Sonntag, 16. September 2018

Weil's ein Erfolg war: ein weiterer Jersey-Cardigan

Manchmal tue ich ja, was ich ankündige. Als ich Anfang Juli bei der Präsentation des "langweiligen" Cardigans aus naturfarbenem Jersey laut über weitere Modelle nach diesem Schnitt nachgedacht habe, ist jetzt tatsächlich eine blau gemusterte Variante entstanden. Also nicht langweilig.


Der Stoff ist ein Leichtsweat und war ein Spontankauf im Kaufhaus der nahen Stadt, wo sonst diese Qualitäten selten zu finden sind. Ja, es ist ein hochwertiger Stoff und auch etwas teurer, aber das hat sich sowohl beim Nähen als auch beim Tragen positiv bemerkbar gemacht. Nicht verzogen, problemlos zu verarbeiten und sehr angenehm auf der Haut. Das Material ist eine Bio-Baumwolle. Das ist einmal wieder ein Plädoyer für den Kauf von guter Ware; es macht sich einfach bemerkbar.

Der Schnitt ist bereits vor acht Jahren in burdastyle 04-2007 erschienen - Modell 117. Schön finde ich, dass die Knopfleiste aus einem Webstoff genäht ist. Das hält alles schön flach und man hat keine dicken Übergänge. Mein Webstoff ist ein Feinleinen, das ich in meiner Vorratskiste gefunden habe; ich war ganz erfreut, dass die Farbe so schön passt, musste aber versuchen, mit einer kleineren Menge auszukommen. Deshalb ist die Knopfleiste  auch nicht wie bei Burda und wie beim Vorgänger-Modell komplett im schrägen, sondern im geraden Fadenlauf zugeschnitten. Als Schnittmuster konnte ich die vorhandene Bügelschablone verwenden. Die Verarbeitung ist natürlich unterschiedlich, aber das Ergebnis ist im Großen und Ganzen gleich.



Bei Farbe und Muster schwebte mir gleich die Kombination zur Jeans vor und dazu sieht es auch am besten aus.

Ich hatte ja vor, den Cardigan etwas länger zuzuschneiden, da er vornehmlich oder sogar ausschließlich zur Hose gedacht war; dafür hatte ich mir bereits "Verlängerungsteile" gezeichnet, habe sie jedoch beim Zuschnitt glatt vergessen an Vorderteil- und Rückenteil anzulegen. Ein wenig ärgerlich, aber ich denke, dass ich mit dieser Länge durchaus leben kann. Der nächste wird dann eine Handbreit länger.

Ich verlinke diesen Beitrag bei frau freut sich, eine Linkparty, ähnlich wie der MMM, auch einmal im Monat, jedoch zur Monatsmitte.

Mittwoch, 5. September 2018

Me Made Mittwoch: "Chanel-Kleid"

Bevor der Sommer vorbei ist und Fotos von ärmelloser Kleidung uns frösteln lässt, zeige ich heute dieses Kleid:


Der Stoff, den ich während einer Norditalien-Reise im Frühjahr gekauft habe, hat einen leichten Chanel-Charakter. Beim Kauf wusste ich noch nicht, was ich daraus nähen könnte, aber da die Menge großzügig kalkuliert war, habe ich mich für ein Kleid entschieden.



Der Schnitt (burdastyle 08-2011-125, der folgende Link enthält Info und Schnittbesprechung) war bereits einmal genäht, nämlich für das Weihnachtskleid 2017. Für diese sommerliche Version habe ich allerdings den Schal weggelassen und auch auf die Teilungsnähte im Rock habe ich verzichtet aus der Überlegung, dass sie die Wirkung des Stoffmusters stören könnten. Im Nachhinein denke ich, dass diese Sorge unbegründet war und im Vergleich zum Weihnachtskleid stelle ich auch einen besseren Fall des Rocks fest, wenn die Bahnen geteilt sind.

Der Stoff hatte eine schöne fransige Webkante, die ich am Hals- und Armausschnitt sowie am Saum verwendet habe:

 


Zunächst hatte ich ein komplettes Futter zugeschnitten, was sich jedoch schon bei der ersten Anprobe als viel zu wärmend herausgestellt hatte - wahrscheinlich auch hervorgerufen durch die sehr warme Zeit, in der ich das Kleid genäht habe. Für die Versäuberung des Halsausschnitts habe ich mir dann die Lösung ausgedacht, die man im obigen Foto sehen kann.

Und aus einem Rest ist noch ein kleines Täschchen entstanden:



Da dies ist nicht gerade ein Alltagskleid ist, habe ich es bisher nur zweimal getragen, in beiden Fällen zu einem Konzertbesuch. Das Foto ganz oben ist im Kloster Arnsburg entstanden.

Diesen Beitrag verlinke ich mit dem MMM-Blog, wo heute wieder selbstgemachte Mode an der Frau gezeigt wird.

Montag, 3. September 2018

Rostfärbungen - "Rust never sleeps"

Von Rostfärbungen hatte ich noch nie etwas gehört bevor ich im Frühjahr 2017 einen Kurs bei Brunhilde Scheidmair in Speyer gemacht habe. Das "Rosten" war sozusagen ein Exkurs zum eigentlichen Thema des Kurses, Eco Print. Hier habe ich über den Kurs berichtet und auch Fotos gezeigt. Der große Unterschied zu Eco Print ist, dass die Rostfärbungen nicht dampffixiert werden und somit relativ einfach zu machen sind. Das Grundprinzip kannte ich also: Baumwollstoffe werden mit Gerbstoffen und Eisen bzw. bereits rostigem Eisen zusammengebracht, das dann seine Wirkung entfalten darf.



Im Kurs damals hatten wir mit Gerbstofflösungen aus Gallapfel, Granatapfelschale und Catechu gearbeitet, jetzt wollte ich Kaffee, Tee und Rotwein ausprobieren und ich habe auch kein Eisenpulver verwendet, sondern rostige Gegenstände. Und ich habe neben Stoffen auch gebrauchte Teebeutel rostgefärbt; da war der Gerbstoff sozusagen schon drin. Im englischen Sprachraum scheint das häufiger betrieben zu werden, denn mit den Suchbegriffen "teabags, rust" bekommt man deutlich mehr Nennungen als mit den deutschen Pendants. Also werden seit einiger Zeit die Beutel meines Morgentees einer zweiten Verwendung zugeführt. Interessant sind die Teebeutel vor allem, weil sie so zart und transparent sind; das eröffnet noch mehr Möglichkeiten für die Weiterverarbeitung als Stoff.

Das Foto oben zeigt einen meiner ersten Versuche mit einem Teebeutel. Ich habe einen flachen, rostigen Gegenstand auf den teefeuchten Beutel gelegt und gründlich beschwert, damit ein guter Kontakt entsteht. Da für das Rosten Sauerstoff nötig ist, habe ich Abdeckung und Beschwerung nach einiger Zeit wieder weggenommen und den Rostvorgang noch etwas weiter gedeihen lassen. Mit diesem Ergebnis war ich schon mal sehr zufrieden: das Muster, die Farben, die Schattierungen, hier ein Detail:



Einen anderen Rostdruck habe ich mit Applikationsvlies auf einen leicht strukturierten Stoff aufgebügelt:



Die leichte Transparenz des Teebeutels lässt noch die Stoffstruktur durchscheinen und man kann auch die ursprünglichen Knicke der Beutelfaltung erkennen; das finde ich besonders schön.



Und das war des rostige Gegenstand, der diesen Abdruckt verursacht hat:



Man kann die Form wiedererkennen, oder?
Hier ist es wahrscheinlich leichter, Rostabdruck auf Aquarellpapier:

 


Und nun Rost auf Stoff. Dafür habe ich regelrecht eine kleine Versuchsreihe angelegt, mit Kaffee, schwarzem und grünem Tee als Gerbstoff. Meine rostigen Gegenstände waren Ginkgoblätter:




Die Unterschiede sind nicht sehr groß und es ist letztlich nicht zu entscheiden, ob sie vom Grad der Feuchtigkeit, Rostintensität oder Form der Vorlage (es waren drei Blätter) herrühren. Ich habe mir vier Färbungen ausgesucht und weiterverarbeitet:


Der Abdruck rechts oben gefällt mir am besten; er erinnert mich an Inseln auf einer alten Landkarte.




Einen leeren Rahmen hatte ich noch; es ist der gleiche, wie ich ihn für meine erste gerahmte Rostfärbung verwendet habe - nochmal anschauen?:


Diese Arbeit ist im Zusammenhang mit den Stoffspielereien im Oktober 2017 entstanden; bitte hier lesen, wenn man mehr darüber wissen möchte.

Im Moment sind die Experimente mit Rotwein in Arbeit. Mal schauen, was daraus wird; vielleicht setze ich hier auch mal wieder das Eisenpulver ein.

Wer jetzt Lust bekommen hat, das ebenfalls zu betreiben, mag sich bitte vorher kundig machen, welche Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Rost zu beachten sind; Einatmen oder Verschlucken von Roststaub kann gesundheitsschädigend sein.


Freitag, 31. August 2018

Kleid: burdastyle 07-2018-113

Ich beginne meine Schnittbesprechung gleich mit dem Foto:





Dieses Kleid in der Juliausgabe 2018 von burdastyle hatte mir gleich gefallen. Das obere Vorderteil hat eine mit einem schmalen Steg zusammengehaltene Raffung - von Burda "Knoten" genannt, obwohl das natürlich keiner ist. Der Ausschnitt ist vorn und hinten ein gespreiztes V - vorn durch die Raffung leicht nach oben gebogen. Die Schultern sind etwas überschnitten. Die Quernähte sind von der Taille aus um ein paar Zentimeter nach oben versetzt, vorn mehr als hinten, denn die Naht verläuft leicht spitz nach oben und ist somit eine Spiegelung des Ausschnitts. All dies sind schöne Details, die den Reiz des Schnitts ausmachen. Also muss man ihn einfach nähen!



Ich hatte in der Burdaredaktion angefragt, wie ich bei diesem Kleid am besten eine Änderung für eine kleine Oberweite mache (SBA) und in weniger als 24 Std. eine Antwort mit Skizze erhalten:

Bildrechte bei der Redaktion von burdastyle



Man hat mir geraten, die Schrägstellung des oberen Vorderteils nicht zu verändern, sondern den Brustabnäher zu reduzieren: an der markierten Linie durchschneiden und um den halben Inhalt  übereinander schieben. Das habe ich so durchgeführt und es war genau richtig. Danke!


Mein Stoff ist ein Ramie - glaube ich, denn er hat einen Charakter wie Leinen, ist aber ein wenig steifer. Genau genommen ist das nicht die ideale Beschaffenheit für dieses Modell; ein weicherer Stoff wäre speziell für die Raffung besser. Aber der Stoff war im Schrank und die Farbe gefiel mir gut, also habe ich es gewagt.

Burda sieht für die oberen Schnittteile ein Futter vor. Ich wollte ein möglichst luftiges Kleid und habe deshalb  darauf verzichtet. Deshalb musste ich mir eine andere Methode für die Versäuberung des Schlitzes an der Raffung überlegen. Ich habe diese Öffnung mit einem Stoffstück verstürzt und knappkantig abgesteppt.



Die Armausschnitte sind mit einem Schrägstreifen verstürzt, den ich schmal gehalten und eingeschlagen aufgesteppt habe.

Jetzt habe ich an einem der letzten wärmeren Tage endlich die Fotos gemacht und hoffe, dass noch der eine oder andere schöne Tag kommt, denn ich habe das Kleid noch gar nicht getragen und wünsche mir noch eine Gelegenheit. 


Donnerstag, 16. August 2018

Sommerkleider im Kleidersommer

In diesem warmen, ja heißen Sommer habe ich so oft Kleider und Röcke getragen wie noch nie zuvor in dieser Jahreszeit. Deshalb habe ich auch noch das eine oder andere Sommerkleid gebraucht. Ich mag ja am liebsten diese ärmellosen Etuikleider (die ich bisher nicht ganz korrekt Shiftkleider genannt habe). Man hat Luft um die Beine, an der Taille liegt nichts an und ich finde, sie stehen mir ganz gut. Sie haben nur einen Nachteil: Man kann nicht gut damit Fahrrad fahren. Mal eine kürzere Strecke bei  uns im Ort kriege ich hin, aber die knapp zehn Kilometer zum Arbeitsplatz sind zuviel. Da kommt mir entgegen, dass ich den Weg nicht täglich machen muss. Aber ich schweife ab.

Zwei neue Etuikleider sind entstanden, eines aus einem vorhandenen und eines aus einem spontan gekauften Stoff, der mir so gut gefallen hat. Meinen bewährten Schnitt habe ich bei dieser Gelegenheit im oberen Vorderteil noch ein wenig bearbeitet, habe versucht, den Übergang von der kleineren Oberweite zu den breiteren Schultern zu verbessern. Der Schnitt ist burdastyle 06-2004-130, inzwischen so acht bis zehn mal genäht im Laufe der Jahre und alle Kleider existieren auch nicht mehr.

Jetzt aber die Fotos:

 


Dieses Kleid ist aus einem Bicolor-Feinleinen, d.h. Kette und Schuss haben unterschiedliche Farben, hier weiß und mittelblau. Das ist der Stoff aus dem Vorrat, wahrscheinlich einmal in Kassel gekauft. Hier habe ich auf die senkrechten Abnäher im Rücken, die der Schnitt vorsieht, verzichtet. Die Fotos verraten mir nun, dass das Kleid mit Abnähern wohl besser sitzen wird; deshalb werde ich sie noch einfügen. Das Kleid habe ich während der heißen Tage schon mehrfach getragen.




Das bunt geblümte Kleid ist aus einem Viskose-Leinen-Gemisch, das sich weich und angenehm anfühlt. Farben und Muster haben mich sofort angesprochen und da der Preis moderat war, habe ich 2m mitgenommen (Kaufhaus in der nahen Stadt). Hier habe ich die Rückenabnäher eingefügt; das hat der Optik gutgetan, obwohl das Muster eher ein Manko bei der Passform verziehen hätte. Außerdem habe ich den für Halsausschnitt und Armlöcher zusammenhängenden Besatz aus einem dünnen, einfarbigen Baumwollbatist genäht. Ich wollte es möglichst wenig auftragend.



Dieses Kleid hat heute seine Prämiere: für die Fotos angezogen und gleich angelassen. Und zum Spaß mal den Sonnenhut aufgesetzt:



Diesen Beitrag verlinke ich bei: fraufreutsich, eine Verlinkungsmöglichkeit für selbstgemachte Damenoberbekleidung, ähnlich wie der MMM, die vom 15. bis 20. eines jeden Monats stattfindet. Mehr Zuspruch, liebe Kolleginnen!

Anmerkung:
Dies ist ein werbefreier Blog.
Die Nennung von Produktnamen, Marken, Herstellen, Händlern usw. dient nur der Information meiner Leserinnen und Leser.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Drucken mit indischen Holzstempeln

Kürzlich im Urlaub habe ich einen schönen indischen Holzstempel gekauft. Nein, ich war nicht in Indien; diese Artikel findet man ja häufig in Läden mit einem gemischten Sortiment aus dieser Region. Einige Stempel hatte ich bereits; ich habe sie jedoch nur zum Prägen von Ton verwendet und das noch nicht einmal besonders erfolgreich.

Jetzt wollte ich mit Farbe auf Stoff drucken. Eine Anleitung für den Anfang hatte ich einmal auf der Jeromin-Seite gefunden und ausgedruckt. Jetzt finde ich den Eintrag im Netz nicht mehr, wahrscheinlich ist er auf dem inzwischen eingestellten, alten Blog. Die gut aufgerührte Farbe (Siebdruckfarbe, die ich zuhause hatte) habe ich in kleineren Mengen auf einen Schaumstoffschwamm gebracht und die Farbe dort durch Auftupfen des Stempels aufgenommen. Es empfiehlt sich, zunächst ein paar Drucke auf Papier zu machen, um herauszufinden, wieviel Farbe man für einen gleichmäßigen Druck braucht. Auch muss der Stempel sich zunächst mit etwas Farbe vollsaugen. Die Unterlage sollte etwas, aber nicht zu weich sein. Ich hatte zwei Lagen alte (aber nicht allzu plattgewaschene) Biberbettwäsche unter dem Drucktuch. Die Stoffe haben am besten eine glatte Oberfläche und sind gebügelt. Will man den gestempelten Stoff später waschen können, ist eine Vorwäscht ratsam, um eine eventuelle Appretur zu entfernen.

Nach den ersten Tests war ich schnell entschlossen, für ein echtes kleines Projekt zu stempeln.




Von diesen Stoffbeuteln kann ich sowieso nie genug haben, denn ich benutze sie sehr oft. Eine kleine Markierung für das gleichmäßige Aufsetzen des Stempels war hilfreich; statt anzuzeichnen habe ich Knicke eingebügelt.



Ich hatte Feuer gefangen! Da ich testen wollte, wie sich Seide stempeln lässt, lief es schließlich auf dieses Täschchen hinaus:



Hier beide Seiten des Täschchens. Welche Anordnung ist schöner?
Für Muster und Anleitung habe ich in meinen Ordner gegriffen, denn dieses Täschchen hatte ich bereits ein paarmal genäht: hier nachzulesen, auch mit Link zur Anleitung.

Dann aber etwas "Richtiges"! Im Restekarton für Patchworkstoffe hatte ich noch einige Stücke Marble-Stoffe, die ich für mehrere Wandquilts verwendet hatte, hier einer davon. Gut, dann erst einmal Quadrate schneiden: 15x15cm sind sie groß; das fand ich einfach, weil das Patchworklineal dieses Maß vorgibt. Das Bestempeln war schon ein wenig wie Fließbandarbeit, hat aber Spaß gemacht.




Da ich einen Quilt in klassischer Deckengröße plane, musste ich noch etwas Stoff dazu kaufen. Glücklicherweise hatte meine Patchworkstoff-Dealerin im Nachbarort noch einen Restbestand dieser eigentlich ausgelaufenen Stoffserie, so dass ich jetzt ausreichend Material habe.



Dann sind noch ein paar bestempelte Briefumschläge entstanden ...



......und ein Testlauf eines ganz besonderen Stempels:


Oben auf Stoff, unten auf Papier. Ein sehr filigranes Muster; ich überlege noch, wo und wie ich den Stempel einsetzen werde.

Oh, das hat Spaß gemacht! Gerne würde ich Stoff für ein Kleidungsstück bedrucken; vielleicht sollte ich mit einem sommerlichen Top beginnen?

Dienstag, 17. Juli 2018

Der Frühjahrsmantel - Schnittbesprechung

Im April habe ich hier auf dem Blog einen neuen Mantel gezeigt, der rechtzeitig zum Frühjahr fertig geworden war, deshalb der Name "Frühjahrsmantel". Auch wenn das jetzt während des warm-heißen Sommerwetters etwas deplatziert wirken mag, die Schnittbesprechung möchte ich, wie im April versprochen, nachreichen.

Der Schnitt ist aus burdastyle 03-2009, Modell 115. Nebenbei: die bereits zweimal genähte Trench-Jacke (hier und hier) ist aus dem gleichen Heft.



Bei der Länge habe ich 5 cm zugegeben. Den Kragen habe ich einfach zwischengefasst. Ich gebe zu: Das mache ich manchmal, wenn Schnitt und Stoff das zulassen. Hier klappte das problemlos. Sieht es irgendwie schlechter aus als die klassische Verarbeitung? Am rückwärtigen Schlitz habe ich mehr Aufwand getrieben und Briefecken genäht; das sieht einfach schöner aus (auch wenn man es von außen ja gar nicht sieht). Der Mantel ist im Gegensatz zum Burdamodell komplett gefüttert. Und da habe ich ebenfalls aufwändiger gearbeitet. Die Verbindungsnaht zum Besatz schmückt eine Paspel. Obwohl ich es schon oft bei anderen gesehen und bewundert habe, ist dies meine erste Futter-Paspel. Dafür habe ich einen Stoffrest von einem Leinenkleid (hier auf dem vorletzten Foto zu sehen) verwendet.



Die Taschen: Die Klappen habe ich komplett verstürzt und dann aufgenäht; das sieht sauberer aus. Die Taschenbeutel haben eine Kellerfalte, die sich beim Gebrauch der Tasche nach außen beult, was mir weniger gefällt. Wenn ich den Mantel noch einmal nähe, werde ich die Taschenbeutel füttern.



Der Mantel ist, wie ich bereits im April geschrieben habe, relativ leicht zu nähen; die Passform ist gut (nicht zu eng, nicht zu weit) und garantiert einen schönen Mantel für jeden Tag. Mein Stoff war ein echtes Schnäppchen, jedoch mit mehr Elasthan als mir lieb war und ursprünglich wollte ich ihn nur für ein Probemodell verwenden, aber da ich mit dem Ergebnis recht zufrieden bin, ist es halt jetzt ein tragbarer Mantel. Der Elasthananteil ist übrigens dafür verantwortlich, dass die vorderen Kanten sich wellen, obwohl ich hier sorgsam mit nicht dehnbarer Vlieseline gearbeitet habe. Ich bemühe mich, das zu ignorieren.

Zwischenzeitlich halte ich die Augen offen nach einem weiteren geeigneten Stoff für eine zweite Realisierung; dann darf das auch gern ein Herbstmantel werden.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Foto nachreichen, das mich im Mantel vor der Jil Sander-Ausstellung in Frankfurt zeigt. Ich hatte es tatsächlich noch kurz vor Toresschluss geschafft hinzufahren:


Der Roller im Vordergrund ist Zufall (aber nicht undekorativ) aber mein Kleid unter dem Mantel nicht; es ist das tragbare Probemodell meines Jil Sander-Kleids, das im Rahmen eines Sew Alongs entstanden ist. Beim letzten Post des Sew Alongs habe ich jetzt noch nachträglich ein Foto vom Kleid eingestellt und wer sich für den ganzen Sew Along interessiert, findet dort die Links dazu.

Ich verlinke diesen Beitrag mit fraufreutsich, eine relativ neue Linkparty, bei der man immer in der Monatsmitte vom 15. bis 20. selbstgenähte Kleidung für die Frau einstellen kann. Werbefrei, wie auch der MMM. Ich freue mich, dass es diese Möglichkeit gibt und bin gespannt, wie sie sich etabliert. Informationen zur Initiatorin findet man dort.