Sonntag, 31. Mai 2020

Stoffspielereien im Mai 2020

Heute lautet das Thema der Stoffspielereien: Blumen, vorgeschlagen von den drei Damen vom Blog PeterSilie & Co. Dort werden auch die Beiträge, die über den Tag von den anderen Stoffspielerinnen veröffentlicht werden, gesammelt.

Ich habe für mein Projekt Blumen appliziert.



Ausgangspunkt war ein blau-naturfarbener Doppelmull-Baumwollstoff, der schon geraume Zeit bei mir lag. Ein Oberteil? Ein Kleid? Der Stoff allein hätte eher langweilig ausgesehen - er musste mit etwas aufgepeppt werden. Von einem blaugemusterten Leinen - ebenfalls doppellagig - hatte ich noch einen ordentlichen Rest (von diesem Oberteil). Es lief auf ein Kleid hinaus. Das Vorderteil habe ich auf der Höhe der Brustabnäher quer geteilt und das obere Teil aus dem gemusterten und das untere aus dem einfarbigen Stoff zugeschnitten. Der gemusterte Stoff hat leider nicht ausgereicht, um das auch beim Rückenteil so zu machen. Und dann brauchte ich ja auch noch Material für meine Applikationen. Dafür habe ich die Blüten ausgeschnitten, mir ein Layout auf dem Kleid ausgedacht und die Stoffstücke schließlich mit Sticktwist mit der Hand aufgenäht - eigentlich genau so, wie vor einiger Zeit bei einem Shirt. Dort hatte nur eine Blume ihren Platz gefunden und auch nur, um einen Fleck zu verdecken. Anschauen? - Hier.

Bei meinem Kleid sind die Blütenapplikationen also keine Fleckverdeckung sondern Design.


Das Foto zeigt mein Layout; ich hatte es sogar relativ schnell gefunden. Beim Positionieren ist mir aufgefallen, dass es schöner und ruhiger aussieht, wenn die Stoffstücke im gleichen Fadenlauf aufliegen.

oben im Fadenlauf, unten nicht
Da mein Blumenstoff zwei schöne Seiten hat, konnte ich noch eine Hell-Dunkel-Variation hineinbringen. Ich habe zunächst die Blumen nur grob ausgeschnitten, dann aufgenäht und zuletzt mit etwas Rand das Überstehende abgeschnitten. Die Kanten sollten offen bleiben und dürfen ein wenig fransen. Das das haltbar sein wird, weiß ich vom Shirt - siehe oben.


Ganz fertig bin ich leider nicht geworden, wie man auf den Fotos unten sieht. Die Quernaht im Vorderteil will ich nochmal ein Stück auftrennen und die angeschnittene Blume in der Naht mitfassen. Das Gleiche habe ich an der Schulter vor. Dann müssen noch die Besätze an Ausschnitt und Armlöcher sowie der Saum genäht werden.



Der Schnitt ist übrigens jener, den ich auch für mein "Rosenkleid" verwendet habe. Dazu trage ich immer ein Shirt. Ob ich das bei diesem Kleid auch so machen werde, weiß ich noch nicht sicher. Ich könnte es mir auch ärmellos vorstellen. Bevor ich die Armausschnitte nähe, muss ich mich entscheiden, denn für die Version mit Shirt darunter, brauche ich etwas mehr Weite.

Nun bin ich gespannt, welche "blumigen" Ideen die anderen Stoffspielerinnen haben und klicke rüber zu PeterSilie & Co.


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Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Im Juni bei Gabi (madewithbluemchen.at) mit dem Thema "Monogramme".

Montag, 25. Mai 2020

Ice-Dyeing - erster Versuch

Bereits zur Jahreswende hatte ich mir vorgenommen, dass 2020 wieder mehr gefärbt werden soll. Alles, was sich so für mich anbietet: Eco Print, Pflanzenfarben, Solarfärben, Siebdruck, Stempeln, Schablonieren und auch erstmalig Färben mit Procion MX Farben.



In dem Zusammenhang hatte ich von Ice-Dyeing gelesen. Was das ist? Bitte hier oder hier nachlesen. In Kurzform erkläre ich es hier mit meinem ersten Experiment.

Meinen Baumwollstoff habe ich ca. 15 Minuten in einem Waschsoda-Bad vorbehandelt. Dann wurde er zuammengeknüddelt auf einen Ablaufrost gelegt.


Komplett mit Eiswürfeln bedeckt und mit Farbpulver bestreut:


Diese Farben habe ich verwendet:


Nun muss man warten bis die Eiswürfel geschmolzen sind.

Bei mir hat sich die rote Farbe komplett durchgesetzt; sie sieht sogar eher pink aus:



Die entstandene Musterung gefällt mir ganz gut, die Farbe jedoch weniger. Deshalb wollte ich versuchen, einen zweiten Durchgang zu färben. Dafür habe ich den Stoff in drei Teile geschnitten. Ein Teil blieb wie er war, die beiden anderen bekamen eine zweite Eispackung mit "Pale Aqua" und "Bronze".


Wenn eine Farbe schon "pale" heißt ... Sie konnte sich wiederum nicht gegen das Pink durchsetzen; man sieht sie praktisch nicht:


Bronze erscheint eher durchgehend als differenziert:


Das ist meines Erachtens alles noch ausbaufähig. Da ich noch mehr Farben habe, werde ich demnächst weiter experimentieren; im Idealfall finde ich eine Farbe, die sich so verhält wie die vom zweiten Link oben.

Übrigens: Beim ersten Link oben gibt es noch mehr interessante Tutorials.

Samstag, 2. Mai 2020

Handgewebt: Bezüge für die Lesekissen

Die Lesekissen im Bett waren ein naheliegendes "Opfer" für meine nächste Webarbeit. Sie haben neue Bezüge bekommen.



Dafür habe ich endlich das Hahnentritt-Muster ausprobiert. Ich finde, es sieht auf den ersten Blick kompliziert aus und lässt den Laien denken, die Web-Anfängerin hätte es in kurzer Zeit schon weit gebracht. Aber dieses Muster ist ganz leicht: Bei den Kettfäden wechseln sich zwei helle und zwei dunkle Fäden ab und beim Schuss verfährt man entsprechend, zwei Schuss hell, zwei Schuss dunkel. Das ist schon der ganze Spass.



Die Kissen haben je eine Seite im Hahnentrittmuster; die zweiten Seiten sind unterschiedlich. Dafür habe ich Muster gewebt, die ich kürzlich ausprobiert habe.




Mit diesen Mustern bin ich weniger zufrieden. Das obere Muster - Dänisches Medaillon - wirkt besser, wenn man die gespannten Fäden stärker anzieht, das habe ich hier nicht getan. Das untere - Pfauenauge - käme effektvoller heraus, wenn ich ein deutlich dickeres Kontrastgarn verwendet hätte, oder dieses hier doppelt. Bei meinem Muster-Test (Link oben) kann man den Unterschied sehen.

Schön gleichmäßig ist es aber geworden:



Das verwendete Garn ist Drops loves you #9 für den Hahnentritt. Es ist 100% recycelte Baumwolle, etwas steifer als normale Baumwolle und eigentlich für eine Kissenhülle gut geeignet. Für die jeweiligen Rückseiten hatte ich nicht mehr genug dunkelblaues Garn von dieser Sorte und habe statt dessen Drops Safran im praktisch gleichen Farbton verwendet.

Eine weitere Webarbeit ist bereits fertig; ich werde sie aber erst zeigen, wenn ich wieder etwas Genähtes gepostet habe, denn das soll bei aller Begeisterung für das Weben, die sich bei mir in letzter Zeit bei mir breit gemacht hat, nicht zu kurz kommen. Der Me Made Mittwoch nächste Woche wäre schon eine schöne Gelegenheit, mir fehlen nur noch die Fotos.

Samstag, 11. April 2020

Jacke für's Frühjahr: burdastyle 05-2019-111

Vor ein paar Tagen habe ich eine Jacke, die ich letztes Jahr im Oktober fertiggestellt habe, zum ersten Mal getragen. Das hat gedauert, genauso wie das Nähen der Jacke, das ich zuvor im Frühjahr begonnen hatte. Es war ein Projekt, das ich mir für das gemeinsame Nähen mit Roswitha ausgesucht hatte und wir treffen uns nur alle paar Wochen. Für diese Gelegenheiten schaue ich meist nach Modellen, die etwas aufwändiger und komplizierter sind und für die ich ein geübtes Auge einer zweiten Person besonders bei den Anproben brauche. Das war auch bei dieser Jacke wieder hilfreich.


Der Stoff ist ein Gemisch aus Baumwolle und Leinen zu gleichen Teilen, gekauft bei Pavani. Im Oktober war es dann wohl schon zu kühl für eine solche Jacke und so hing sie lange im Schrank. Aber jetzt war genau das richtige Wetter dafür.


Ein aufwändigerer Schnitt: burdastyle 05-2019-111 Gr. 40 (drei von vier Schwierigkeitspunkten). Und er wurde durch meine nicht ganz wenigen Änderungen noch aufwändiger (ein Schwierigkeitspunkt mehr). Ich habe nämlich zunächst eine SBA (small bust adjustiert - Änderung bei kleinerer Oberweite) gemacht. Gleich beim Nähen habe ich aufgeschrieben, wie ich vorgegangen bin. Ich denke, man muss den Schnitt vor sich liegen haben, um das Folgende nachvollziehen zu können. Die Änderungen betreffen das mittlere obere Vorderteil (Teil 1).

SBA:
  • Von der Abnäherspitze und parallel zum Fadenlauf eine Linie bis zur oberen Kante zeichnen.
  • Diese Linie nach unten genau mitten durch den Abnäher verlängern.
  • Eine zweite Linie quer einzeichnen: im rechten Winkel von der vorderen Kante durch die  Abnäherspitze bis an die Seite.
  • Entlang dieser Linien unten beginnend aufschneiden, jedoch oben und an der Seite nicht ganz durchschneiden.
  • Die Abnähertiefe beträgt in Gr. 40 3,5cm. Ich reduziere auf die Hälfte und schiebe dafür die Teile übereinander bis der linke Abnäherschenkel am rechten anstößt. Die vordere Kante muss gerade bleiben, denn das ist und bleibt der Fadenlauf.
  • Dann oberhalb vom Abnäher die Teile etwas übereinander schieben (bei mir 1cm).
  • Alles schön festkleben, den Brustpunkt bestimmen und den Abnäher neu einzeichnen.
  • Evtl. muss man den Abnäher unten zur vorderen Mitte hin verschieben, wenn er mit dem Faltenbruch im unteren Vorderteil keine Linie mehr bildet. Bei mir: 2cm!


Weitere Änderungen:
  • Halsausschnitt verkleinert für mehr Schulterbedeckung. Dabei nicht vergessen, den vorderen und rückwärtigen Besatz ebenfalls zu ändern. Am Schnittmuster wurde die Änderung in zwei Schritten  durchgeführt; der zweite erst nach dem Zuschnitt der Probejacke.
  • Länge: +3cm
  • Ärmel in klassischer Länge, d.h. +2,5cm. Damit entfällt der extra Schnitt für den Futterärmel.
  • Ärmelweite insgesamt etwas vergrößert.

Die Jacke gibt es in zwei Varianten im Burdaheft und beide haben sie, so wie sie sind, ihren Chic. Aber Dreiviertelärmel mag ich an Jacken nicht und bei dem zu den Schultern breiten Halsausschnitt dürfte man nur ein knappes Top darunter tragen; alles andere würde unweigerlich herausschauen und wenn das nicht hundertprozentig harmoniert, sieht es nicht gut aus - meines Erachtens.

Der Stoff im blau-naturfarbenen Hahnentrittmuster war ein Glückstreffer, denn die Materialkombination aus Baumwolle und Leinen mag ich sehr und der Stoff hat genau das richtige Gewicht für diese Jacke. Und sie passt perfekt zur häufig getragenen Jeans.


Jetzt fehlen mir ein paar schöne Gelegenheiten, um diese Jacke zu tragen und gebührend auszuführen. Das Leben während der Corona-Zeit beschränkt sich bei mir auf Hobby-Ausübungen im Haus, ausgiebigen Spaziergängen in Wald und Flur und Gartenarbeit. Also hoffe ich in dieser Hinsicht und überhaupt auf bessere Zeiten.

Allen Lesern wünsche ich angenehme Ostertage; seid zuversichtlich, achtet auf euch und bleibt gesund.

Samstag, 4. April 2020

Der erste gewebte Schal

Auf den Tischwebrahmen der Welt werden wahrscheinlich viele, viele Schals gewebt. Nun war auch bei mir der erste dran.


Mit hochpreisigen Garnen habe ich mich noch zurückgehalten; die Gefahr, dass ein Projekt nicht gelingt und dann ein nennenswerter Geldbetrag verschwindet, war mir momentan noch zu riskant. Das habe ich verwendet:



Das sind sogar drei verschiedene Baumwoll-Qualitäten - ich konnte also ausprobieren, wie sie sich miteinander verweben ließen. Das helle Garn ohne Banderole ist Drops Safran, das unten ein grau-natur meliertes Garn, das ich in einem Ausverkauf ergattert hatte. Alle haben in etwa die gleiche Lauflänge zwischen 125 und 160m pro 50g. Die einfarbigen Garne habe ich als Kette verwendet, das melierte als Schussgarn.

So sah es bei mir nach dem Schären der Kette aus:


2,50m Länge bekomme ich hin, wenn ich den Webrahmen auf seinem Ständer vor meinen Zuschneidetisch stelle und dann dessen ganze Länge ausnutze. Am hinteren Ende kann man die Konstruktion erkennen, mit deren Hilfe ich inzwischen die Kette schäre. Ich befestige einfach rechts und links zwei Schraubzwingen, hinter die ich einen Rundstab klemme. Auf der einen Seite wird er mit einem Gummiband an der Zwinge befestigt und das andere Ende hebe ich immer an, wenn ich einen neuen Faden hinzufüge. Diese Konstruktion gefällt mir besser als die bekannte direkte Schärmethode, bei der man die Kettfäden über einen Stab zieht - hier bei meinem ersten Projekt zu sehen, als ich es noch nicht besser wusste. Den Trick mit dem Stab und den Schraubzwingen habe ich so ähnlich auf einem englischen Blog entdeckt. Das hat mir unmittelbar eingeleuchtet, denn auf diese Weise haben alle Kettfäden die gleiche Länge.

Hier sieht man den Beginn der Arbeit am Webrahmen:


Da man die Kettfäden in kleinen Bündeln am Warenbaum befestigt, muss man zunächst drei oder vier Reihen mit einem Hilfsgarn (hier hellblau) weben, um die Fäden zu egalisieren. Da die Bündel am unteren Ende kleine Knoten haben, die sich beim weiteren Aufwickeln des Gewebes unschön durchdrücken und Beulen verursachen können, habe ich am Warenbaum längs aufgeschnittene Papphülsen (von Küchenpapierrollen) drübergestülpt. Auf dem Foto lassen sie eine Lücke - das darf natürlich nicht sein; ich habe sie später noch übereinander geschoben.

Wie merkt man sich eigentlich, wieviel man schon gewebt hat, wenn das Gewebte am Warenbaum aufgewickelt ist? So:


Ich habe einen schmalen Stoffstreifen alle 10cm markiert und clipse ihn zweimal an der Webkante an. Im Laufe des Webvorgangs wird der Streifen immer weiter geführt. Mein Streifen ist einen Meter lang; wenn ich am Ende bin, setzte ich den Anfang neu an.

Nach knapp 2 Metern war der Schal fertig. Wenn man ihn vom Rahmen abgenommen hat, schrumpft er schon etwas, denn auf dem Rahmen stand er ja immer unter Spannung. Da habe ich bereits gut 10cm verloren und nach einer Wäsche (obligatorisch bei Handgewebtem) weitere Zentimeter, so dass der Schal jetzt "nur" noch 1,80m lang ist (ohne Fransen).


Aber natürlich hat mein Schal Fransen; sie sind einfach am Gewebe geknotet.


Beim fertigen Schal war ich wieder überrascht, wie die Farben zusammen wirken. In meinem melierten Schussgarn habe ich neben Natur- auch deutliche Grautöne gesehen, von denen ich dachte, dass sie in dem dunkleren Uni-Garn wieder aufgenommen werden. Aber insgesamt dominiert am  Schal eher ein Naturton.


Insgesamt fällt der Schal auch eher etwas "mächtig" aus - das hatte ich mir auch weniger deutlich vorgestellt. Nun habe ich, einmal um den Hals gewickelt, eine ordentliche "Packung":


Hier erstmalig ausgeführt auf einem Spaziergang bei frühlingshafter Sonne.

Was habe ich gelernt?
Wieder einiges über das Zusammenspiel von Farben bei einem Gewebe in Leinwandbindung. Wenn sich zwei Farben in Kette und Schuss vermischen entsteht ein neuer Farbeindruck. Das einzuschätzen und vorauszusehen, ist etwas, das ich fast schwieriger zu lernen finde als die eigentliche Webtechnik. Wenn man da einen falschen Griff tut, kann das fertige Gewebe z.B. schmuddelig aussehen. Das ist mir kürzlich bei meinem zweiten Satz Küchenhandtücher passiert. Ich war zu enttäuscht, um das zu bloggen.
Meine Webbücher enthalten Kapitel über Farbenlehre - die muss ich nochmals gründlicher lesen.

Mittwoch, 1. April 2020

Me Made Mittwoch: Der Jumper


Möglicherweise weiß schon beim Betrachten des Fotos die eine oder andere, welches Modell ich hier zeigen werde. Richtig: Es handelt sich um den Schnitt, der als "das Schwanenkleid" in der Nähgemeinde bekannt und im Burdaheft 09-2012-106 in einer Kleid- und einer Sweatervariante zu finden ist. Ich habe einen Sweater, oder wie ich ihn nenne, Jumper, genäht.

Das Besondere an diesem Modell ist der französische Brustabnäher, der an der Seitennaht beginnt und bogenförmig bis zum Brustpunkt verläuft. Mir war der Abnäher zu tief und ich habe eine SBA (small bust adjustment - Anpassung bei kleiner Oberweite) gebraucht. Das ist bei dieser Form des Abnähers nicht so einfach. Ich habe mich mehrfach daran versucht und das auch auf dem Blog dokumentiert (etwas scrollen). Das war vor ziemlich genau vier (!) Jahren aber genäht habe ich das Modell erst jetzt. Gefolgt bin ich der zweiten Version, die ich bevorzugt habe, weil sie auch die Brustweite reduziert.

Jetzt aber mal ein "richtiges" Foto:



Ich bin leidlich zufrieden, finde jedoch, dass die Abnäher zu dicht zusammen sitzen. Das dürfte bei der eben erwähnten Reduzierung der Brustweite passiert sein. Falls ich das Modell noch einmal nähe, werde ich den Abnäher entsprechend etwas nach der Seite verschieben.




Zur Verarbeitung:
Ich habe die Brustabnäher sehr langsam auslaufen lassen und soweit wie möglich ein- und überstehenden Stoff weggeschnitten; bei den kleinen Abnähern der Ärmel ebenfalls. Bei der Nachbearbeitung der Fotos ist mir aufgefallen, dass sie noch zu wünschen übrig lassen. Ich habe sie mir gleich noch einmal vorgenommen und nachgenäht sowie gründlich gebügelt. Nur hatte ich dann keine Lust mehr auf eine weitere Fotosession; ihr müsst mir also einfach glauben, dass es jetzt besser aussieht.
Den Halsausschnitt habe ich mit einem 4cm breiten Besatz versehen, den ich im Abstand von 3cm mit der Zwillingsnadel festgesteppt habe. Den gleichen Abstand zur Stoffkante haben die Saumnähte. Den überstehenden Stoff schneide ich immer mit meiner Applikationsschere ab. Damit arbeite ich doch sicherer als mit der kleinen Stickschere, die ich zuvor benutzt habe.



"Falls ich das Modell noch einmal nähe ..." habe ich oben geschrieben. Da steht ein Fragezeichen, denn die Lösung des Abnäherproblems habe ich eher sportlich gesehen und wollte letztlich herausfinden, ob ich es mit meinem Nähwissen lösen kann. Ob sich der Aufwand wirklich gelohnt hat - da bin ich mir nicht so sicher. Wenn ich einen dunkleren oder gar gemusterten Stoff verwende, würde man den Abnäherverlauf, den man ja getrost als Designelement bezeichnen kann, kaum noch sehen. Und in der Passform sehe ich zumindest für mich keinen Unterschied zu konventionellen Brustabnähern.

Das neu genähte Modell lädt mich dazu ein, es beim heutigen Me Made Mittwoch zu zeigen - danke für die Möglichkeit.

Übrigens: Die Kette, die ich trage, ist ebenfalls me made und stammt aus meiner Jetzt-färbt-sie-auch-noch-Holzperlen-mit-Pflanzenfarben-Phase.


Donnerstag, 26. März 2020

Gewebter Tischläufer

Meine nächste Webarbeit habe ich vom Rahmen geschnitten, über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht (da Baumwolle), heiß von Hand in einer Waschmittellauge gewaschen und liegend getrocknet.



Jetzt gibt es auf unserem Esstisch einen neuen Läufer. Er liegt - etwas unkonventionell - quer an der Kopfseite, mit der der Tisch an der Wand steht und füllt optisch die Lücke, die eine nicht ausreichend lange Tischdecke lässt. An dieser Stelle lag bisher immer ein Läufer, nur dieser hier gefällt mir besser:



Der Läufer ist wieder (wie diese Tasche) mit verschlungenem Schuss gewebt, ich habe die Farbfelder nur etwas anders aussehen lassen. Es macht mir Spass, in dieser Technik zu weben und da es noch weitere Varianten gibt, z.B. mit drei oder vier Farben, kann ich mir vorstellen, dass ich das bald einmal wieder machen werde.

Die Details:
Kette: Tex 30x6 Cotton Twine Liina
Schuss: Drops Safran (BW) 50g LL 160m und Drops Loves You 7 (hellblau, BW) 50g LL 170m
Maße: 116x40cm



Eigentlich hätte ich gerne Tischsets in diesem Muster, allerdings ist das Gewebe, so wie es jetzt ist, zu weich dafür. Ich müsste mir etwas einfallen lassen, um den Sets mehr Stabilität zu geben. Eine Idee habe ich jedoch bisher noch nicht.

Die tolle Doppelwandschale ist übrigens von dieser Keramikerin, gekauft beim letzten Töpfermarkt in Flörsheim am Main.