Sonntag, 25. April 2021

Stoffspielereien im April 2021: Fransen

Gabi lädt heute ein, Stoffspielereien zum Thema "Fransen" zu präsentieren. Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Beiträge am heutigen Tag.

Ich habe 'mal wieder gewebt. An vielen Webarbeiten, Schals insbesondere, finden sich Fransen - also gingen meine Gedanken bei der Suche nach einem Projekt in diese Richtung. Aber einfach nur Fransen an zwei Enden des Webstücks - das war mir zu wenig. Seitliche Fransen sollten auch möglich sein, also habe ich Informationen gesucht und angefangen, ein Experimental-Tuch zu weben.

Und so sieht es aus:

Anleitungen habe ich auf einem norwegischen Blog (in Englisch) gefunden. Diese Informationen waren sehr hilfreich, denn ohne die "Hilfsfäden", von denen ich dort gelesen habe, wäre meine Webarbeit wahrscheinlich nicht gut gelungen.


Das Foto zeigt den Anfang der Webarbeit mit den "Hilfs-Kettfäden" (rot) am Rand des Webteils und mit Abstand - für die Fransen - am ganz äußeren Rand. Auf der anderen Seite der Webarbeit sieht das natürlich entsprechend aus. Nach dem Schären der Kette habe ich ein Foto gemacht:


Ab einer gewissen Breite der Webarbeit verwende ich zwei "Pflöcke" (bei mir Schraubzwingen), um die die Kettfäden beim sog. direkten Schären verlaufen. Dann wird die Kette am Kettbaum (im Foto im Vordergrund) aufgewickelt. Nach dem kompletten Einfädeln im Webkamm werden die Fadenenden angebunden; das ist im ersten Foto am unteren Rand noch gerade so erkennbar. Dann kann man mit Weben loslegen.

Ich wollte auch die Gelegenheit nutzen und ein wenig mit Mustern experimentieren und auch schauen, wie Farben miteinander harmonieren. Die folgenden Bilder zeigen ein paar Muster, die spontan entstanden sind:





Und so sah das fertige Stück aus als ich es vom Webrahmen abgenommen habe:


Hier sieht man ganz schön, wie die roten Hilfsfäden im mittleren Bereich die Tendenz haben, sich dahin zu bewegen, wo Platz ist. Hätte ich auf diese Fäden verzichtet, wäre mein Gewebe seitlich etwas ausgefranst und die anschließenden Knoten wären mir schwer gefallen zu schlingen.

Zuerst habe ich die Knoten an den Schmalseiten gemacht, dann an den langen Seiten und dabei nach und nach die roten Fäden entfernt. Nachdem nun alles fest und an seinem Platz war, habe ich das Gewebe gewaschen. Das macht man bei Handgewebe immer, denn erst dann bekommt es sein endgültiges Aussehen.

Jetzt noch die Fransen auf Länge schneiden. Das gelingt am besten mit Patchworklineal und Cutter auf der Schneidmatte.  Die Fransen an allen Seiten sind 5cm und die an den Schmalseiten 7cm lang. Aber dann sind da ja noch die Schlaufen auf dem Gewebe. Sie heißen Ryanknoten, dabei werden kurze Garnstücke in die Kettfäden hineingeknotet.

Da ich die Fäden doppelt genommen habe, dominieren optisch die Schlaufen. Nach der Wäsche habe ich mich dazu entschlossen, sie so zu belassen wie sie sind und nicht aufzuschneiden oder gar zu kürzen. Im Zweifelsfall kann ich das immer noch machen.

Mein fertiges Webstück ist einschließlich Fransen 39x122cm groß und ich überlege, was ich damit mache: naheliegend wäre ein Tischläufer, die kommen jedoch in unserem Haushalt eher selten vor. Ich könnte es an die Wand hängen; ein kurzer Test hat ergeben, dass die seitlichen Fransen nur wenig herunterhängen ... ich werde es wohl ein wenig ruhen und „reifen“ lassen, dann kommt schon noch eine Idee.

Ich habe jetzt nichts zu Mustern und Farben geschrieben, weil das hier zu weit ausufern würde. Ich kann dem einen extra Blogpost widmen, zumal es noch eine andere bisher nicht gezeigte Webarbeit gibt, die sich mit Mustern beschäftigt.

Was zeigt eigentlich das erste Foto oben? Das sind die Fadenreste, die ich beim Kürzen der Fransen abgeschnitten habe.

Zum Ende noch etwas in eigener Sache. Kürzlich habe ich versehentlich die Seite mit der Auflistung der Stoffspielereien gelöscht! Sehr ärgerlich! Ich habe dann Gabi, unsere Organisatorin der Stoffspielereien und gleichzeitig IT-Expertin um Rat gefragt, aber leider konnte sie bei Blogger den verlorenen Inhalt nicht wieder auffinden. Aber: Sie hatte sich einmal meine Seite kopiert und konnte mir das als Word-Datei überlassen. Die Liste ist zwar nicht ganz vollständig, aber das Meiste ist da und ich werde es demnächst wieder installieren. Leider werden nur alle Links, die in der Vergangenheit auf meine Seite gesetzt worden sind, ins Leere laufen, auch wenn die neue Liste wieder da ist. Also bitte kopiert ab sofort nicht mehr den alten Link! Man könnte die Links neu setzen, aber das macht Arbeit ... das mag jede Stoffspielerin entscheiden, ob es die Mühe wert ist. Zum nächsten Termin Ende Mai wird die Liste bei mir auf jeden Fall wieder da sein.

Und was sind eigentlich die Stoffspielereien?

Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Es gibt noch zwei Termine bis zur Sommerpause:
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Dann geht es im September weiter.

Dienstag, 20. April 2021

Pflanzenfärbungen mit Traubenhyazinthen und Coreopsis tinctoria

Ich habe wieder mit Pflanzenfärbungen begonnen. Auslöser waren die Traubenhyazinthen, die sehr reichlich im Garten blühen. Deshalb ist es auch gar nicht aufgefallen, dass ich nach und nach zusammen 200g Blüten gesammelt habe.


Ich habe die Blüten mehrere Stunden eingeweicht, dann ca. eine Stunde ausgekocht und mit dem Pflanzenmaterial im Sud über Nacht abkühlen lassen. Sodann abgeseiht, soviel Wasser aufgefüllt, dass die Menge für einen Strang Wolle ausreichend war und alles in meinen Färbetopf gekippt. Bei Mengen ab dieser hier verwende ich einen Einkochautomaten.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man beim Färben nur bis max. 80°C erhitzen soll; das habe ich eingehalten. Die wenigen Färbungen, die ich bisher gesehen hatte, waren mehr oder weniger hellblau, meine Wolle (80% Merino/20%Seide, gebeizt mit Kaltbeize AL)) war nach ca. einer Stunde Färben helltürkis:


Damit man die Farbe besser einordnen kann, habe ich indigoblaue und grüne Wolle daneben gelegt:


Der Farbton gefällt mir jedenfalls; genau genommen ist er schöner als ein Hellblau.

Die zweite Färbung habe ich mit den getrockneten Blüten des Mädchenauges (Coreopsis tinctoria) gemacht. Frische Blüten hatte ich im letzten Jahr erfolgreich für Eco Prints verwendet, hier gebloggt. Ich hatte viel von schönen Orangetönen gelesen - auch auf meinen Eco Prints sind sie zu sehen - und gehofft, dass ich sie auch erreichen würde, aber:


Das ist ein dunkler Caramelton, würde ich sagen. Enttäuscht? Ein wenig schon, aber die Pflanzenfärberei ist ja praktisch immer mit Überraschungen verbunden und das war wieder eine davon. In Kombination mit der Wolle von oben sieht das schon mal nicht schlecht aus:

Mal sehen, was das Jahr noch weiter bringt; ich habe wieder Lust auf Pflanzenfärbungen bekommen und inzwischen kann ich ja die Garne für meine Webarbeiten verwenden.

Dienstag, 6. April 2021

Handgewebter Breitschal

Nach meinen guten Erfahrungen mit einem Online-Webkurs (hier ist der Bericht darüber), habe ich mich vor ein paar Wochen bei einem weiteren angemeldet. Es ging mir darum, eine neue Technik zu lernen. Dabei bringt ein video-unterstützter Kurs, in dessen Rahmen man auch Fragen beantwortet bekommt, viel mehr als Erklärungen in einem Buch oder auf Webseiten mit Text und Bild.

Mit einem Gatterkamm-Webrahmen wie meinem kann man doppelt breite Stücke weben, in dem man mit zwei Gatterkämmen auf zwei Ebenen arbeitet. Das klingt erst einmal unglaublich oder unmöglich, aber es geht! Zugegeben: Es ist aufwändig und es können reichlich Webfehler passieren, aber wenn man darauf aus ist, eine Stoffbreite zu erreichen, die größer ist als der vorhandene Webrahmen, ist dies der Weg zum Ziel.

Mir ging es hauptsächlich darum, die Technik zu erlernen und herauszufinden, ob ich das kann und mag. Das kann ich auch gleich beantworten: ja und nein. Ja, ich habe das technisch bewältigt und nein, mögen tue ich es nicht.

Im Webkurs wird erklärt, in welcher Abfolge man die Kettfäden in die zwei Gatterkämme einfädelt und wie man sie bewegen muss, damit das Schussgarn den richtigen Weg nimmt. Auch zwei Leseleisten (pick up sticks) müssen richtig eingesetzt werden, um die Leinwandbindung hinzubekommen. Das waren für mich die Hauptpunkte; die verschiedenen Farben meiner Garne und die Größe des Webstücks habe ich frei gewählt. Und da ich nicht nur einen "Probelappen" weben wollte, war mein Ziel ein Breitschal.


Der Schal misst 76x184cm; das ist eine schöne Größe um mich darin einwickeln zu können. Das habe ich bereits ein paarmal gemacht; die Idee ist auch, dass es ein Reiseschal werden kann.

Zum Garn: Ich habe Sockenwolle verwebt, die ich selbst pflanzengefärbt habe; mit Indigo, braunen und roten Zwiebelschalen und Catechu. Die Farbaufteilung am Schal musste ich bis zu einem gewissen Grad den vorhandenen Garnmengen anpassen.

Warum ich mich mit dieser Doppel-Weberei nicht anfreunden konnte? Nun, sie ist sehr anfällig für Webfehler. Und ich habe viele gemacht. Man muss sich vorstellen, dass man die auf dem Webrahmen unten liegenden Schicht während der Arbeit nicht sehen kann, denn mein Rahmen ist auf einem Ständer montiert (außer man kriecht unter den Webrahmen und schaut oder benutzt einen Spiegel - ist aber beides nicht wirklich praktikabel). Das folgende Foto zeigt die zwei Lagen meines Gewebes ganz am Anfang. Ich hoffe, die Nicht-Weber unter meinen Lesern können sich in etwa vorstellen, wie das Ganze aussieht.

Wenn zwei Gatterkämme zum Einsatz kommen, liegen die Fäden auch dichter zusammen als sonst und können zuweilen aneinander kleben. Das befördert Webfehler. Glücklicherweise ist es nicht schwierig, bei einer Leinwandbindung im Nachhinein Webfehler zu beheben, aber ich habe sage und schreibe rund 50 korrigiert - und es sind immer noch welche da. Die ich ignoriere. Diese Webfehler sind flottierende Fäden, englisch: floats. Das sieht z.B. so aus:

Zu einem klassischen  handgewebten Schal gehören gedrehte Fransen. Aber zuerst werden die Knoten geknüpft, bei mir sogar zwei Reihen, weil's schöner aussieht.

Dann werden die Fransen auf eine gleichmäßige Länge geschnitten (Werkzeuge: Schneidmatte, Rollschneider und Patchworklineal) und dann gedreht ... und gedreht ...  und gedreht. Dafür gibt es Hilfsmittel - Fransendreher - aber da ich keinen besitze, habe ich sage und schreibe 328 Fransen mit den Fingern gedreht.

Und dann ist er fertig:


"Tragefotos":

Ich habe jetzt ein schönes großes Tuch und viel gelernt - auch, Geduld zu haben.


Mittwoch, 31. März 2021

Ein neuer Quilt

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder einen großen Quilt genäht.


Wenn ich es mir recht überlege, dann bin ich bei allen Quilts in der Vergangenheit nie direkt einem vorgegebenen Muster gefolgt, sondern habe Anregungen weiterentwickelt oder meine eigenen Muster entworfen. Bei den eigenen Entwürfen bin ich allerdings eher einfach geblieben - ich bin ja keine erfahrene Quilterin.

Diesmal war das Foto in einer Zeitschrift ("Cuisine et Vins" - kaufe ich immer, wenn ich in Frankreich bin) der Ideengeber für den Quilt. Ich hatte es gleich entdeckt und als Quiltmuster identifiziert.



Nur meine Stoffe sind ganz anders; gemustert und nicht so bunt. Ich hatte sie gekauft bevor ich das Muster entdeckt hatte und so musste ich auskommen mit dem, was ich hatte.


Wie man geschickt diese zusammengesetzten Dreiecke näht, habe ich mir im Netz herausgesucht; die Technik heißt "half square triangle" (HST). Man schneidet zunächst Quadrate zu, legt zwei rechts auf rechts aufeinander, markiert die Mitteldiagonalen und näht dann auf beiden Seiten im gewählten Abstand an diesen Linien entlang; das sind also vier Nähte. Dann schneidet man die Stoffe zwischen den Nähten durch und wenn man dann die erhaltenen Dreiecke aufklappt, erhält man vier Quadrate, die sich aus Dreiecken zusammen setzen.

Im Netz findet man sogar Tabellen für die Berechnung der Größen und Maße der Ausgangsquadrate, damit man auf Anhieb am Ende die richtige Größe der fertigen Teile erhält. Ich habe mir allerdings aufgebürdet, die HST hinterher zu beschneiden ...


Dann ging es ans Zusammensetzen; ich habe mehrere Layouts gebraucht bis ich zufrieden war. Wie oben gesagt, meine Stoffmenge war begrenzt und damit auch meine Musterkombinationen. Wenn ich aus dem Vollen hätte schöpfen können, wäre die Anordnung hier und da etwas anders ausgefallen, aber insgesamt bin ich recht zufrieden mit meinem Quilt. 


Den Rückseitenstoff ( Link zum Stoff ) habe ich erst gekauft, nachdem das Top fertig war und beim Vlies habe ich mir eine Beratung geholt. Der Quilt sollte verschenkt werden und ich wusste, dass er im Sommer als Schlafdecke verwendet werden würde. Also war mir ein Vlies aus Naturfasern natürlich am sympathischsten. Ich habe bei unserer Meister-Quilterin Ines (Blog: Nähzimmerplaudereien) angefragt, zu was sie mir raten würde, vor allem im Hinblick auf Waschbarkeit. Liebe Ines, hier noch einmal mein herzlicher Dank für deine Mühe bei der Vlies-Beratung! Es wurde ein Baumwollvlies mit dem ich sehr zufrieden bin.

Gequiltet habe ich mit der Maschine und meinen "Lieblings-Stich" verwendet, der langgezogene Wellenlinien beschreibt. Die Garnfarbe habe ich der Rückseite angepasst, die hell-natura-beige-grau ist.

Für das Binding habe ich die Stoffreste schließlich gestückelt, da ich hier keinen anderen Stoff einsetzen wollte. Wie rund sieben Meter - der Quilt misst 134x196cm - zusammengerolltes Binding aussehen können, zeigt das erste Foto oben.

Der Quilt ist inzwischen verschenkt und gut angekommen. Im Laufe des Sommers werde ich dann erfahren, wie es sich darunter schläft.


Das Nähen von diesem Quilt hat mir wieder Lust auf diese Art der Handarbeiten gemacht und da ich im Moment wenig Kleidung nähe und mich auch ab und zu vom Webrahmen losreißen kann, werde ich in absehbarer Zeit, wieder ein neues Projekt in Angriff nehm. Ich beginne mit der Sichtung meiner selbstgefärbten Stoffe ...


Sonntag, 28. März 2021

Stoffspielereien im März 2021: Pop Art

Pop Art ist eine Kunstrichtung, die ich sehr mag, besonders die Arbeiten von Andy Warhol. Für die Stoffspielereien hätte ich mich ja gern an einen von Warhol inspirierten Siebdruck gewagt, aber das war mir dann doch im Moment zu aufwändig. Obwohl: Von den Tate Galleries gibt es eine detaillierte Anleitung: How to print like Warhol. Also, sollte ich das doch einmal versuchen, aber ein andermal.

Auf der Suche nach einer anderen Inspiration ist mir schließlich ein Pop Art-Künstler aufgefallen, den ich zuvor nicht so recht wahrgenommen hatte, obwohl ich sein berühmtestes Motiv natürlich kannte: Robert Indianas "LOVE". Auf Wikipedia lese ich:

"Das Motiv wurde 1964 vom „Museum of Modern Art“ in New York als Weihnachtskarte bei Indiana in Auftrag gegeben. Da die Karte den Copyrightvermerk des Museums und nicht den von Indiana trug, hatte der Künstler die kommerziellen Nutzungsrechte am Schriftzug in den USA nach dem damals gültigen amerikanischen Urheberrecht verloren. In der Folge konnte LOVE, neben Adaptionen namhafter Künstler, in der Werbung, auf Buch- und Plattencovern, auf Zeitschriften und Plakaten, beliebig oft zitiert, kopiert und abgewandelt werden. So beklagte sich Indiana, dass jeder sein LOVE kenne, aber niemand auch nur die entfernteste Ahnung hätte, wie er aussehe."

OK, dann reihe ich mich ein und mache meine Kopie des Motivs.

Zur Erinnerung: So sieht das Original aus:


Prägnant: die drei Farben rot, blau und grün und das schräg gesetzte O.

Für die Umsetzung in Stoff kam mir in den Sinn, dass ich ewig keine Applikation mehr gemacht habe. Gut, das Motiv eignet sich dafür. Bei den Stofffarben musste ich jedoch passen; ausgerechnet diese drei Farben hatte ich nicht in einer geeigneten Qualität da. Meine Alternativen sind weniger knallig und ich kann ja immer behaupten, dass ich mir die künstlerische Freiheit herausgenommen habe, die Farben anders zu gestalten.


Und so bin ich vorgegangen:

Ich habe mir im Netz eine Vorlage für die Umrisse des Schriftzugs gesucht, ausgedruckt und ihn spiegelverkehrt auf Vliesofix übertragen. Das wurde auf die Rückseite des gelben Stoffs aufgebügelt und dann exakt ausgeschnitten. Den blauen und violetten Basisstoff habe ich so zugeschnitten, dass die Übergänge von der Schrift verdeckt werden. Im nächsten Schritt wurde das Trägerpapier vom Vliesofix abgezogen, das Motiv auf den Basisstoff aufgelegt und festgebügelt. Schließlich habe ich die gelben Buchstaben noch an den Kanten mit einem geeigneten Maschinenstich festgenäht.

Ein Bilderrahmen in passender Größe hat sich auch gefunden; ich musste mir nur ein neues Passepartout zuschneiden, da das Original zu groß war.

Nun darf mein Werk erst einmal an dieser Stelle bleiben:


Ich habe fünf Rahmen in dieser Art, die ich vorhabe, nach und nach zu bestücken. Ein paar Ideen habe ich schon.

Links im Bild sind übrigens andere Arbeiten, die einmal bei den Stoffspielereien entstanden sind.

Und was sind eigentlich die Stoffspielereien?

Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Die nächsten Termine bis zur Sommerpause:
25.04.2021: „Fransen“ bei made with Blümchen
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien

Heute sammelt Clara vom Blog bimbambuki die Arbeiten zum Thema "Pop Art". Vielen Dank für das Thema und die Anregungen.



Donnerstag, 4. März 2021

Krawatten-Recycling

Die regelmäßigen Stoffspielerinnen (und natürlich die Leserinnen und Leser und Fans) werden sich vielleicht an das Thema "Schlipse" vom April 2018 erinnern. Damals habe ich mangels Material nicht mitgemacht obwohl ich Ideen gehabt hätte. Jetzt habe ich feine Seidenkrawatten von einer Freundin bekommen.

Ich hatte schließlich so viele Schlipse, dass ich sogar farblich sortieren konnte: grün, blau und braun. Und es sind Kissen geworden.

Krawatten sind grundsätzlich schräg zugeschnitten; das sorgt für einen guten Knoten, erschwert aber womöglich die Wiederverarbeitung, wie ich nun feststellen konnte. Wie man auf dem Foto sehen kann, sind meine Streifen eher schmal - im Zuschnitt 4,5, fertig 2,5cm. Aber in dieser Breite waren sie sehr gut kontrollierbar und haben sich nicht verzogen, denn ich habe sie auf einen Basisstoff aufgenäht.

Der neue Streifen wird rechts auf rechts und kantenbündig auf den vorhergehenden gelegt, auf dem Basisstoff (ein Vlies) in 1cm Abstand zur Kante festgenäht, umgeklappt und gebügelt. Auf diese Weise habe ich für eine Kissenplatte zwei Dreiecke gefüllt, die schließlich zu einem Quadrat zusammengenäht wurden. Dieses habe ich zur Stabilisierung mit einem Baumwollstoff gedoppelt. Für die Rückseite habe ich jeweils einen einfarbigen Seidenstoff aus meinem Fundus verwendet. Nicht nur zu Coronazeiten machen sich ordentliche Stoffvorräte bezahlt.

Die drei Kissenhüllen sind zurück an die Schlips-Spenderin gegangen und finden dort, wie ich höre, großen Gefallen. Das gefällt mir wiederum.

Ein paar Schlipse habe ich noch; ein Projekt ist als weiteres Geschenk in Planung und für mich wird auch noch eine Arbeit abfallen. Ich werde berichten.

Zum guten Abschluss zeige ich die Kissen noch einmal einzeln:




Ines hat vor einiger Zeit einen Sammelplatz für Patchwork-und Quiltarbeiten ins Leben gerufen; dort verlinke ich meinen Beitrag. Vielen Dank für diese Möglichkeit.

Mittwoch, 3. Februar 2021

Me Made Mittwoch im Februar 2021

Gerade habe ich nachgesehen, wann mein letzter Beitrag zum Me Made Mittwoch war. Es kam mir vor, als läge es länger zurück; aber nein, das war erst im Dezember. Und da habe ich eine Jacke mit handgewebtem Vorderteil gezeigt. Nun, heute gibt es wieder eine Jacke und Gewebtes.

Hier ist alles handgewebt und nicht nur die Vorderteile wie beim Dezembermodell. Da Weben mein neuestes Hobby ist (seit einem Jahr), dominiert es immer noch meine Handarbeiten und ich finde es so schön, dass ich Weben und Nähen zusammenbringen kann.

Für diese Jacke hatte ich nur eine begrenzte Menge Garn. Es stammt aus einem Pflanzenfärbeprojekt, bei dem vor ein paar Jahren einige Färber eine größere Menge Garn gefärbt haben, jeder mit einer anderen Pflanze. Dann wurde das Garn unter den Mitmachen aufgeteilt, so dass am Ende jeder eine gewisse Menge Garn in mehreren Farben hatte. Eine schöne Sache, aber, wie gesagt, Menge begrenzt und nicht erweiterbar. Blau habe ich selbst etwas später mit Indigo noch gefärbt und so die Farbpalette erweitert.

Ich habe für Rücken- und Vorderteile sowie Ärmel drei Panel gewebt und dabei schwer getrickst, damit ich mit der Menge hinkomme. Ein weiteres Puzzle war dann das Auflegen der Schnittmusterteile. Mehrfach habe ich verworfen und neu geplant, bis diese Version feststand.

Der Rücken ist zweigeteilt und asymmetrisch, musste ich so machen, gefällt mir aber gut. Auch die Ärmel sind ein wenig unterschiedlich und haben eine breite Manschette bekommen, für die ich die Restteile des Rückens verwenden konnte.

 


Die Vorderteile musste ich in der Länge ergänzen - deshalb der gelbe Streifen. Und dann die Knöpfe: Mein Knopfvorrat ist nicht klein aber nichts Passendes war dabei. Im Geschäft kaufen geht ja im Moment nicht und bei einer Bestellung war mir das Risiko zu groß. Also selbermachen. Wie ich drei Lochknöpfe mit Resten des Gewebes bezogen habe, zeigen die Fotos:


Das Annähen war ein wenig unkonventionell ohne Stil am Knopf; ein durch die Löcher gezogener Draht hätte da sicher geholfen, aber die Idee ist mir zu spät gekommen. Na gut, zuknöpfen werde ich die Jacke eher selten.

Jetzt zeige ich euch noch, die gewebten Stücke vor dem Zuschnitt ...

  

... und wie ich den Stoff zugeschnitten habe, denn ich musste ja dafür sorgen, dass sich mein Gewebe nicht auflöst.


Einen Besatz hat die Jacke nicht; ich habe nur wenige Zentimeter nach innen umgeschlagen, nachdem ich sie mit einer leicht dehnbaren Vlieseline gebügelt hatte. Deshalb war da auch kein Platz für Knopflöcher und ich habe Garnschlaufen gezwirbelt, die an der Bruchkante herausschauen.

Das Garn ist eine Merinowolle, ein wenig auf der dickeren Seite; ich habe einen 30/10er Gatterkamm verwendet. D.h., auf 10cm kommen 30 Gewebefäden. Das ist mein gröbster Kamm und mit dem kommt man recht zügig voran. Wieviel Wolle in Gramm ich verbraucht habe, kann ich leider nicht sagen, denn ich habe die Menge vorher nicht gewogen und ich hatte ja auch keine vollständigen Knäuel wie bei Kaufwolle.

Die Jacke passt am besten zu Jeans (die ich sowieso häufig trage) und ich hoffe, dass sie eine Weile hält denn sie wärmt auch so schön.

Alle Me Made Mittwoch-Beiträge kann man heute hier ansehen - vielen Dank an die Organisatorinnen für ihre Mühe. Und allen Lesern danke, dass ihr bis hierher durchgehalten habt.