Donnerstag, 18. Juli 2019

50 Jahre Mondlandung: Die Raumanzüge


Astronauten trugen Raumanzüge und die wurden klassisch genäht, wenn auch in vielen Schichten, die jeweils besondere Aufgaben hatten und mit teils speziellen Materialien. Jeder falsche Stich hätte für die Astronauten unmittelbar zu schlimmen Konsequenzen führen können. Eine solche Beinahekatastrophe ereignete sich 1966 bei einem Test in einer Vakuumkammer auf der Erde. Eine undichte Stelle in einem Anzug hätte fast den Tod eines Ingenieurs verursacht.


Raumanzüge werden oft als „tragbare Raumfahrzeuge“ bezeichnet und sie haben bei allen Apollomissionen gut funktioniert. Ganz innen in den Anzügen sorgte ein Geflecht von wasserführenden Schläuchen für die richtige Temperatur und ganz außen schützte ein Kunststoffgewebe aus 21 Schichten vor der Sonnenstrahlung, vor Wärme und Kälte und vor kleinen Meteoriten. Das ist die weiße Hülle, die man mit einem Raumanzug in Verbindung bringt.




Das absolut größte Problem war die mittlere Schicht mit der Aufgabe der Verteilung der Luft in den Anzügen. Die konnte man nicht einfach aufblasen, denn sonst hätten die Astronauten wie Michelin-Männchen ausgesehen, und sich nicht mehr bewegen können. Bei einem frühen „Weltraumspaziergang“ eines russischen Kosmonauten ist so etwas passiert aber zum Glück gut ausgegangen.


Was man also brauchte, war eine Firma, die flexible, dem Körper angepasste Kleidungsstücke fertigen konnte, die auch den Luftdruck gut verteilen konnte. Die fand man in der International Latex Company (ILC), die ein Ableger von Playtex war, also einer Firma, die eigentlich eine ganz andere Produktlinie hatte. ILC war bei der Verarbeitung flexibler Materialien besser als alle Konkurrenten, und so wurde die belüftete Schicht der Raumanzüge (Pressurized Inner Suit) aus Gummi und auch alles andere dort produziert. Das Bild zeigt die Produktion von A7L-Anzügen bei ILC.



Ein interessantes Video zum Thema kann man sich auf YouTube ansehen.


Zu den Quellen:

Dies ist kein wissenschaftliches Werk und wir nennen unsere Quellen nur ungefähr. Die wichtigste ist: Christopher Riley and Phil Dolling, NASA Mission AS-506, APOLLO 11, Haynes Publishing, ISBN 978 1 84425 683 9. Die ergänzenden Bilder findet man im Internet. 

Dienstag, 16. Juli 2019

50 Jahre Mondlandung

Am 20. Juli 2019 (UTC) jährt sich zum fünfzigsten Mal die erste Landung eines Menschen auf dem Mond.

(Quelle: Wikipedia/Nasa)

Wer erstens ausreichend alt ist und zweitens am 21. Juli (MEZ) zu nachtschlafener Zeit ausreichend interessiert war, erinnert sich an die verwaschenen Bilder und den mäßigen, immer wieder von Piepsen unterbrochenen Ton der Fernsehübertragungen. Sehr früh am Morgen wussten wir es dann: Neil Armstrong und Edward (Buzz) Aldrin waren auf dem Mond gelandet und machten dort ihre ersten Schritte. Noch besser: Einige Tage später kamen sie auch wohlbehalten wieder auf der Erde an.

Etwa vierhunderttausend Menschen waren direkt an diesem Projekt beteiligt, darunter selbstverständlich auch viele Frauen. In drei folgenden Posts gehen wir - ich, als Gastgeberin und mein Mann (ausreichend alt und interessiert) als Autor der Beiträge - besonders auf Arbeiten ein, die durch ihre handwerkliche Brillanz hervorstechen. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt und soll keinen falschen Eindruck hinterlassen. Zu allen Aspekten der Mondlandung, der Bahnberechnung, der Entwicklung der notwendigen Computer und Programme haben Frauen beigetragen. Eine Ikone ist ganz sicher die Programmiererin Margret Hamilton, ohne die der Eagle vermutlich nicht gelandet wäre.

(Quelle: Wikipedia/Nasa)


Am Tag der Mondlandung beginnen wir mit einem Post über die Raumanzüge, dann folgt ein Beitrag über die Fallschirme und schließlich einer über die Computerprogramme. Wenn es bei Raumanzügen und Fallschirmen noch einleuchtet, dass diese auf einem Blog über Stoffe und Nähen erwähnt werden, so mag das bei den Programmen ganz anders sein. Aber lasst euch überraschen.

Übrigens: Genau heute - und da sind UTC und MEZ gleich - vor fünfzig Jahren ist Apollo 11 gestartet.

Dienstag, 2. Juli 2019

Nachschlag zu den Stoffspielereien im Juni 2019

Nachdem mein rope basket fertig war, hatte ich ja noch Sisalkordel übrig. Das Beste ist doch, man verarbeitet sie gleich, bevor sie lange herumliegt. Also habe ich noch einmal Kordeln genäht, doch diesmal kein Körbchen, sondern ein zweidimensionales Objekt.


Ich habe wieder die Kordel mit Stoffstreifen umwickelt, diesmal jedoch ohne die Schnittkanten zu verstecken. Außerdem habe ich die Stoffreste verwendet, die von meinem "Bauhaus-Teppich" übrig waren.


Und was soll das nun sein?


Eine Pinnwand!




Sie hängt in meinem Nähzimmer neben einer gewöhnlichen Korkpinnwand, füllt eine Ecke der Wand und verdeckt ein unschönes Bohrloch.  Außerdem waren die verwendeten Stoffe nicht zufällig so ausgesucht; ich habe nämlich jetzt - obwohl das wahrscheinlich niemandem auffallen wird - ein farbliches Pendant zu meinem Bauhaus-Quilt, der genau auf der anderen Seite der Wand hängt. Beides zusammen zu fotografieren ist leider unmöglich.

Man kann es auf dem Foto praktisch nicht erkennen, aber meine Pinnnadeln sind Karens wunderschöne Stecknadeln mit Glaskopf.

Übrigens: Im Post zuvor haben sich einige gewundert, dass die Nähmaschine die Sisalkordel näht ohne die Nähnadeln zu schreddern. Es hat bei mir in der Tat problemlos geklappt und ich denke, es lag daran, dass meine Kordel eher weich war und nicht stark verdrillt. Mit ein paar Drehungen in Gegenrichtung konnte ich sie leicht aufdröseln. Insofern würde ich Nachahmern diese Art von Kordel empfehlen.


Sonntag, 23. Juni 2019

Stoffspielereien im Juni 2019

Bei den Stoffspielereien an diesem letzten Sonntag im Juni* lautet das Thema "Afrika".



Als erstes sind mir dazu diese schönen, farbkräftigen Waxprint-Stoffe eingefallen. Aber ich hatte mich gedanklich festgelegt: Waxprint nur für Kleidung und Kleidung wollte ich im Moment bei den Stoffspielereien nicht nähen. Also habe ich weiter gesucht und bin dabei häufiger auf Körbe gestoßen, geflochten oder auch anders gearbeitet. Viele ebenso farbenfroh wie die Waxprint-Stoffe. Dann hatte ich meine Idee: ein rope basket sollte es werden.



Die DIYer unserer Sparte wissen wahrscheinlich was das ist; für alle anderen: ein geeignetes Seil oder auch Wäscheleine wird so spiralförmig in dichten Reihen aneinander genäht (oder auch gehäkelt), dass ein Korb oder eine Schale entsteht. Ich habe dabei hauptsächlich nach dieser Anleitung gearbeitet.



Man kann dieses Seil, vorzugsweise aus einer Naturfaser, so belassen, wie es ist oder mit Stoffstreifen umwickeln, so dass man Farbe hineinbringt und ein Muster erhält.



Ich habe mich für Stoffstreifen entschieden und versucht, "afrikanische" Farben zu verwenden. Meine Restekisten haben drei geeignete Farben enthalten, die ich jetzt mal forsch afrikanisch nenne:



Mein Seil ist eine Wäscheleine aus Sisal; ich finde sie für mein Vorhaben sehr gut geeignet, denn mir gefällt, dass sie ein wenig "fusselt". Ich habe aus meinen Stoffen 4cm breite Streifen geschnitten, die ich einmal längs zur Hälfte gebügelt habe. Hier wollte ich nämlich keine fransende Stoffkante. Mit dem doppelten Streifen kann ich so das Seil umwickeln, dass die Schnittkante vom Streifen immer wieder überwickelt wird. Wichtig ist, dass man eine kräftige Nadel in die Maschine einsetzt, die mit dem robusten Material fertig wird. Im zweiten Foto oben sieht man ganz gut, wie genäht wird: mit einem Zickzackstich Runde um Runde so, dass man immer in den Rand der beiden benachbarten Kordeln einsticht.

Um einen gewölbten Rand zu bekommen, muss man irgendwann die Spirale unter der Nähmaschine ankippen und so gekippt die weiteren Runden nähen. Meine Befürchtung war, dass man einen schiefen Rand bekommt, weil man den Ankippwinkel nicht immer schön gleichmäßig einhalten kann. Ja, ein wenig schief ist mein Korb, aber da sich das Gebilde auch ein wenig formen lässt, kann man es ausgleichen.




Und das Kordelende? Das habe ich nach außen gelegt und in einer weiteren Spirale verwahrt:


Nun habe ich noch etwa ein Drittel meiner Wäscheleine übrig. Mache ich noch ein weiteres Körbchen? Vielleicht nur, um den Rest zu verarbeiten. Denn obwohl mir das Ergebnis durchaus gefällt, hat mich der Weg dorthin nicht zu Wiederholungen angestachelt.


Bei mir hat die Inspiration "Afrika" womöglich ein wenig weit weg vom Thema geführt, aber ich denke, auch das ist bei den Stoffspielereien erlaubt: Das Thema ist der Anstoß und dann entwickelt man seine Ideen weiter.

Heute werden die Beiträge von  Gabi gesammelt - auf jeden Fall mal reinschauen, es lohnt sich immer. Dann machen die Stoffspielereien eine zweimonatige Sommerpause bevor wir uns am letzten Sonntag im September (29.9.) wieder treffen.

Was sind die Stoffspielereien? Klicke hier für Infos.

_______________
* Da habe ich mich doch tatsächlich im Kalender vertan: heute ist erst der vorletzte Sonntag des Monats und insofern bin ich mit meinem Beitrag eine Woche zu früh dran. Gabi musste mich in ihrem Kommentar erst darauf aufmerksam machen. Aber besser zu früh als zu spät ...



Samstag, 15. Juni 2019

Genähte Kleinigkeiten - Teil 2: Für das Sofa

Bei mir lagen seit Jahr und Tag zwei textile Tischläufer unbenutzt im Schrank. Ich habe sie nicht verwendet und Abnehmer hatte ich auch nicht dafür gefunden. Jetzt kam ich endlich auf die Idee, sie umzuarbeiten. Glücklicherweise hatten sie genau das passende Format, dass ich aus jedem Läufer zwei Sofakissen arbeiten konnte. Die Kissenrückseite habe ich aus meinen Stoffbeständen ergänzt.
Von den Läufern gibt es kein Foto; ich habe vergessen, vor dem Auftrennen eins zu machen. Aber man kann sich das vorstellen, wenn man die fertigen Kissen sieht:



Die Läufer hatten nur eine Rückseite aus einem dünnen Baumwollstoff, den ich abgetrennt habe; gequiltet waren sie nicht. Ich habe sie quer durchgeschnitten und die hinzugefügte einfarbige Rückseite hat einen verdeckten Reißverschluss bekommen:


Auf diesem Foto sieht man besser, wie sich die Vorderseite zusammensetzt. Da sind schmale Streifen  aus verschiedenen Rottönen, natur und schwarz. Bei den anderen beiden Kissen sind es verschiedene Blaus. Am Rand sind die Streifen klappkantig auf dem einfarbigen Hauptstoff abgesteppt. Die Kissen bestehen komplett aus einem Leinen in mittlerer Stärke.


Wenn mir die Idee zu dieser Umarbeitung doch nur früher gekommen wäre! Jetzt habe ich zwei ganz ansehnliche Garnituren Kissenhüllen für die Sitzgruppe im Wohnzimmer und kann nach Bedarf wechseln (und auch mal waschen ...). Das andere Set ist ebenfalls in Patchworktechnik entstanden und es durchaus wert, hier einmal gezeigt zu werden. Zwei Exemplare brauchen allerdings eine neue, schönere Rückseite; das will ich mir für demnächst einmal vornehmen.


Donnerstag, 13. Juni 2019

Tag der Nähmaschine (13. Juni)

Heute, am 13. Juni, ist der Tag der Nähmaschine* (National Sewing Machine Day).


Pfaff Bogenschiff-Nähmaschine, Klasse 11, rund 100 Jahre alt. Sie befindet sich in meinem Besitz und war einmal ein Geschenk von meinem Mann.

Wer eine ältere Nähmaschine besitzt und sie nicht recht einzuordnen vermag, kann im Nähmaschinenverzeichnis nachschauen - ein virtuelles Nähmaschinenmuseum und Nachschlagewerk für alte Nähmaschinen.

Happy Sewing!

___________________

*Da ist m.E. nichts Kurioses dran!

Sonntag, 9. Juni 2019

Genähte Kleinigkeiten - Teil 1: Für den Schrank

Eine Freundin hatte sich Lavendelsäckchen gewünscht. "Nimm, was du hast und mach, wie du meinst." - Gesagt, getan.

Da ich die Stickstiche meiner Nähmaschine bisher nur selten verwendet habe, war dies doch die Gelegenheit, das eine oder andere Muster auszuprobieren. Drei Säckchen sollten es werden, also habe ich in drei verschiedenen Garnfarben gestickt. Beim Stoff habe ich nach einem hellgrau melierten Leinen gegriffen, eine dünnere Qualität und ein wenig offen gewebt - damit der Lavendelduft gut durchkommt.



Die unterschiedliche Größe hat sich durch das Format meiner Stoffreste so ergeben und ich sehe das nicht negativ. Für die Stickerei habe ich Stickvlies unterlegt und nach dem Nähen so weit wie möglich abgeschnitten. Damit habe ich auch die hübsche Bogenkante am oberen Rand hinbekommen.

Fällt es auf, dass die Bändchen die gleiche Farbe haben, wie die Stickerei? Es war der absolute Zufall - und das ist die reine Wahrheit - , dass ich bei den Resten meiner pflanzengefärbten Garne genau diese Farben gefunden habe. Wohlgemerkt: Da war die Stickerei bereits fertig.

Die Bindebändchen sind einfach eine fest gehäkelte Luftmaschenkette.



Dass der Freundin die Lavendelsäckchen gefallen, habe ich schon vernommen; sie werden dann demnächst übergeben.