Sonntag, 25. Oktober 2020

Stoffspielereien im Oktober 2020: Textile Behältnisse

Die Idee zu den textilen Behältnissen - Thema bei den Stoffspielereien im Oktober - hatte ich sehr früh und angefangen habe ich zumindest früh, aber die letzte Naht habe ich dann doch erst gestern Abend geschlossen. Und gerade bei ordentlichen Lichtverhältnissen die Fotos gemacht.

Meine Arbeiten basieren auf den textilen Flaschen - bottlemania - aus dem Buch "Quilten in der dritten Dimension" von C. June Barnes. Schon dreimal hatte ich mir hier zu den Stoffspielereien Inspiration geholt (hier, hier und hier nachzulesen). Nun sollten es die besonderen Flaschen sein, die auch das Cover des Buchs zieren. Sie sind einfach toll!

Ich habe Stoff verwendet, den ich während einer meiner letzten Färbesessions selbst gefärbt habe. Da es sich um kleinere Servietten handelte, war die Größe meiner Gefäße vorgegeben. Zufällig habe ich blau und grün gefärbt und ähnele somit farblich meinen Vorbildern.

Begonnen habe ich mit einer einfachen zylindrischen Form, für die ich drei verschieden farbige Stoffe diagonal zusammengenäht habe. Das Vlies ist Thermolam und gequiltet habe ich mit den Stichen meiner Nähmaschine - schön, dass ich sie bei dieser Gelegenheit einmal wieder ausprobieren konnte.


Da das ganz gut geklappt hat, durfte es dann etwas komplizierter werden:


Die Öffnung ist mir eigentlich unnötig eng geraten, was mir das Füllen mit meinem Stabilisierungsmaterial erschwert hat. Ich habe Reis verwendet - zufällig hatte ich überlagerten Milchreis im Haus. Beim Zusammennähen der Teile muss man an einem Punkt das Objekt wenden; durch die kleine Öffnung geht das natürlich nicht, deshalb war eine Wendeöffnung am Boden nötig, die ich am Ende mit der Hand geschlossen habe. Den Rand an der Öffnung habe ich einfach ein paar Zentimeter nach innen geklappt und ebenfalls mit Handstichen festgenäht. Dann kann man das weiße Vlies nicht sehen.


Nun aber noch eine Flasche! Diesmal habe ich zwei Grüntöne zusammengebracht:


Den markanten Quiltstich kann glücklicherweise meine Nähmaschine. Hier der einzelne Stich im Vergleich zur Fläche:


Es dauert zwar eine Weile, diesen Stich zu nähen und er verbraucht auch ordentlich Garn, aber er gefällt mir gut, gerade auch für diese Arbeit.

Und nun noch alle drei Gefäße/Behältnisse zusammen:


Vielen Dank für das Thema; es hat mir viel Freude gemacht, diese Skulpturen? Gefäße? Behältnisse? zu nähen und ich habe im Stapel meiner selbstgefärbten Stoffe bereits nach mehr gesucht, was sowohl größere Arbeiten zulässt als auch farblich gut harmoniert.

Ich habe bereits entdeckt, dass heute noch eine Kollegin so gearbeitet hat ... Ihre und alle weiteren Beiträge finden sich heute auf dem Blog der drei Damen von Petersilie & Co.

Und schließlich unser Aufruf an alle:

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Das nächste Mal ist am 29. November mit dem Thema: Skandinavien.
Die Termine und Themen für das nächste Jahr stehen auch schon fest:
31.01.2021: „Smocking“ bei Machwerk 
28.02.2021: „Stoffschichten“ bei Stoffnotizen
28.03.2021: „Pop Art“ bei bimbambuki
25.04.2021: „Fransen“ bei made with Blümchen
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Freitag, 23. Oktober 2020

Neues vom Weben

Ich habe länger nichts vom Weben berichtet, habe aber die meiste Zeit eine Arbeit auf dem Webrahmen gehabt.

Als ich im März hier meinen gewebten Tischläufer gezeigt habe, erwähnt ich, dass ich passende Tischsets zu weben vorhabe. Das Gewebe dafür ist jetzt fertig, aber noch nicht genäht - das passiert, sobald ich mich entschieden habe, wie ich die Stabilisierung realisieren will. Davon also später mehr.

Heute möchte ich einen fertigen und einen begonnenen Schal vorstellen.


Das Garn für diesen Schal habe ich selbst mit Pflanzenfarben gefärbt; mit roten Zwiebelschalen und Sandelholz. Die verschiedenen Farbtöne habe ich im Übergang "verblendet", damit ein sanfter Wechsel entsteht. Auch hier ganz gut zu sehen:


Etwa in der Mitte der Farbstreifen befindet sich eine Reihe "Brooks Bouquet" - so heißt dieses Lochmuster, bei dem durch Umschlingen mit dem Schussgarn mehrere Fäden des Kettgarns zusammengerafft werden: kleine Bündel entstehen, die an Sträußchen erinnern. 


Bisher noch nicht getragen ...

Und jetzt befindet sich ebenfalls selbstgefärbtes Garn auf dem Rahmen. Gezeigt habe ich es schon Anfang Oktober hier auf dem Blog - hier nochmals unverarbeitet:


Das graue Garn links wurde zum Kettgarn. Und ich habe erstmals eine Probe gewebt. Das wird ja allenthalben von erfahrenen Webern empfohlen und ist auch in jedem Web-Buch so zu lesen. Hier war ich mir wirklich unsicher, wie sich das nicht dehnbare Baumwollgarn zur weichen Sockenwolle verhalten würde und wie die Farben harmonieren. Da kann man nämlich, wie ich bereits aus eigener Erfahrung weiß, grandios daneben liegen. Aber alles sah gut aus und ich konnte auch herausfinden, wie stark - oder genauer gesagt, wie sanft - ich anschlagen muss, um ein lockeres Ergebnis zu bekommen.


Die Melierung hatte ich mir ziemlich genau so vorgestellt, als ich die Garne gefärbt habe.


Da das Weben recht flott voran geht, bin ich optimistisch, dass ich den fertigen Schal bald zeigen und tragen kann. Zu meinen schwarzen Mänteln sollte das doch gut aussehen.


Samstag, 10. Oktober 2020

Bluse aus Bouretteseide

Manchmal mache ich ja tatsächlich das, was ich hier auf dem Blog angekündigt habe.

Am Ende meines Berichts über die Bluse mit dem Vorderteil aus verschiedenen bedruckten Bouretteseiden habe ich geschrieben, dass es doch sinnvoll wäre, sofort die zweite, ohnehin geplante Bluse in der selben Machart zu nähen. Und das habe ich dann wirklich getan.

Ich hatte dafür in etwa die gleiche Menge bedruckten Stoff zur Verfügung - zur Erinnerung: alles Reste - und zusätzlich unbedruckte, naturfarbene Bouretteseide für den Rücken und die Ärmel.

Wenn ich bei den Stoffen aus dem Vollen hätte schöpfen können, wäre wahrscheinlich die Aufteilung etwas anders ausgefallen, aber auch so bin ich recht zufrieden. Zumal sich diese Bluse sehr angenehm auf der Haut anfühlt. Seide ist halt Seide.

Bouretteseide hat ja auch die angenehme Eigenschaft, dass sie nicht empfindlich ist und einfach in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Das macht beide Modelle sehr alltagstauglich.

Jetzt habe ich doch sehr viel Gefallen an dieser Art einer Bluse gefunden, mit ihrer Aufteilung des Vorderteils, optisch abgesetzt zu Rücken und Ärmeln, der kragenlosen Form und den einfachen, geraden Ärmeln ohne Manschette. Das ist ja auch alles viel schneller und problemloser genäht als z.B. eine Hemdbluse. Deshalb habe ich bereits meine Stoffvorräte durchgesehen nach Stücken, mit denen ich diese Version einer Bluse noch einmal realisieren könnte. Schön wäre, wenn ich mit ein paar veränderten Details eine deutlich andere Optik erreichen könnte.

Sonntag, 4. Oktober 2020

Gefärbte Wolle

Bereits im Juni hatte ich meine ersten Stränge Wolle mit Procion-Farben gefärbt. Das war eine Premiere für mich, denn zuvor hatte ich nur mit Pflanzenfarben gearbeitet. Nun sind letzte Woche während eines Färbetags mit Roswitha zwei weitere Stränge dazu gekommen.

Kurz gefasst geht man beim Färben folgendermaßen vor: Die Wolle (reine Wolle oder Gemisch, auf jeden Fall vorwiegend tierische Fasern) wird in einem Wasserbad, dem Essig beigemischt ist, eingeweicht. Gut ausgedrückt habe ich die Stränge auf eine hitzebeständige Plastikfolie gelegt, die so groß war, dass man die gefärbten Stränge gleich darin einwickeln bzw. einrollen kann. Meine angerührten Farben habe ich mit Pipetten, Löffeln oder aus Spritzflaschen auf das Garn geträufelt. In die letzten noch weißen Stellen habe ich schließlich die Farbe mit den Fingern einmassiert. Dann habe ich den Strang mit der Folie zu einer Rolle aufgewickelt und eine gute halbe Stunde über Wasserdampf fixiert. Nach dem Auskühlen wurde das Garn gespült und dann noch in ein Synthrapol- bzw. Wollwaschmittelbad gelegt. Das trockene Garn ist dann fertig zumVerarbeiten.

Die Ergebnisse:

Garn: Sockenwolle; gefärbt mit Raspberry, Deep Purple, und einer schwarz-blau bzw. rot-grau Mischung.

Garn: Sockenwolle; gefärbt mit Tigerauge, Grüner Turmalin und Antik-Gold.

Garn: Mischgarn aus Merino, Baumwolle, Polyamid und Seide; gefärbt mit Dark Blue, Medium Blue, Wedgewood und Türkis.

Bei diesem Garn fällt die Färbung leicht meliert aus, was ich auf den Sythetikanteil zurückführe, denn diese Fasern nehmen die Procion-Farbe nicht an. Andererseits hat die Sockenwolle einen fast gleichen Anteil an Synthetik, aber da ist keine Melierung erkennbar. Ich nehme an, dass dort die Polyamidfasern im Garn feiner verteilt sind und somit die ungefärbten Anteile für das Auge nicht erkennbar sind. Wie dem auch sei, der melierte Effekt gefällt mir - auf der einen Seite, aber auf der anderen scheint mir, der Naturfaser-Liebhaberin, das Garn auch zu sagen: hey, hier bist du dir nicht treu geblieben.

Leider ließ sich das Farbspiel mit der Kamera nicht gut einfangen; alles sieht ziemlich einheitlich blau aus. Aber ein Foto ist mir dann doch gelungen, das die verschiedenen Farbtöne dieses Garns wiedergibt. Dabei haben veränderte Lichtverhältnisse die Farben im Vergleich zum oberen Bild wieder anders aussehen lassen:


Da ich das Garn zum Weben verwenden will, habe ich mir zur ersten Wolle ganz oben ein Baumwollgarn in Grau-Blau-Tönen gefärbt, das ich für die Kette verwenden will (siehe auch erstes Foto ganz oben).

Ich bin gespannt, ob meine Planungen am Ende zu einem gelungenen Schal führen werden. Wenn ich die aktuelle Webarbeit fertig habe, werde ich mit diesen Garnen beginnen.

Jetzt suche ich nach weiteren schönen Farbkombinationen für die Wolle, die bereits in meinem Vorrat liegt. Dabei sind auch Wolle-Seide-Mischungen, auf deren Ergebnis ich besonders gespannt bin.

Sonntag, 27. September 2020

Stoffspielereien im September 2020: Texturen aus der Natur

Zum Thema "Texturen aus der Natur" habe ich zunächst verschiedene Techniken ausprobiert, die für mich bisher neu waren und ich dachte, die Stoffspielereien mit dem aktuellen Thema wären ein gutes Ziel.

Na ja, andere Herangehensweisen wären vielleicht geeigneter gewesen, aber ich möchte zeigen, was ich gemacht habe.

Frottage


Ich wollte die Struktur von Blättern mit ihren Adern durch Abreiben auf Stoff übertragen. Ein dünner, zarter Stoff war von Nöten; glücklicherweise hatte ich etwas Passendes in meinen Kisten. Zum Abreiben habe ich Stoffmalkreiden verwendet. Ich habe mir im Garten Blätter mit besonders markanten Adern gesucht, unter den Stoff gelegt und vorsichtig darüber gerieben. Schnell zeigte sich, dass sich dabei der Stoff sehr leicht verschiebt und das Abbild nicht mehr klar wird. Schließlich habe ich den Stoff mit Sprühstärke handhabbarer gemacht.



Der Abrieb mit schwarzer Farbe gefällt mir fast am besten, aber das alles ist im Stadium des Austestens geblieben - auch weil mir der Stoff ausgegangen war. Diese Form der Frottage ist für mich eine Technik mit Potential. Wenn mir eine passende Einsatzmöglichkeit in den Sinn kommt, würde ich das weiter verfolgen.

Sonnendruck


Wie man den Sonnendruck macht, habe ich mir hier und da im Netz angelesen und ich fand es weniger einfach, im Hinblick auf die Ergebnisse, als ich erwartet habe. Bisher habe ich nur auf Papier "sonnengedruckt" - dann waren die warmen, sonnigen Tage vorüber. Man braucht zwar für dieses Verfahren nicht unbedingt die Sonne, jedoch Wärme. Demnächst stellen wir ja unsere Heizungen an (oder haben es bereits getan), dann folgt der Durchgang auf Stoff. Inzwischen habe ich ja auch gelernt, dass es darauf ankommt, dass die Objekte, bei mir wieder Blätter, komplett und dicht aufliegen, sonst bleibt der Abdruck unvollständig. Für diese Drucke auf Papier habe ich mit Wasser verdünnte Acrylfabe verwendet, für die Drucke auf Stoff habe ich noch Seidenmalfarbe.

Bei mir haben die Blätter des Gierschs am besten funktioniert - für irgendwas muss der ja gut sein. Die Blätter waren jung und zart und haben sich regelrecht an das Papier gesaugt. Die Blattadern sind erkennbar und der Rand, den die Farbe gebildet hat, gefällt mir ebenso. Also, hier fehlt wirklich der nächste Schritt mit dem Sonnendruck auf Stoff.

Breakdown Printing/Deconstructed Screen Printing


Diese Technik ist eine "Folgeerscheinung" meiner jüngsten Färbereien. Ich war sehr neugierig darauf und hatte mir erhofft, dass hier Abbildungen von Blättern mit ihren Strukturen möglich wären. Das ist allerdings nicht so, oder nur mit viel Wohlwollen.


Für diese spezielle Form des Siebdrucks verwendet man angedickte Procion-Farbe und auf keinen Fall die reguläre Siebdruckfarbe. Der Effekt beruht darauf, dass das Sieb zunächst mit Farbe beschichtet wird, die sich dann nach dem Trocknen durch Rakeln mit Farbe oder ungefärbter Verdickerpaste nach und nach wieder löst. Angetrocknete Siebdruckfarbe würde sich nicht mehr aus dem Sieb lösen.
Da ich mir erst noch ein paar Siebe selbst bespannen wollte/musste, habe ich diese Arbeiten auf den letzten Drücker gemacht und kann frühestens am Abend die fertigen Drucke zeigen. Die gerade ausgewaschenen Stoffe habe ich aber schnell in ihrem nassen Zustand fotografiert für einen ersten Eindruck. Das erste Foto unten zeigt das "beschichtete" Sieb und die beiden nächsten zwei Abdrucke:





Ich weiß, das ist unbefriedigend, wenn ich hier von etwas schreibe, aber nicht genau erkläre, wie man es macht. Aber ich fürchte, es würde ausufern, wenn ich das an dieser Stelle im Detail erklären würde. Wer es gern genau wissen möchte, kann schon mal im Netz recherchieren oder auf meinen Bericht warten, den              ich für die nächste Zeit vorgesehen habe.

Das war wieder viel Anschub für textile Experimente - vielen Dank, Christiane für das Thema. Sie sammelt heute alle Beiträge auf ihrem Blog.

Und schließlich unser Aufruf an jene, die bisher noch nicht mitgemacht haben:

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Das nächste Mal ist am 25. Oktober mit dem Thema:  „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze.

Donnerstag, 24. September 2020

Bluse oder Jacke - das wird sich zeigen

Zuletzt hat die Nähmaschine dann doch wieder die Farbtöpfe verdrängt. Nach dem Sommerkleid habe ich eine Bluse genäht. Man kann dieses Oberteil auch als Jacke verstehen - also eine Blusenjacke ...

Ausgangspunkt war ein Stapel Stoffstücke aus bedruckter Bouretteseide, die ich als Reste vor einiger Zeit bei Pavani* gekauft habe. Dort gibt es alle paar Jahre einen Resteverkauf: meist nach Material sortierte und gebündelte Stoffstücke oder auch bunt Gemischtes zum Kilopreis. Da ich in der Nähe wohne, fahre ich hin und stehe als eine der ersten am Öffnungstag vor der Tür um die besten Stücke zu ergattern. Bei den Bouretteseiden hatte ich gleich eine Bluse im Sinn; es kam jetzt darauf an, die Stücke gut passend zu kombinieren, denn eine Art Patchwork musste es auf jeden Fall werden. Nur die Vorderteile wollte ich zusammensetzen, Ärmel und Rücken sollten aus einem farblich passenden einfarbigen Stoff zugeschnitten werden. Das Kombinieren und Hin- und Herschieben der Stoffe hat schon Freude bereitet und ich stellte fest, dass meine Stoffe sogar für zwei Blusen ausreichen würden. Prima, denn jetzt konnte ich aus den Stoffen meiner "zweiten Wahl" einen Prototypen nähen. 

Also, jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob diese Stoffe wirklich eine zweite Wahl waren, denn die Bluse/Jacke gefällt mir ziemlich gut.

Aber ich konnte ein paar Details ausprobieren und offene Fragen beantworten: Sollen die Nähte abgesteppt werden? - Ja. Gefällt mir die farblich abgesetzte Manschette? - Ja. Ist die Länge OK? - Ich denke schon (obwohl sie hier durch die Stoffmenge bestimmt wurde). Wie fällt die Weite aus? - Eher weit, deshalb habe ich zum Schluss noch die Seitennähte etwas tailliert und im Rücken zwei Längsabnnäher eingefügt.

Für Ärmel und Rückenteil habe ich ein naturfarbenes Halbleinen aus meinem Vorrat verwendet. Es ist ein wenig fester als die Bouretteseide, harmoniert aber m.E. immer noch. Wahrscheinlich ist dieser Stoff auch für das Jacken-Feeling verantwortlich.

Der Schnitt ist im Prinzip der von einer Bluse, die ich vor sechs Jahren einmal genäht habe. Inzwischen habe ich die Brustabnäher entfernt, denn ich brauche sie nicht wirklich. Die Ärmel habe ich verlängert und ehrlich gesagt, hat diese Bluse nur deshalb die gemusterten Blenden bekommen, weil mein Ärmelschnittmuster ein paar Zentimeter zu kurz geraten war. Aber: Glück gehabt, gefällt mir und mache ich bei der zweiten Bluse wahrscheinlich wieder genauso.

Beim folgenden Foto kann man die Seitenschlitze erkennen, die vielleicht ein wenig zu lang sind?

Für die zweite Bluse habe ich mir, wie gesagt, Stoffe zur Seite gelegt, von denen ich anfangs stärker überzeugt war und bin nun gespannt, ob das Urteil bestand haben wird. Ich habe auch etwas mehr, so dass ich die Bluse auch länger machen könnte. Außerdem habe ich mir naturfarbene Bouretteseide (ebenfalls ein Pavani-Rest) für dieses Modell reserviert. Das Beste wäre ja, ich würde die Nummer Zwei sofort nähen, da ohnehin noch alles Nötige auf dem Nähtisch liegt.

Übrigens: So sehen die Stoffe aus:

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* Die Nennung des Händlernames kann als Werbung verstanden werden, ist aber keine, da ich alles selbst bezahlt habe, keine wie auch immer geartete Vergütung bekomme und unbeauftragt schreibe.



Montag, 14. September 2020

Sommerkleid aus selbstgefärbtem Stoff

Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Jahr noch einmal die Gelegenheit bekommen würde, das Kleid zu tragen, das ich spät im August genäht habe. Auch wenn das kalendarisch bereits am Ende der Sommersaison war - es musste sein, denn ich wollte meinen selbstgefärbten Stoff verarbeitet sehen.

Der Stoff war ein Zufallsfund und gleichzeitig ein Schnäppchen; da konnte ich nicht widerstehen, zumal das Etikett einen Markenhersteller auswies. Das Material war vielversprechend: ein Batist aus Baumwolle mit etwas Seide in naturweiß, also prima geeignet, um ihn zu färben. Es sollte noch einmal eine Eisfärbung sein, denn die Farbe "deep purple" hatte mir zuvor so gut gefallen.


Der Schnitt ist ein bewährter und einer meiner Lieblingsschnitte für Sommerkleider. Er ist aus burdastyle 12-2008 Modell 114. Im Sommer vor fünf Jahren habe ich ihn einmal bei einem MMM gezeigt. Für Schnittdetails bitte den Link anklicken. Obwohl der Schnitt für einen dehnbaren Stoff gedacht ist, habe ich hier einen Webstoff verwendet. Das Risiko war gering, denn das hatte ich zuvor bereits für ein Nachthemd erfolgreich getestet.

Das Rumpf des Kleids ist mit einem dünnen Baumwollbatist gedoppelt; ich wollte das luftige Gefühl des Stoffs erhalten und habe mich deshalb gegen ein konventionelles Viskosefutter entschieden.


Das Rückenteil hat keine Abnäher und fällt locker herunter. Mit Abnähern hätte ich einen Zipper gebraucht.

Dieses Foto gewährt auch einen kleinen Blick in mein Nähzimmer ...