einem Flugzeug befunden haben müssen und einem das Identifizieren des eigenen Stücks schwer machen.



Da hilft doch zur Unterscheidung von der schwarzen Masse ein individueller Koffergurt. Die Idee kam mir, als ich vor einiger Zeit bei den Dekostoffen im Kaufhaus einen Stoff mit Landkartendruck gesehen habe. Damit wollte ich zwei schön häßliche Gurte, die einmal ein Geschenk eines Reiseveranstalters waren, upcyceln. Ich habe also die Schnallen abgeschnitten - aber Vorsicht! Zunächst nur von einem Gurt, damit ich noch eine Vorlage für das wieder Zusammenmontieren hatte; ich hätte das intuitiv nicht gewußt. Mein Stoff ist eher kräftig und liegt dreifach für den neuen Gurt; das sollte ausreichend stabil sein. Rechts und links abgesteppt - und fertig mit minimalem Zeitaufwand.



Los geht's!


Übrigens: Das Kleidungsstück, das so nachlässig auf dem roten Rolli hängt, ist eine Jacke, die ich kürzlich genäht aber hier noch nicht gezeigt habe. Die war fast so schnell fertig wie die Koffergurte, aber das darf ja auch mal sein.

Verlinkt bei HAPPYrecycling.



Freitag, 12. April 2019

100 Jahre Bauhaus - mein Quilt nach Gertrud Arndt

Genau heute vor 100 Jahren wurde in Weimar das Bauhaus gegründet, das von seinem Direktor Walter Gropius den Namen "Staatliches Bauhaus in Weimar" bekam.
Die Konzeption war damals etwas völlig Neues: Die Schule wollte Kunst und Handwerk zusammenführen; die Unterscheidung von Künstler und Handwerker sollte aufgehoben werden. Walter Gropius schreibt in seinem Bauhaus-Manifest: "Wir alle müssen zum Handwerk zurück ... Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers." Und das ist genau das, was mich an Bauhaus-Arbeiten so anspricht: künstlerischer Ausdruck, der auf handwerklichem Können fußt, der reduzierte, sachliche Stil und die Idee der Funktionalität. Wir sehen ein 100 Jahre altes Design, das man auch heute als modern empfindet.

Es entstanden Werkstätten für Architektur, Möbel, Weberei, Keramik, Grafik, Glas- und Metallgestaltung, Bühne, Buchbinderei und Wandmalerei, später auch für Fotografie.
Die Leiter dieser Werkstätten wurden nicht Professoren sondern Meister genannt. Unter ihnen war lediglich eine Frau: Gunta Stölzl in der Weberei.



Die Rolle der Frauen am Bauhaus ist so interessant, dass die Autorin Ulrike Müller ihr ein Buch gewidmet hat, das für mich vor einiger Zeit der Einstieg in die Bauhaus-Welt war und mir jetzt für meine textile Arbeit als Inspiration gedient hat.



Schon beim ersten Blättern im genannten Buch ist mir auf einem Foto von Gropius' Arbeitszimmer der Teppich aufgefallen, den Gertrud Arndt entworfen hat. Im Kapitel über diese Bauhausschülerin sehe ich dann ihren Entwurf genauer und bin spontan entschlossen, dieses Muster als Quilt zu arbeiten.

(fotografierte Buchseite)

Dann begannen die Überlegungen. Ich wollte keine Eins-zu-Eins-Kopie machen, versteht sich, aber die grundlegende Konstruktion von Form und Farbe verstehen und wiedergeben.

Der Teppich besteht aus 12x16 Quadraten, die Farben sind Blau- Grau- und Gelb/Orangetöne. Ich zitiere aus dem o.g. Buch: "Ein weiterer sorgfältig gemalter Teppichentwurf von 1924 war mit 37 Farbabstufungen besonders aufwändig zu realisieren, denn es gab die Garne so nicht zu kaufen. Ich musste die ganze Wolle selbst färben - ohne Ahnung und ohne Hilfe. Es war grausam ..." 

Ich besitze zwar nicht allzu viele Patchworkstoffe, aber einfarbige Baumwollstoffe in verschiedensten Farben und Abstufungen habe ich reichlich im Vorrat (nicht zuletzt durch einen kürzlich getätigten Großeinkauf an Resten). Blau und Grau habe ich leicht zusammen bekommen - das wären auch meine persönlichen Farb-Favoriten gewesen - aber die gelben Stoffe habe ich durch rötliche ersetzt. Was dazu führt, dass meine roten Quadrate im fertigen Quilt deutlich weniger dominant sind, als die gelben Partien im Original. Das kontrastreiche, leuchtende Gelb ist durchaus ein wichtiges Merkmal des Teppichs und ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch besser anders hätte entscheiden sollen. Alternativ hätte ich für das ganze Projekt neue Stoffe kaufen können ...

Im Teppich-Entwurf kann man sehen, dass die gelben Farben im mittleren Bereich konzentriert sind, d.h., in den äußeren beiden Reihen kommen diese Farben nicht vor, ebensowenig wie im zentralen 6x4 Quadrate großen Rechteck. Bei den Blau- und Grautönen ist sofort die abgestufte Anordnung zu erkennen, drei oder vier aufeinander folgende Quadrate in auf- bzw. absteigender Helligkeit. Das habe ich versucht, weitestgehend umzusetzen. Hier einige Detailfotos, die die Farbabstufungen in meiner Arbeit zu zeigen:




Meine Quadrate sind fertig zusammengenäht 5x5 cm groß und da ich auch bei Patchwork gern mit 1cm Nahtzugabe arbeite, habe ich 7cm breit zugeschnitten. Aber nicht jedes Quadrat einzeln, sondern habe zwei, drei bzw. vier Streifen in abgestufter Farbfolge längs zusammengenäht. Quer auseinander geschnitten hatte ich nun keine Einheiten, die mir das Zusammensetzen erleichtert haben. Als Hilfe habe ich mir die Reihen auf der Fotografie im Buch nummeriert - ganz schwach mit Bleistift, man kann es im Foto oben sehen. Das werde ich als Erinnerung an meine Arbeit so belassen.

Die 192 zusammen genähten Quadrate habe ich mit einem dünnen Baumwollvlies hinterlegt. Die Rückseite bildet ein hellblauer Baumwollstoff aus meinem Vorrat.

Ein Teppich ist natürlich nicht gequiltet, aber ich kam hier nicht drum herum. Längs und quer im Nahtschatten, oder dichte Linien, Kreise, Muster? Das hat mir alles nicht wirklich zugesagt. Schließlich habe ich mich entschlossen, die Quadrate an ihren Kreuzungspunkten mit einem gestickten Kreuz zu fixieren. Dafür habe ich dunkelblauen Sticktwist verwendet. Das sieht auf der Rückseite ulkig aus, ist aber egal, da mein Werk an der Wand hängen wird. Fest stand von Anfang an ein unsichtbares Binding. Eine Anleitung dafür habe ich im Netz gefunden und war besonders von der Verarbeitung der Ecken angetan.



Mein fertiger Quilt ist 60x80cm groß.



Mitte Februar hatte ich hier auf dem Blog dazu aufgerufen, eine vom Bauhaus-Stil inspirierte Arbeit anzufertigen, darüber zu bloggen und mir zur Verlinkung anzubieten. Das war eine spontane Idee, die sich nun mit den Stoffspielereien am Ende des Monats kreuzen, die ebenfalls das Bauhaus zum Thema haben. Da ich die Gastgeberin sein werde, werde ich mir erlauben, die Sammlung die dann entstanden sein wird, hier zu verlinken. Ich sehe auch, dass es bei der Großen Nadelbrief-Nähaktion in Kalenderwoche 41 das Thema Bauhaus gibt. Auch darauf würde ich dann gern explizit verweisen, wenn es soweit ist und die Beitragenden damit einverstanden sind.

Ich würde mir wünschen, dass ich auch von nicht-textilen Arbeiten Kenntnis bekomme, um sie hier zu erwähnen. Wer mag vielleicht dafür bei den Malern, Keramikern, Fotografen und bei den Kunsthandwerkern im Bereich Glas, Holz und Metall Werbung machen? Es wäre schön, hier eine gewisse Bandbreite zusammen zu bekommen. Das ist groß und mutig gedacht - aber man darf ja mal träumen ....

Da das Bauhaus-Jubiläum quasi das ganze Jahr über gefeiert wird, würde ich meine Sammlung auch bis zum Jahresende offen halten. Ich verlinke persönlich und ohne Linktool.

Wer ein Bauhaus-Museum oder eine der vielen Bauhaus-Sonderaustellungen und Veranstaltungen besucht und einen persönlichen Bericht veröffentlicht und damit hier verlinkt werden möchte, mag sich gern bei mir melden. Für alle Interessierten gilt: Meldet euch mit einem Kommentar zu diesem Post oder einer Mail.

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Hier berichtet eine Blogger-Kollegin von der Bauhaus-Ausstellung "Utopie und Anpassung" in Oldenburg. Sie läuft noch bis zum 4. August.

Dienstag, 9. April 2019

EPP - Penrose Parkettierung

Angestachelt durch meine kürzliche Entdeckung des English Paper Piecing (EPP), kam mir wieder in den Sinn, dass ich vor längerer Zeit einmal versucht habe, das Muster einer Penrose Parkettierung in Patchwork-Technik zu nähen. Da es dabei viele, viele Y-Nähte gibt, ist das in herkömmlicher Technik nicht möglich. Mit EPP jedoch schon!

Ich habe das bekannte Rautenmuster gewählt und zwei Schablonen ausgedruckt, mit deren Hilfe ich meine Stoffstücke zugeschnitten habe. Das Besondere an diesen Rauten: Sie haben einen Winkel von 72° bzw. 36°. Fünf der dicken Rauten zusammengelegt, bilden einen 360°-Kreis.

So kann ein Penrose-Muster aussehen:

Bildquelle: Wikipedia


Ein kurzer Blick auf meine ersten Versuche:



Eine Rosette mit anschließender Umrundung mit den schmalen Rauten ist fertig und die Patches für die nächste Runde sind in Arbeit. Macht Spaß! Ich kann unabhängig von Nähmaschine und gewohntem Arbeitsplatz vor mich hin sticheln und werde das wahrscheinlich mit in den Urlaub nehmen.

Dies ist eigentlich nur ein Probeteil und wenn das weiter so gut gelingt, werde ich eine "richtige" Arbeit in Angriff nehmen, gut durchgeplant und mit ausgesuchten Stoffen. Wenn das eine gewisse Größe bekommen soll, kann sich die Fertigstellung lange hinziehen. Aber das haben diese Arbeiten so an sich.

Wenn es mehr zu berichten gibt, werde ich auch weitere Hintergrundinformationen liefern.

Sonntag, 31. März 2019

Stoffspielereien im März 2019

In diesem Monat lautet das Thema der Stoffspielereien: Geometrie. Ein feines Thema - es hat mich sehr angesprochen.



Dafür habe ich wieder einmal das Buch Quilten in der dritten Dimension von C. June Barnes  zur Hand genommen, das ich mir schon vor längerer Zeit als Anregung für die Stoffspielereien im allgemeinen gekauft hatte. Hier erobern die textilen Arbeiten die dritte Dimension und das hatte ich mir auch für dieses Mal vorgenommen.

Ich wollte die platonischen Körper aus Stoff gestalten. Beim ersten Versuch war ich noch relativ dicht an den Vorgaben im Buch, aber das Ergebnis hat mir nicht gefallen. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu machen - und der Mülleimer wurde gerade geleert ... Schade, wir wissen ja, auch weniger gelungene Experimente können bei den Stoffspielereien gezeigt werden.

Mein textiler Würfel/Quader war jedenfalls zu formlos für meinen Geschmack und da ich kurz zuvor etwas über English Paper Piecing (z.B. hier erklärt) gelesen hatte, habe ich die Teile, aus denen sich meine platonischen Körper zusammensetzen, mit weicher Pappe verstärkt, die ich nach dem Zusammennähen nicht wieder entfernt habe. Jetzt hatte ich stabile "Wände" für meine Körper.

Quader
Tetraeder

Oktaeder

Das Auf-Kante-Nähen war komplett neu für mich und bei meinen Objekten müssen einige Nähte auch von außen gearbeitet werden. Gut, dass ich zuletzt beim Mola-Nadelbrief schon ähnlich feine Sticheleien gemacht hatte.



Für die Stoffspielereien habe ich nur drei der fünf platonischen Körper genäht, habe mir aber vorgenommen, alle fünf noch einmal neu und in zueinander passenden Größen in dieser Technik zu arbeiten. Dann sollen auch die Stoffe besser harmonieren. Ich könnte ja ein Mobile daraus machen. Kennt das noch jemand? Das war in meiner Jugend mal en vogue.

Nun verweise ich noch auf die heutige Sammlung der textilen Geometrie-Arbeiten, die auf Karens Blog feuerwerkbykaze zu finden sind. Besten Dank für das Thema und fürs Sammeln.

Am 28. April - letzter Sonntag im Monat - werde ich hier die Arbeiten zum Thema 100 Jahre Bauhaus sammeln. Das wird in einer noch nicht ganz feststehenden Weise mit meinem Aufruf, eine wie auch immer vom Bauhaus inspirierte Arbeit zu fertigen verknüpft werden. Schön wären auch Arbeiten aus den Bereichen Keramik, Holz, Metall usw. Vielleicht mögen Leser, die sich auf diesen Gebieten betätigen (oder Menschen kennen, die es tun) für meine Idee Werbung machen. Ich würde das ganze Jahr über Projekte bei mir verlinken.

Unsere Einladung zu den Stoffspielereien:

Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
28.04.2019: „100 Jahre Bauhaus“ bei Siebensachen zum Selbermachen (s.o.)
26.05.2019: „Heimat“ bei Nahtlust
30.06.2019: „Afrika“ bei made with Blümchen
29.09.2019: „Miniatur“ bei Feuerwerk bei Kaze
27.10.2019: „Handweben“ bei Schnitt für Schnitt
24.11.2019: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du hier bei mir.