Samstag, 10. Juli 2021

Pflanzenfärben im Sommer 2021

Nachdem es bei mir auch schon Jahre gab, in denen ich nicht gefärbt habe, wird 2021 wieder in den Farbtöpfen gerührt. Dabei fahre ich inzwischen zweigleisig: Pflanzenfärbungen und Färben mit Säurefarben.

Da ich für die Pflanzenfärbungen sehr gern selbst gesammelte Färbedrogen verwende, wird das eine stärker saisonale Angelegenheit werden; die Färberei mit Procion geht ja immer.

Begonnen habe ich im Frühjahr, als bei uns die Traubenhyzinthen im Garten so üppig geblüht haben - hier habe ich es schon gezeigt. Inzwischen sind einige Solarfärbungen hinzu gekommen, bei denen das Experimentieren im Vordergrund stand.

Bei der Flottenfärbung mit Färberkamille, die gerade erst fertig geworden ist, war mir klar, dass ein Gelb dabei herauskommen muss.


Aber dass es ein so tiefes, warmes, ja fast goldenes Gelb sein würde, hat mich überrascht.

Eigentlich bin ich kein Fan von gelb - keine gelben Kleidungsstücke und fast keine gelb blühenden Blumen im Garten - aber diese Farbe hier gefällt mir sehr. Das Material ist eine Wolle-Seide-Mischung im Verhältnis 80/20%.

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf Färbungen, die ich noch zeigen werde:


Das scheint dem zu widersprechen, was ich oben geschrieben habe ("kein Fan von gelb") ... aber es fällt in die Kategorie experimentieren. Außerdem könnte ich ja immer noch überfärben ... In der Mitte die Färberkamille, oben und unten Solarfärbungen mit Frauenmantel und Holunderblüten.


Sonntag, 4. Juli 2021

Sommerliche Stehkragenhemden für den Ehemann

Nachdem sich hier auf dem Blog einen guten Monat nichts getan hat, mede ich mich heute mit zwei Näharbeiten zurück.

Diesmal nicht für mich, sondern für meinen Mann. Da er bei warmen, sommerlichen Temperaturen gern etwas Luftigeres als ein T-Shirt trägt, sind in den letzten Jahren Stehkragenhemden mit kurzen Ärmeln entstanden. Nun musste der Bestand aufgestockt werden.

Ein schönes Leinen lag noch vom letzten Jahr im Schrank, das ich für dieses Projekt gekauft hatte, aber zu spät, denn dann war plötzlich der Sommer vorbei und das Nähen hätte keinen Sinn mehr gemacht. Nun hatte ich es rasch zur Hand und konnte loslegen.


Ich habe das vielfach erprobte Schnittmuster für das klassische Hemd genommen und das Vorderteil an der vorderen Mitte am Stoffbruch angelegt; das Rückenteil ist unverändert geblieben, nur die Passe ist hier einlagig. Für die Pololeiste habe ich die Anleitung im Burda-Nähbuch zur Hilfe genommen - genausogut hätte ich auch etwas im Netz gefunden. Für den Stehkragen habe ich den Kragensteg ein wenig abgewandelt, vor allem auch, weil ich den Halsausschnitt etwas vertieft habe.


So war das Hemd relativ schnell genäht. Leider ist mir die Pololeiste ein wenig lang geraten, was erst beim Tragen aufgefallen ist. Jetzt werde ich sie noch etwas weiter zunähen.

Diesen keinen Fehler habe ich beim zweiten Hemd natürlich nicht gemacht:


Auch dieser Stoff lag im Schrank; auf dem Foto mag er vielleicht wie ein Pyjamastoff aussehen, aber angezogen sieht das Ganze sehr OK aus.

Hier war die nähtechnische Herausforderung, die Pololeiste so hinzubekommen, dass sie genau ans Muster passt. Es ist mir relativ gut gelungen  - vielleicht einen Millimeter versetzt, aber das können wir verschmerzen.


Von diesem Stoff hatte ich mal die Restmenge vom Ballen zu einem unwiderstehlichen Preis ergattern können und habe deshalb noch reichlich da. Tatsächlich war da schon die Idee, einfach ein zweites, identisches Hemd zunähen ...

Während ich dies noch schreibe, dämmert mir, dass ich die ersten Hemden dieser Art auch auf dem Blog gezeigt habe - und tatsächlich, sie sind da! Vor neun Jahren gepostet und bis auf das weiße Exemplar sind noch alle Hemden im Gebrauch.

Was tut sich sonst so bei mir? Nun, dieser Sommer ist ein Färbe-Sommer, hauptsächlich mache ich Pflanzenfärbungen, von denen ich ja im April bereits etwas gezeigt hatte. Nun ist noch einiges hinzugekommen und es geht noch weiter. - Demnächst in diesem Theater!

Sonntag, 30. Mai 2021

Stoffspielereien im Mai 2021

 Das Thema lautet „exotisch“ - vorgeschlagen von Sabine und heute gesammelt auf dem Blog „Petersilie&Co“.

Ich habe den Begriff in Richtung alt, selten und wenig bekannt interpretiert. Und als ich im Netz auf die Technik des Fingerwebens gestoßen bin, war klar, was ich machen wollte.

Fingerweben? Der Name sagt schon eine wesentliche Charakteristik aus: Man webt nur mit den Fingern. Die zweite Besonderheit ist, dass die Fäden gleichzeitig Kette und Schuss sind.

Auf der Webseite des Handwebmuseums Rupperath habe ich Hinweise gefunden und eine erste Anleitung bei Kathleen Fritz. Natürlich gibt es auch Anleitungen bei Youtube; ich habe diese verwendet. Bei meinem Versuch habe ich schließlich die Ideen aus mehreren Quellen genutzt.

Hilfreich war, dass mir mein Mann kurz zuvor einen Konenständer gebaut hatte, den man hier im Bild sieht:

An den Stäben des Konenständers habe ich oben quer mit Gummibändern runde Bleistifte (hatte ich schneller zur Hand als Rundstäbe) befestigt, um die ich die Web-Fäden geschlungen habe. Andere Befestigungen sind auch denkbar; man muss nur fixieren, da man beim Weben einen gewissen Zug ausübt. Ich habe abwechselnd blaue und weiße Fäden verwendet, was mir das Weben erleichtert hat. Mit den Fäden bildet man ein Fach - wie beim "richtigen" Weben (ein Faden oben, einer unten) und führt dann den ganz rechten Faden durch dieses Fach hindurch auf die andere Seite. Dann wird das Fach gewechselt, d.h. die Fäden, die vorher unten waren gehen nach oben und umgekehrt. Dann wird wieder der ganz rechte Faden durch das neue Fach hindurchgeführt. Und so weiter. Ich verweise auf das oben verlinkte Video, falls das alles nicht ausreichend verständlich war.

Bald kann man erkennen, dass die Fäden eine Diagonalmuster bilden; hier besonders gut zu sehen durch meine beiden Farben:

Deshalb heißt das Fingerweben auch Diagonalweben. Meine Bänder sind eher locker geraten und ich weiß nicht, ob das normal ist, oder ob ich das auch dichter hätte hinbekommen können.

Verwenden wollt ich die entstandenen Bänder durchaus; ich brauchte nämlich für meine neuen handgewebten Küchenhandtücher Aufhänger. Und das Schöne war für mich, dass ich sie aus den Garnen anfertigen konnte, mit denen ich die Tücher gewebt hatte.

Das Thema war wieder ein prima Anlass, Neues auszuprobieren und gleichzeitig zielgerichtet zu arbeiten. Eigentlich habe ich das gern - halt nicht nur l'art pour l'art. Vielen Dank an die drei Damen vom Petersilien-Blog für das Thema.

Und nun noch einmal in eigener Sache:

In meinem April-Beitrag zu den Stoffspielereien hatte ich geschrieben, dass ich aus Versehen meine Liste der bisherigen Stoffspielereien, die immer auf meiner Header-Leiste anzuklicken war, gelöscht habe. Da hatte mich mein Gedächtnis im Stich gelassen, denn es war Blogger, der gelöscht hatte. Mit der Begründung, die Inhalte stimmten nicht mit ihren Richtlinien überein. Wenn das Ganze nicht so ärgerlich wäre, würde ich ja lachen. Dies ist ein harmloser Hobby-Blog und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Blogs, auf die ich verlinkt habe, ebenfalls nirgends Anstoß erregen. Gabi hatte mir ja geholfen, die Seite wieder zum Leben zu erwecken und hatte schließlich die Meisten meiner Inhalte im Webarchiv gefunden. Aber ein neuer Versuch, die Seite wieder zu veröffentlichen, hatte das gleiche Ergebnis: gelöscht. Grrr ... Eine Beschwerde bei Blogger blieb unbeantwortet. Denkt bitte daran, nicht mehr auf meine Seite mit der Sammlung zu verlinken; sie führt ins Leere und inzwischen habe ich auch den Header gelöscht.

Gabi hatte die Idee, bei euch Stoffspielerinnen zu hören, ob einer von euch die Liste übernehmen möchte, denn der Wunsch, dieses kleine Archiv wiederzubeleben, zu erhalten und fortzuführen, ist wahrscheinlich auch bei euch vorhanden. Ich denke, wir werden eine Lösung finden und wer eine Idee hat, wendet sich am besten an Gabi.

Und wer jetzt noch Lust hat, alle meine handgewebten Küchenhandtücher mit den fingergewebten Aufhängern zu sehen - Bitteschön:



Das Muster heißt übrigens Log Cabin (wieder eine Gemeinsamkeit mit dem Patchwork) und es gibt es in verschiedenen Variationen bzw. Anordnungen der Streifen.


Das absolut Geniale an diesem Muster ist der Umstand, dass es sehr effektvoll aussieht aber sehr leicht zu weben ist.

Sonntag, 23. Mai 2021

Zwei Shirts mit Alabama Chanin-Stickerei

Als mir kürzlich auffiel, dass mein Bestand an Kurzarm-Shirts eher klein ist, habe ich meinen Stoffvorrat durchforstet auf der Suche nach Material, um Abhilfe zu schaffen. Einen Stoff habe ich gefunden, der für ein ganzes Shirt ausreichend war, für ein zweites habe ich zwei Stoffe kombiniert. Beide Shirts haben gemeinsam, dass ich sie mit Stickereien nach Alabama Chanin verziert habe.

Weißes Shirt

Um die Doppelung zu erreichen, die für die Alabama Chanin-Technik gebraucht wird, habe ich den vorderen Besatz verbreitert, mit Vlieseline bebügelt, links auf rechts (!) aufgelegt und angenäht. Nach dem Wenden des Besatzes auf links liegt seine rechte Seite oben - so wie es für die Stickereien gebraucht wird.

Das Motiv habe ich selbst entworfen und zunächst auf Papier vorgezeichnet:

Die durchgehende Linie habe ich aufgeschnitten, das Papier aufgelegt und mit einem wasserlöslichen Stift durchgemalt. Die anderen Motive habe ich frei Hand aufgezeichnet.

Zum Sticken habe ich einen dreifädigen Sticktwist verwendet und mich für Rückstiche entschieden; das gefällt mir besser und womöglich ist die Haltbarkeit auch besser. Innerhalb der Stickerei wird die obere Lage des Jerseys knappkantig weggeschnitten, wodurch der unten liegende Stoff sichtbar wird. Oft wird bei dieser Technik Stoff in zwei Farben verwendet; ich wollte jedoch einen Ton-in-Ton-Effekt.

Die Linie oder Ranke ist mir ein wenig breit geraten; wenn ich es nochmals machen würde, würde sie schmaler ausfallen. Schließlich habe ich noch kleine Kreise aufgenäht:



Blau-grünes Shirt


Design und Aufteilung der beiden Stoffe geht zu 100 Prozent auf die vorhandene Stoffmenge zurück - ich hatte nicht allzu viel. Deshalb ist der für die Stickerei unterlegte Bereich auch immer nur so groß wie es für das einzelne Motiv nötig war. Der Rücken ist komplett blau - das brauche ich nicht zu zeigen.

Genau genommen wurde hier ja mehr genäht als gestickt, aber ich denke, ich darf diesen Beitrag trotzdem bei Gabi verlinken, die eine Linkparty für Gesticktes hostet. Vielen Dank für die Möglichkeit.

Jetzt muss nur noch das Wetter etwas wärmer werden ... Dann wird sich auch die Gelegenheit ergeben, die Shirts angezogen zu zeigen.

Sonntag, 25. April 2021

Stoffspielereien im April 2021: Fransen

Gabi lädt heute ein, Stoffspielereien zum Thema "Fransen" zu präsentieren. Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Beiträge am heutigen Tag.

Ich habe 'mal wieder gewebt. An vielen Webarbeiten, Schals insbesondere, finden sich Fransen - also gingen meine Gedanken bei der Suche nach einem Projekt in diese Richtung. Aber einfach nur Fransen an zwei Enden des Webstücks - das war mir zu wenig. Seitliche Fransen sollten auch möglich sein, also habe ich Informationen gesucht und angefangen, ein Experimental-Tuch zu weben.

Und so sieht es aus:

Anleitungen habe ich auf einem norwegischen Blog (in Englisch) gefunden. Diese Informationen waren sehr hilfreich, denn ohne die "Hilfsfäden", von denen ich dort gelesen habe, wäre meine Webarbeit wahrscheinlich nicht gut gelungen.


Das Foto zeigt den Anfang der Webarbeit mit den "Hilfs-Kettfäden" (rot) am Rand des Webteils und mit Abstand - für die Fransen - am ganz äußeren Rand. Auf der anderen Seite der Webarbeit sieht das natürlich entsprechend aus. Nach dem Schären der Kette habe ich ein Foto gemacht:


Ab einer gewissen Breite der Webarbeit verwende ich zwei "Pflöcke" (bei mir Schraubzwingen), um die die Kettfäden beim sog. direkten Schären verlaufen. Dann wird die Kette am Kettbaum (im Foto im Vordergrund) aufgewickelt. Nach dem kompletten Einfädeln im Webkamm werden die Fadenenden angebunden; das ist im ersten Foto am unteren Rand noch gerade so erkennbar. Dann kann man mit Weben loslegen.

Ich wollte auch die Gelegenheit nutzen und ein wenig mit Mustern experimentieren und auch schauen, wie Farben miteinander harmonieren. Die folgenden Bilder zeigen ein paar Muster, die spontan entstanden sind:





Und so sah das fertige Stück aus als ich es vom Webrahmen abgenommen habe:


Hier sieht man ganz schön, wie die roten Hilfsfäden im mittleren Bereich die Tendenz haben, sich dahin zu bewegen, wo Platz ist. Hätte ich auf diese Fäden verzichtet, wäre mein Gewebe seitlich etwas ausgefranst und die anschließenden Knoten wären mir schwer gefallen zu schlingen.

Zuerst habe ich die Knoten an den Schmalseiten gemacht, dann an den langen Seiten und dabei nach und nach die roten Fäden entfernt. Nachdem nun alles fest und an seinem Platz war, habe ich das Gewebe gewaschen. Das macht man bei Handgewebe immer, denn erst dann bekommt es sein endgültiges Aussehen.

Jetzt noch die Fransen auf Länge schneiden. Das gelingt am besten mit Patchworklineal und Cutter auf der Schneidmatte.  Die Fransen an allen Seiten sind 5cm und die an den Schmalseiten 7cm lang. Aber dann sind da ja noch die Schlaufen auf dem Gewebe. Sie heißen Ryanknoten, dabei werden kurze Garnstücke in die Kettfäden hineingeknotet.

Da ich die Fäden doppelt genommen habe, dominieren optisch die Schlaufen. Nach der Wäsche habe ich mich dazu entschlossen, sie so zu belassen wie sie sind und nicht aufzuschneiden oder gar zu kürzen. Im Zweifelsfall kann ich das immer noch machen.

Mein fertiges Webstück ist einschließlich Fransen 39x122cm groß und ich überlege, was ich damit mache: naheliegend wäre ein Tischläufer, die kommen jedoch in unserem Haushalt eher selten vor. Ich könnte es an die Wand hängen; ein kurzer Test hat ergeben, dass die seitlichen Fransen nur wenig herunterhängen ... ich werde es wohl ein wenig ruhen und „reifen“ lassen, dann kommt schon noch eine Idee.

Ich habe jetzt nichts zu Mustern und Farben geschrieben, weil das hier zu weit ausufern würde. Ich kann dem einen extra Blogpost widmen, zumal es noch eine andere bisher nicht gezeigte Webarbeit gibt, die sich mit Mustern beschäftigt.

Was zeigt eigentlich das erste Foto oben? Das sind die Fadenreste, die ich beim Kürzen der Fransen abgeschnitten habe.

Zum Ende noch etwas in eigener Sache. Kürzlich habe ich versehentlich die Seite mit der Auflistung der Stoffspielereien gelöscht! Sehr ärgerlich! Ich habe dann Gabi, unsere Organisatorin der Stoffspielereien und gleichzeitig IT-Expertin um Rat gefragt, aber leider konnte sie bei Blogger den verlorenen Inhalt nicht wieder auffinden. Aber: Sie hatte sich einmal meine Seite kopiert und konnte mir das als Word-Datei überlassen. Die Liste ist zwar nicht ganz vollständig, aber das Meiste ist da und ich werde es demnächst wieder installieren. Leider werden nur alle Links, die in der Vergangenheit auf meine Seite gesetzt worden sind, ins Leere laufen, auch wenn die neue Liste wieder da ist. Also bitte kopiert ab sofort nicht mehr den alten Link! Man könnte die Links neu setzen, aber das macht Arbeit ... das mag jede Stoffspielerin entscheiden, ob es die Mühe wert ist. Zum nächsten Termin Ende Mai wird die Liste bei mir auf jeden Fall wieder da sein.

Und was sind eigentlich die Stoffspielereien?

Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Bist du nächstes Mal auch dabei?
Es gibt noch zwei Termine bis zur Sommerpause:
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Dann geht es im September weiter.

Dienstag, 20. April 2021

Pflanzenfärbungen mit Traubenhyazinthen und Coreopsis tinctoria

Ich habe wieder mit Pflanzenfärbungen begonnen. Auslöser waren die Traubenhyazinthen, die sehr reichlich im Garten blühen. Deshalb ist es auch gar nicht aufgefallen, dass ich nach und nach zusammen 200g Blüten gesammelt habe.


Ich habe die Blüten mehrere Stunden eingeweicht, dann ca. eine Stunde ausgekocht und mit dem Pflanzenmaterial im Sud über Nacht abkühlen lassen. Sodann abgeseiht, soviel Wasser aufgefüllt, dass die Menge für einen Strang Wolle ausreichend war und alles in meinen Färbetopf gekippt. Bei Mengen ab dieser hier verwende ich einen Einkochautomaten.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man beim Färben nur bis max. 80°C erhitzen soll; das habe ich eingehalten. Die wenigen Färbungen, die ich bisher gesehen hatte, waren mehr oder weniger hellblau, meine Wolle (80% Merino/20%Seide, gebeizt mit Kaltbeize AL)) war nach ca. einer Stunde Färben helltürkis:


Damit man die Farbe besser einordnen kann, habe ich indigoblaue und grüne Wolle daneben gelegt:


Der Farbton gefällt mir jedenfalls; genau genommen ist er schöner als ein Hellblau.

Die zweite Färbung habe ich mit den getrockneten Blüten des Mädchenauges (Coreopsis tinctoria) gemacht. Frische Blüten hatte ich im letzten Jahr erfolgreich für Eco Prints verwendet, hier gebloggt. Ich hatte viel von schönen Orangetönen gelesen - auch auf meinen Eco Prints sind sie zu sehen - und gehofft, dass ich sie auch erreichen würde, aber:


Das ist ein dunkler Caramelton, würde ich sagen. Enttäuscht? Ein wenig schon, aber die Pflanzenfärberei ist ja praktisch immer mit Überraschungen verbunden und das war wieder eine davon. In Kombination mit der Wolle von oben sieht das schon mal nicht schlecht aus:

Mal sehen, was das Jahr noch weiter bringt; ich habe wieder Lust auf Pflanzenfärbungen bekommen und inzwischen kann ich ja die Garne für meine Webarbeiten verwenden.

Dienstag, 6. April 2021

Handgewebter Breitschal

Nach meinen guten Erfahrungen mit einem Online-Webkurs (hier ist der Bericht darüber), habe ich mich vor ein paar Wochen bei einem weiteren angemeldet. Es ging mir darum, eine neue Technik zu lernen. Dabei bringt ein video-unterstützter Kurs, in dessen Rahmen man auch Fragen beantwortet bekommt, viel mehr als Erklärungen in einem Buch oder auf Webseiten mit Text und Bild.

Mit einem Gatterkamm-Webrahmen wie meinem kann man doppelt breite Stücke weben, in dem man mit zwei Gatterkämmen auf zwei Ebenen arbeitet. Das klingt erst einmal unglaublich oder unmöglich, aber es geht! Zugegeben: Es ist aufwändig und es können reichlich Webfehler passieren, aber wenn man darauf aus ist, eine Stoffbreite zu erreichen, die größer ist als der vorhandene Webrahmen, ist dies der Weg zum Ziel.

Mir ging es hauptsächlich darum, die Technik zu erlernen und herauszufinden, ob ich das kann und mag. Das kann ich auch gleich beantworten: ja und nein. Ja, ich habe das technisch bewältigt und nein, mögen tue ich es nicht.

Im Webkurs wird erklärt, in welcher Abfolge man die Kettfäden in die zwei Gatterkämme einfädelt und wie man sie bewegen muss, damit das Schussgarn den richtigen Weg nimmt. Auch zwei Leseleisten (pick up sticks) müssen richtig eingesetzt werden, um die Leinwandbindung hinzubekommen. Das waren für mich die Hauptpunkte; die verschiedenen Farben meiner Garne und die Größe des Webstücks habe ich frei gewählt. Und da ich nicht nur einen "Probelappen" weben wollte, war mein Ziel ein Breitschal.


Der Schal misst 76x184cm; das ist eine schöne Größe um mich darin einwickeln zu können. Das habe ich bereits ein paarmal gemacht; die Idee ist auch, dass es ein Reiseschal werden kann.

Zum Garn: Ich habe Sockenwolle verwebt, die ich selbst pflanzengefärbt habe; mit Indigo, braunen und roten Zwiebelschalen und Catechu. Die Farbaufteilung am Schal musste ich bis zu einem gewissen Grad den vorhandenen Garnmengen anpassen.

Warum ich mich mit dieser Doppel-Weberei nicht anfreunden konnte? Nun, sie ist sehr anfällig für Webfehler. Und ich habe viele gemacht. Man muss sich vorstellen, dass man die auf dem Webrahmen unten liegenden Schicht während der Arbeit nicht sehen kann, denn mein Rahmen ist auf einem Ständer montiert (außer man kriecht unter den Webrahmen und schaut oder benutzt einen Spiegel - ist aber beides nicht wirklich praktikabel). Das folgende Foto zeigt die zwei Lagen meines Gewebes ganz am Anfang. Ich hoffe, die Nicht-Weber unter meinen Lesern können sich in etwa vorstellen, wie das Ganze aussieht.

Wenn zwei Gatterkämme zum Einsatz kommen, liegen die Fäden auch dichter zusammen als sonst und können zuweilen aneinander kleben. Das befördert Webfehler. Glücklicherweise ist es nicht schwierig, bei einer Leinwandbindung im Nachhinein Webfehler zu beheben, aber ich habe sage und schreibe rund 50 korrigiert - und es sind immer noch welche da. Die ich ignoriere. Diese Webfehler sind flottierende Fäden, englisch: floats. Das sieht z.B. so aus:

Zu einem klassischen  handgewebten Schal gehören gedrehte Fransen. Aber zuerst werden die Knoten geknüpft, bei mir sogar zwei Reihen, weil's schöner aussieht.

Dann werden die Fransen auf eine gleichmäßige Länge geschnitten (Werkzeuge: Schneidmatte, Rollschneider und Patchworklineal) und dann gedreht ... und gedreht ...  und gedreht. Dafür gibt es Hilfsmittel - Fransendreher - aber da ich keinen besitze, habe ich sage und schreibe 328 Fransen mit den Fingern gedreht.

Und dann ist er fertig:


"Tragefotos":

Ich habe jetzt ein schönes großes Tuch und viel gelernt - auch, Geduld zu haben.