Dienstag, 17. Juli 2018

Der Frühjahrsmantel - Schnittbesprechung

Im April habe ich hier auf dem Blog einen neuen Mantel gezeigt, der rechtzeitig zum Frühjahr fertig geworden war, deshalb der Name "Frühjahrsmantel". Auch wenn das jetzt während des warm-heißen Sommerwetters etwas deplatziert wirken mag, die Schnittbesprechung möchte ich, wie im April versprochen, nachreichen.

Der Schnitt ist aus burdastyle 03-2009, Modell 115. Nebenbei: die bereits zweimal genähte Trench-Jacke (hier und hier) ist aus dem gleichen Heft.



Bei der Länge habe ich 5 cm zugegeben. Den Kragen habe ich einfach zwischengefasst. Ich gebe zu: Das mache ich manchmal, wenn Schnitt und Stoff das zulassen. Hier klappte das problemlos. Sieht es irgendwie schlechter aus als die klassische Verarbeitung? Am rückwärtigen Schlitz habe ich mehr Aufwand getrieben und Briefecken genäht; das sieht einfach schöner aus (auch wenn man es von außen ja gar nicht sieht). Der Mantel ist im Gegensatz zum Burdamodell komplett gefüttert. Und da habe ich ebenfalls aufwändiger gearbeitet. Die Verbindungsnaht zum Besatz schmückt eine Paspel. Obwohl ich es schon oft bei anderen gesehen und bewundert habe, ist dies meine erste Futter-Paspel. Dafür habe ich einen Stoffrest von einem Leinenkleid (hier auf dem vorletzten Foto zu sehen) verwendet.



Die Taschen: Die Klappen habe ich komplett verstürzt und dann aufgenäht; das sieht sauberer aus. Die Taschenbeutel haben eine Kellerfalte, die sich beim Gebrauch der Tasche nach außen beult, was mir weniger gefällt. Wenn ich den Mantel noch einmal nähe, werde ich die Taschenbeutel füttern.



Der Mantel ist, wie ich bereits im April geschrieben habe, relativ leicht zu nähen; die Passform ist gut (nicht zu eng, nicht zu weit) und garantiert einen schönen Mantel für jeden Tag. Mein Stoff war ein echtes Schnäppchen, jedoch mit mehr Elasthan als mir lieb war und ursprünglich wollte ich ihn nur für ein Probemodell verwenden, aber da ich mit dem Ergebnis recht zufrieden bin, ist es halt jetzt ein tragbarer Mantel. Der Elasthananteil ist übrigens dafür verantwortlich, dass die vorderen Kanten sich wellen, obwohl ich hier sorgsam mit nicht dehnbarer Vlieseline gearbeitet habe. Ich bemühe mich, das zu ignorieren.

Zwischenzeitlich halte ich die Augen offen nach einem weiteren geeigneten Stoff für eine zweite Realisierung; dann darf das auch gern ein Herbstmantel werden.

Zu guter Letzt möchte ich noch ein Foto nachreichen, das mich im Mantel vor der Jil Sander-Ausstellung in Frankfurt zeigt. Ich hatte es tatsächlich noch kurz vor Toresschluss geschafft hinzufahren:


Der Roller im Vordergrund ist Zufall (aber nicht undekorativ) aber mein Kleid unter dem Mantel nicht; es ist das tragbare Probemodell meines Jil Sander-Kleids, das im Rahmen eines Sew Alongs entstanden ist. Beim letzten Post des Sew Alongs habe ich jetzt noch nachträglich ein Foto vom Kleid eingestellt und wer sich für den ganzen Sew Along interessiert, findet dort die Links dazu.

Ich verlinke diesen Beitrag mit fraufreutsich, eine relativ neue Linkparty, bei der man immer in der Monatsmitte vom 15. bis 20. selbstgenähte Kleidung für die Frau einstellen kann. Werbefrei, wie auch der MMM. Ich freue mich, dass es diese Möglichkeit gibt und bin gespannt, wie sie sich etabliert. Informationen zur Initiatorin findet man dort.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Me Made Mittwoch: "langweiliger" Jersey-Cardigan

Dem Jersey-Cardigan, den ich beim heutigen Me Made Mittwoch zeigen möchte, verpasse ich mal das Adjektiv "langweilig". Für sich genommen ist dieses cremeweiße, schnörkellose Jäckchen wirklich ein Kleidungsstück, über das man leicht hinwegsehen kann. Aber ich hatte einen guten Grund, es genau so zu nähen. Es soll nämlich zu einem ärmellosen Kleid passen, das ich damit auch für kühlere Abendstunden tragbar machen möchte.

    



Nein, nein - dies ist nicht das Kleid, das ich meine, obwohl es netterweise ebenfalls farblich passt. Das neue Kleid ist noch nicht verbloggt; das hole ich nach, mit aussagekräftigen Tragefotos.

Aber zurück zum Cardigan. Der Schnitt ist aus burdastyle 04-2010-Mod. 117. Auch wenn es sich um einen acht Jahre alten Schnitt handelt, bespreche ich ihn hier ausführlich, da ich weiß, dass nicht wenige meiner Hobbykolleginnen ältere Burdahefte zuhause haben.

Ich habe den Schnitt in Gr. 40 mit einem vorhandenen, gut passenden verglichen und festgestellt, dass ich ihn fast genau so übernehmen kann. Die Länge habe ich um 1,5cm reduziert (mehr wäre besser gewesen, aber das sieht man erst in Kombination mit dem Kleid), an den Seitennähten die sehr leichte Taillierung etwas verstärkt und die hohe Armkugel um 1,5 cm abgeflacht.

Mein Jersey ist aus Baumwolle mit 5% Elasthan, stabil und griffig, genau so, wie es für diesen Cardigan günstig ist. Die Blende ist aus einem dünnen Leinen, die ich wie in der Anleitung vorgesehen, schräg zugeschnitten und dann in Form gebügelt habe. Da mein Stoffrest knapp war, habe ich statt der rückwärtigen Mittelnaht zwei Nähte an der Schulter - sieht aus, als müsste es so sein. Bei der Blendenbreite habe ich zugegeben, denn 1,6 cm war mir wirklich zu schmal. Den Blendenstreifen habe ich entgegen der Anleitung zunächst ohne Vlieseline in Form gebügelt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass das mit Verstärkung möglich sein würde. Dann habe ich die Vlieseline in zwei Arbeitsgängen in den Besatz gebügelt. Das war ein wenig aufwändig, aber das Ergebnis war gut. Den angenähten Besatz habe ich zusätzlich mit der Zwillingsnadel abgesteppt; ich mag es, wenn die Blende an Ort und Stelle bleibt.


Abgesteppt oder nicht, auf jeden Fall finde ich diese Variante einer Jackenblende sehr gelungen, weil wegen des Webstoffs der Ansatz flach bleibt; man muss keine dicken Stofflagen übernähen.
Die Knöpfe der Jacke habe ich in meinem Vorrat gehabt; sie sind aus Perlmutt.
Mit den Änderungen und meinem Glücksgriff beim Stoff habe ich einen kombinationsfreudigen Cardigan, der auch noch zu mehreren meiner Kleider passt. Eine Auswahl:



Weitere Modelle mit kleinen Veränderungen (etwas länger, weniger Taillierung) wären bei mir auch ein schöner Begleiter zu Hosen. Da habe ich im Hinblick auf die kühleren Jahreszeiten, die da unweigerlich wieder kommen werden, durchaus Bedarf.

Der heutige MMM kam mir sehr zupass, denn er ist eine Motivation, mal wieder zu bloggen; da hat sich in letzter Zeit eine Unlust bei mir breit gemacht. Was nicht daran liegt, dass ich jetzt auch bei Instagram aktiv bin (siebensachen7). Ich denke, ich werde diese Platform hauptsächlich nutzen, um auf Blogbeiträge neugierig zu machen bzw. kleinere, weniger inhaltsschwere Beiträge abzusetzen, für die sich ein Blogpost nicht "lohnen" würde. Im Moment sind da meine sommerlichen Solarfärbungen zu sehen, die ich zusammengefasst etwas später auch hier präsentieren werde.

Gerade erst entdecke ich, dass der MMM heute unter dem Motto "Ich packe meinen Koffer ..." steht, was uns auffordert, unsere Urlaubskleidung zu zeigen. Auf diesen Zug kann ich noch schnell aufspringen, denn sowohl Jacke als auch wenigstens eines der obigen Kleider werden ins Gepäck wandern, wenn wir in ein paar Tagen in den Urlaub aufbrechen.

Ich wünsche eine gute Sommerzeit, wo immer ihr sie verbringen werdet.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Me Made Mittwoch: Sommerliches Top

Als ich mir vor ein paar Tagen überlegt habe, ob ich zum heutigen Me Made Mittwoch ein neues Kleidungsstück zeigen kann, war die Antwort negativ. Die zwei Herrenhemden, die ich zuletzt genäht habe, fallen hier raus und über die Färbereien habe ich schon berichtet bzw. passen ebenfalls nicht hierher (obwohl ich bei der Färbesession auch ein Kleidungsstück gefärbt habe, den Bericht darüber möchte ich mir jedoch noch aufsparen ...).
Aber als ich mir am Montagmorgen zu meiner selbstgenähten weißen Jeans ein uraltes Top angezogen habe, war klar, dass ich euch das zeigen möchte.



Das Top ist wahrscheinlich mal locker zehn Jahre alt, eher älter. Es muss auch irgendwo in den Tiefen deines Schranks gelegen haben, denn als ich es vor einiger Zeit hervorgezogen habe, war ich überrascht, dass es noch existiert. Bei der Datierung von älteren Kleidungsstücken - damals habe ich darüber noch nicht Buch geführt - helfen mir die Etiketten, denn ich habe über die Jahre bei einer neuen Bestellung von Etiketten zum Einnähen immer ein neues, anderes Design gewählt.
Der Schnitt ist aus einer Burda vom Februar 1999; das Heft habe ich nicht mehr, aber der Schnitt ist immer noch in meinem Ordner. Das Vorderteil hat von den Brustabnähern ausgehend eine Quernaht und unterhalb davon eine mittige Längsnaht. Diese Aufteilung habe ich für mein Design genutzt. Das obere Vorder- und Rückenteil ist patchworkartig zusammengesetzt; dafür habe ich Stoffreste aus Feinleinen verwendet, die farblich zum Schwarz der unteren Vorderteil- und Rückenteile passen.


Wenn ich mir das Foto jetzt betrachte, sehe ich, dass das obere Rückenteil eigentlich zu breit ist. Außerdem sieht man den weißen Zipper unten blitzen; nun ja, das war halt noch die Zeit vor den Nahtreißverschlüssen.

Also, eigentlich ein recht einfaches Top, aber wenn ich das heute zeige, möchte ich damit an die Möglichkeiten erinnern, die wir Hobbyschneiderinnen haben, wenn wir Schnittmuster kreativ verwenden: verschiedene Stoffe kombinieren, Teile auseinander schneiden und verändert wieder zusammen setzen, Nähte als Designelement nutzen,  usw. Damit multiplizieren wir die Möglichkeiten eines einzigen Schnittmusters. Das ist vor allem interessant, wenn es ein "Lieblingsschnittmuster" ist, das gut passt und das wir mögen.

Wäre das vielleicht einmal eine Idee für einen Extra-MMM? Das verwandelte (Lieblings-) Schnittmuster, oder so ähnlich?

Jetzt schauen wir aber auf die Parade der Modelle vom heutigen Tag.

Sonntag, 27. Mai 2018

Stoffspielereien im Mai 2018

Es ist Ende Mai und die Stoffspielereien stehen auf dem Programm. Nach mehreren Monaten Abwesenheit mache ich diesmal wieder mit. Das Thema "Japan" ist reizvoll und ich wollte es keinesfalls verpassen.

Sashiko, Shibori und Furoshiki habe ich bereits einmal ausprobiert und hier auf dem Blog darüber berichtet (siehe Verlinkungen). Shibori war vor rund einem Jahr bereits bei den Stoffspielereien einmal Thema. Aber meine damaligen Versuche haben mich noch nicht zufrieden gestellt und nachdem ich vor einigen Monaten erstmals Indigofärbungen ausprobiert (jedoch nicht gebloggt, sorry) habe, war jetzt die Zeit und die Gelegenheit, beides zusammen zu bringen.


Bei meinen ersten Versuchen war ich Anleitungen aus dem Internet gefolgt; inzwischen habe ich mir ein Buch besorgt: Janice Gunner, Shibori im Textildesign. Auf der Seite des Haupt Verlags ist es nicht mehr zu finden, aber z.B. hier. Mal abgesehen davon, dass ich das Buch sehr gut finde, ist es auch angenehm, das Shibori-Wissen kompakt zusammen und etwas zum Blättern und Schmökern zu haben.

Da ich mehrere Techniken und Muster probieren wollte, habe ich mir zunächst aus Baumwollsatin 15x15cm große Quadrate geschnitten, mit der Überlegung, dass ich diese Stücke später patchworkartig weiterverarbeiten kann. Ich habe abgenäht und abgebunden, Perlen eingebunden, gefaltet, geknüllt, gestaucht und gerafft. Wer sich für die Details und die japanischen Namen der verschiedenen Vorgehensweisen interessiert, schaut z.B. bei Gabi, unserer heutigen Gastgeberin, und Christiane - beide haben sich ebenfalls mit Shibori beschäftigt.


Im Vorfeld hatte ich bereits Motive entworfen, von denen sich die meisten als zu kompliziert herausgestellt haben (zumindest für die kleinen 15x15 Stoffe); eines habe ich aber verwendet:


Die Färbeflotte war nicht mehr so spannend, da ich meine Indigo-Premiere bereits hinter mir hatte und wusste, dass das halb so wild ist. Vorausgesetzt man hält sich an die schlanke Variante dieser Blaufärberei, wie z.B. hier erklärt oder hier. Ich habe mich vor allem bei den Mengenangaben an letztere gehalten. Es hat alles gut geklappt und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Hier sind meine Quadrate gefärbt und aufgebunden bzw. ausgewickelt:



Ursprünglich hatte ich zwölf, aber eines ist mir offenbar abhanden gekommen.* Macht aber nichts, denn ich habe ja noch mehr, aus dem ich das fehlende Stück schneiden kann.
Lust auf ein Rätsel? Zu welchen Quadraten gehören diese Bündel:


Und nun größere Stücke, nach Anleitung aus dem oben genannten Buch gewickelt:

 



Unten, das sind keine Fransen sondern die Reservierungen durch das Abbinden.

Auf ein 45x55cm großes Stück Baumwollsatin habe ich in verschiedenen Abständen und mit unregelmäßigen Stichen Linien gestickt. Wie lange das gedauert hat? Na, ungefähr eine Spielfilmlänge, eine royale Hochzeit und ein Eintracht-Sieg im Pokalfinale.
Mit Hilfe der Fäden wird der Stoff gerafft.

genäht
gerafft


kommt grün aus der Flotte und schlägt dann in blau um

in nassem Zustand ein kräftigeres Blau

getrocknet, gespült und gebügelt
Ein gestickter Kreis musste wieder sein:


Dieses Motiv wird als Halbkreis mit dem zur Hälfte gefalteten Stoff gearbeitet:


Dieses Motiv habe ich zuvor bei den Stoffspielereien im Oktober letzten Jahres als Rostfärbung realisiert. Dieser Kreis ist so etwas wie mein Shibori-Lieblingsmotiv. Man kann es verschieden variieren ... ich habe da bereits einiges im Kopf ...
Die Quadrate werde ich wohl zu einem kleinen Wand-Quilt verarbeiten; ich habe sie schon mal angeordnet:


Zwischen die Teile werde ich schmale einfarbige Streifen nähen, eine Umrahmung drum herum und dann weiß ich auch schon, wo das fertige Werk hängen wird.

Ich habe Feuer gefangen! Die nächste Indigo-Färbung ist bereits geplant. Im Moment stichele ich an einem Schal und ich darf noch verraten, dass ich bei dieser Färbesession auch Stoffe ohne Shibori-Reservierungen im Topf hatte. Doch davon später mehr; dann werde ich auch die Ergebnisse meiner ersten Indigo-Färbungen zeigen.

Die Stoffspielereien werden heute von Gabi vom Blog madewithbluemchen.at ausgerichtet. Sie sammelt im Laufe des Tages die Beiträge der anderen Stoffspielereien. Ich bin schon gespannt, was es zu sehen geben wird. Danke, Gabi für das schöne Thema und die Organisation.

Das Thema im Juni: Rokoko.

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* Als ich gestern den Färbetopf entleert habe, lag am Boden das zwölfte Teil. Na also; das Haus verliert nichts. Da nächste Mal mache ich das besser: Kleine Stücke binde ich aneinander.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Me Made Mittwoch: Shirt Upcycling

Am ersten Mittwoch im Monat ist Me Made Mittwoch - das hat sich bei mir offenbar noch nicht richtig im Hirn festgesetzt, ich habe nämlich erst daran gedacht, als heute morgen bei mir die ersten Beiträge der anderen aufgetaucht sind. Nun denn, ich habe Fotos von neuen Näharbeiten, die ich jetzt zeigen kann.





Es ist eine  Upcycling-Arbeit. Beide Shirts waren mir an den Armen und am Rumpf zu eng. Ich wollte probieren, ob es mir gelingt, durch das Einsetzen von Stoffstreifen diese Oberteile wieder tragbar zu machen.

Und so bin ich vorgegangen:

Ich habe die Seiten- und Ärmelnähte auf- und dabei die Nähte komplett abgeschnitten. Dann habe ich gerechnet: Das Ganze sollte 4 cm weiter werden, plus 2x 1cm NZG am Streifen plus 2x 1cm extra, da ich diese Zentimeter durch die nötige NZG am Rumpf verloren habe. Folglich habe ich einen 8cm breiten Streifen zugeschnitten. Die alten Säume habe ich abgeschnitten und Ärmel (sie waren mir sowieso einen Tick zu lang) und Rumpf neu gesäumt.
Da beide Shirts einen eher großen Ausschnitt hatten, habe ich beim grauen einen gemusterten Stoffstreifen an den existierenden Ausschnitt angenäht und mit der Zwillingsnadel festgesteppt. Das blaue Shirt hatte einen V-Ausschnitt; an ihn habe ich einen Tunnel angenäht, der vorn in der Mitte offen ist, um ein Band einziehen zu können. An dieser Stelle habe ich mehrfach herumprobiert, weil ich etwas Fülle in diesem Tunnel haben wollte. Schließlich war ein Stoffstreifen aus naturfarbenem Baumwollvoile die Lösung, der im Tunnel die Breite hat, die ich mir für das Volumen gewünscht hatte und der nach unten für eine gebundene Schleife breiter wird.
Das blaue Shirt hatte ich zuerst bearbeitet und bei einer Anprobe festgestellt, dass noch etwas mehr Weite am Rumpf besser wäre. Also habe ich den Stoffstreifen für das graue Shirt zum Saum hin breiter, keilförmig, zugeschnitten.

Auf dem Foto wirkt die helle Farbe der Schluppe etwas krass, aber da beide Oberteile eh'  keine Haute Couture sind, will ich darüber hinwegsehen. Im Alltag sind sie tragbar.



Mittwoch, 25. April 2018

Jil Sander Sew Along - Teil 4.1: Das Kleid

Mit einiger zeitlichen Verzögerung möchte ich nun mein "richtiges" Jil Sander-Kleid präsentieren.

Wer zufällig hier gelandet ist und nicht weiß, worum es geht, dem sei erklärt, dass die Bloggerkollegin Monika vor ein paar Wochen einen Sew Along ausgerufen hat, mit der Idee, ein Modell im Stil von Jil Sander zu nähen, wobei dafür der Anstoß von der Ausstellung in Frankfurt am Main kam. Meine Ausgangsidee für ein Kleid habe ich hier gepostet. Zwei Zwischenberichte gab es (hier und hier) und beim Finale habe ich bisher nur ein fertig genähtes Probekleid gezeigt, dem aber das "richtige" Kleid folgen sollte. Verlinken kann ich es bei Monika nicht mehr; das Tool ist inzwischen geschlossen.


Für dieses Kleid hatte ich als Vorlage nur ein Foto, keinen Schnitt. Ich habe also zunächst die Schnittkonstruktion ergründet und aus meinem Schnittmusterarchiv ein Modell gesucht, das ich mit Abwandlungen für dieses Kleid verwenden konnte. Mehrere Probemodelle aus Nesselstoff waren nötig bevor ich mich - immer noch unsicher, ob das alles so richtig ist - zu einem Probemodell aus einem preisgünstigeren Stoff entschieden habe. Dieses Kleid habe ich fertig genäht, obwohl es am Vorderteil eine weniger gelungene Schwachstelle hat. Erst dann habe ich mich an das endgültige Modell gewagt, das aus einem Viskosekrepp genäht ist.

Nun bin ich ganz glücklich, dass ich die Schwierigkeiten gemeistert habe. Ich habe viele Stunden Arbeit investiert, hauptsächlich beim Nachdenken und Ausprobieren. Und ich habe zweifellos viel gelernt. Unterstützung und einen Austausch hatte ich durch und mit Regina, die das gleiche Modell genäht hat, etwas anders, was beweist, dass es mehr als einen Weg und eine Lösung gab. Vielen Dank, Regina.


Das Original-Kleid ist ärmellos. Ich finde ja, dass das schöner und stimmiger aussieht, habe mich aber für Dreiviertelärmel entschieden, da ich das Kleid damit sicherlich häufiger tragen kann. Inwieweit ich damit richtig liege, wird die Zukunft zeigen. Da es kein Kleid für jeden Tag ist, sollte ich mir Anlässe verschaffen, wie Theater, Konzert, schick Essengehen ... Ich werde berichten und kann dann hoffentlich auch noch das eine oder andere Foto ergänzen, das das Kleid im richtigen Leben zeigt.


Die Fakten zum Kleid:

Stoff: petrolfarbener Viskosekrepp mit etwas Elasthan bei Florence bestellt, wo ich auch gleich das passende Futter bekommen konnte. Beim Zuschnitt habe ich den Stoff noch als sehr empfindlich eingeschätzt, was sich aber nicht wirklich bestätigt hat. Das Säumen von Hand war gar kein Problem.

Ausgangs-Schnitt: burdastyle 02-2012 Modell 110 (Link zum Original-Kleid)

Konstruktion: Das Kleid ist bis auf die Ärmel komplett gefüttert. Der Halsausschnitt wurde mit dem Futter verstürzt. Der außen liegende Teil der oberen Falte hat einen angeschnittenen Besatz, der bis zur Schulter reicht und dort in der Naht mitgefasst wird. Das hat jedoch noch nicht ausgereicht, um das Aufspringen der Falte zu bändigen. Da sich am hinteren Faltenbruch eine Naht befindet, habe ich ihre Zugaben ein Stück weit auf das Futter genäht und die Falte zusätzlich am Ausschnitt mit ein paar Handstichen fixiert. Beim Rückenteil  bin ich von der Jil Sander-Vorlage deutlich abgewichen, da ich die Schnittteile des erwähnten Ausgangsschnitts verwenden wollte (hat einfach zu gut gepasst).  Der lange nahtverdeckte Reißverschluss sitzt in der linken Längsnaht.

Fazit: viel Arbeit, viel gelernt, viel Spaß. Und die Motivation, mich in Zukunft mit Schnittkonstruktion zu beschäftigen. Ich hatte mal eine Zeitlang die Damen Rundschau abonniert und aus den Heften einiges aufgehoben - da hätte ich reichlich Material. Außerdem reizen mich einige Modelle, die ich bei Studio Faro gesehen habe. Dafür müsste ich auf jeden Fall konstruieren.
Ich bin selbst gespannt, wie es auf diesem Gebiet bei mir weitergeht.

Hier nun noch, nachträglich eingestellt, das "Beweisfoto", das mich im Probekleid vor der Ausstellung in Frankfurt zeigt, ich hatte es noch knapp vor dem Ende dorthin geschafft:



Mittwoch, 4. April 2018

Me Made Mittwoch: in Urlaubskleidung

Ich glaube, dies ist mein erster Me Made Mittwoch-Beitrag direkt aus dem Urlaub. Ich habe Fotos und einen zuverlässigen Internetzugang - Bitteschön:


Zeitig am Morgen des Ostersonntags habe ich noch den neuen Frühjahrsmantel gebraucht, später dann nicht mehr. Es war ein wunderbarer, sonniger Tag in Verona. Dieses Foto ist unverkennbar in der Arena aufgenommen. Ich trage vier selbstgemachte Teile: den neuen Mantel (burdastyle 03-2009-115), einen schmalen Rock aus einem leichten Jeansstoff (hier beschrieben), eine Leinenbluse (hier beschrieben) und den selbstgefärbten Schal (entstanden beim Eco Print-Kurs vor rund einem Jahr).


Viel kann man ja auf diesen Fotos nicht vom Mantel erkennen, deshalb habe ich noch ein etwas aussagekräftigeres Bild von gestern:


Ich fürchte, bei diesem Fotos ging es mir gar nicht vorrangig um den Mantel ... Dass ich in Mailand den Jil Sander Store gefunden habe, fand ich schon sehr passend zu dem Nähprojekt, das ich zuhause zurück gelassen habe.

Die Schnittbesprechung des Mantels folgt, wenn ich wieder zuhause bin. Soviel kann ich schon jetzt sagen: Trenchcoat-Stil, jedoch ohne Koller und einreihig geknöpft, Reverskragen, aufgesetzte Taschen mit Falte und Klappe. Der Mantel war leicht zu nähen und ich kann den Schnitt weiterempfehlen. Vielleicht nähe ich ihn sogar noch einmal aus einem hochwertigeren Stoff und in einer anderen Farbe. Dieser hier füllt jedenfalls bei mir eine Lücke in der Garderobe.

Die vollständige Parade der MMM-Bekleidung aller beteiligten Hobbyschneiderinnen befindet sich heute hier.