Samstag, 25. Juni 2016

Jeans Sew Along: Ich steige noch ein

Der Blog Metterlink hostet einen Jeans Sew Along, wo inzwischen schon das zweite Treffen läuft.
Da ich in letzter Zeit mehrere Hosen im Jeansstil genäht habe und eine weitere plane, möchte ich mich bei diesem Sew Along einklinken, um zum einen über meine Erfahrungen beim Jeans nähen zu berichten und zum anderen an Hand der neuen Hose zu zeigen, wie ich das mache. Wir wissen ja: Es gibt mehr als einen Weg zum Ziel.

Ich habe bereits letzten Herbst begonnen, Jeans selbst zu nähen, nachdem ich jahrelang die Levis 505 gekauft und getragen habe. Sie hat mir gut gepasst und ich habe deshalb damals keine Notwenigkeit gesehen, Jeans selbst zu nähen. Dann hat die Firma Levis den Schnitt geändert und die Hose hat mir nicht mehr gepasst. Jeans in den Geschäften zu suchen und eine nach der anderen anzuprobieren, ist mir so sehr verhasst, dass ich also beschlossen hatte: Jetzt wird selbst genäht!

Für meine Hosen habe ich gezielt Baumwollstoffe ohne Elasthan gesucht (was teilweise nicht ganz einfach ist), denn ich wollte die Dehnbarkeit meiner Jeans besser unter Kontrolle haben und eine von oben bis unten anliegende Hose, bei der man ohne Stretch nicht auskommt, wollte ich sowieso nicht nähen.

Für meine ersten Versuche habe ich einen Schnitt hervorgekramt, den ich vor Jahren schon einmal verwendet und als brauchbar in Erinnerung hatte. Irrtum: Der Schnitt hatte eine viel zu hohe Laibhöhe, was mir merkwürdigerweise erst nach der dritten Hose so richtig aufgefallen ist. Ich wusste nur, so richtig zufrieden war ich noch nicht, habe es aber auf noch nicht ausreichende Anpassung geschoben.

Der nächste Schritt war dann doch die Suche nach einem ganz anderen Schnitt. Da ich meistens nach Burda nähe und ein großes Heftarchiv habe, bin ich schließlich bei Schnitt 120 aus burdastyle 04-2010 hängengeblieben. Ein Vergleich der Maße hat gezeigt, dass hier die Laibhöhe viel niedriger und somit besser für mich ist. Und: Je niedriger die Laibhöhe, desto weniger Anpassung ist beim Hohlkreuz nötig, nicht wahr?




Das Foto zeigt die letzte fertiggestellte (aber noch nicht gesäumte) Jeans in weiß (!), die auf dem Stoff liegt, den ich als nächstes verarbeiten will. Es ist eine Baumwolle mit 2% Elasthan (jetzt also doch), die ich kürzlich in meiner örtlichen Karstadtfiliale ergattert habe. Blau-weiß-Pfeffer-und-Salz; so etwas habe ich noch nicht.



Diesem Link kann man den Zeitplan für den Sew Along entnehmen. Ab Donnerstag, 14. Juli können die fertigen Jeans bei Metterlink gezeigt, verlinkt und angeschaut werden.
Bis dahin erhoffe ich mir von den anderen Teilnehmerinnen ein wenig Jeansnäh-Wissen und den einen oder anderen Tipp aufzuschnappen. Gleichzeitig werde ich hier mein Jeansnäh-Wissen zur Verfügung stellen.




Dienstag, 7. Juni 2016

Sommerkleid-Lieblingsschnitt

Mein Favorit bei Kleidern ist das Shiftkleid; ich denke, dieser Schnitt steht mir am besten. Ärmellos sind sie ideale Sommerkleider. Inzwischen habe ich fünf davon. Das erste und somit älteste ist aus schwarzem Feinleinen, mit Seide gefüttert und hat einen leicht abgerundeten V-Ausschnitt. Inzwischen sitzt es etwas knapp um die Hüften, ist aber immer noch tragbar. Drei weitere Varianten habe ich im Januar mal kurz im Post mit dem Thema "Lieblingskleider 2015" gezeigt. Ein neues Kleid ist kürzlich hinzugekommen.


Von links nach rechts: weiches Leinen; glatte, feine Baumwolle; Baumwolle mit etwas Synthetik.
Und was trage ich im linken Foto in der Hand? - Voilà:


Mir hat die ganze Zeit ein Oberteil gefehlt, mit dem ich die Kleider auch bei etwas kühleren Temperaturen tragen kann. Die Lösung ist ein kurzes Wickeljäckchen aus Jersey. Jetzt habe ich zwei nach dem gleichen Schnitt - eins in braun, das zu beiden braun gemusterten Kleidern passt und eins in dunkelblau, das (auch) mit meinem gestreiften "Haus- und Gartenkleid" zusammen geht. Auch, das heißt, es sollte vorrangig mit dem letzten, gerade erst genähten Kleid harmonieren, diesem hier:



Der Stoff ist ein Feinleinen in bester Qualität, bereits im letzten Jahr bei Pavani erstanden, aber seit dem mit der Idee zu diesem Kleid verbunden. Die beiden oberen Kleider haben kein Futter, aber dieses habe ich mit einem leichten Baumwollbatist gefüttert. Mit Jäckchen:


Um diese Präsentation komplett zu machen, fehlt das anfangs erwähnte schwarze Kleid, das ja der Prototyp zu dieser Serie war:


Ja, sitzt schon ein klein wenig auf den Hüften auf, geht aber doch noch, auch von hinten, oder?
Zu diesem Kleid gibt es kein passendes Jersey-Jäckchen; bisher habe ich dieses dazu getragen:


Diese kurze Jacke ist ebenfalls aus Leinen und weiß gefüttert. Der Schnitt ist aus einer alten Burda: 11-2003-117. Diesen Schnitt habe ich bisher dreimal umgesetzt.

Es fehlen noch die Informationen zu den anderen Schnitten. Das Kleid: burdastyle 06-2004-130 (auch wieder älter, aber ich verwende den Schnitt ja auch schon eine Weile), bei dem ich im Rücken Längsabnäher hinzugefügt und vorn eine SBA durchgeführt habe. Das Wickeljäckchen ist eine Kombination von zwei Schnitten: burdastyle 05-2006-127 und 08-2006-121. (Warum kaufe ich eigentlich noch neue Burdahefte?)
Den braunen Jersey vom Jäckchen habe ich beim letzten Holländischen Stoffmarkt gekauft; er ist aus Baumwolle mit etwas Elasthan und scheint qualitativ ziemlich identisch zu sein mit dem blauen, den ich kürzlich bei Pavani erstanden habe und der mir ziemlich gut gefällt.

Heute trage ich das Leinenkleid vom ersten Foto und brauche bei den angenehmen Temperaturen kein Jäckchen - auch schön!

Mittwoch, 1. Juni 2016

Me Made Mittwoch: Blaue Stunde

Ich nutze heute die Platform des Me Made Mittwoch, wo wöchentlich Nähnerds ihre selbstgemachte Kleidung zeigen und verlinken können, um mich ganz in blau zu präsentieren:



Die selbstgenähte Hose ist dunkelblau; auf sie werde ich in einem geplanten Hosen-Post, den ich immer noch vor mir herschiebe, zurückkommen.

Das Oberteil ist aus einem Doppelgewebe aus reinem Leinen, hellblau-grundig mit einem Blumenmuster in dunkleren Blautönen. Der Stoff ist vom Holländischen Stoffmarkt und wenn mich meine Erinnerung nicht ganz täuscht, ist er vom selben Stand, an dem ich ein oder zwei Jahre zuvor einen Stoff für ein Kleid gekauft habe. Den blauen Stoff hätte ich auch mit der anderen Seite nach außen verarbeiten können, denn er sieht so aus:


Also hell auf dunkel; ich denke, ich habe die für mich "richtige" Seite ausgewählt.

Der Schnitt geht auf dieses Modell zurück, bei dem ich die Knopfleiste weggelassen und die vordere Mitte am Stoffbruch angelegt habe. Die Weite ist gerade ausreichend, dass ich die Bluse auch ohne Verschluss über den Kopf bekomme. Mit diesem Grundschnitt habe ich in letzter Zeit schon mehrfach "experimentiert"; davon auch ein andermal mehr.

Nur das Darüber gestaltet sich ein wenig schwierig, da ich keine Jacke für die herrschenden Temperaturen besitze, die ausreichend lang wäre. Da meine Mode-Sozialisation aus einer Zeit stammt, wo man kurz über lang nicht getragen hat, tue ich mich damit immer noch schwer und habe bisher noch keine vorzeigbare Variante von kurzem-über-langem-Oberteil gefunden. Genauso geht es mir mit teileingesteckten Oberteilen. Ich finde das oft an anderen Frauen schön, weiß aber noch nicht einmal, ob es mir überhaupt steht, selbst wenn ich es "richtig" hinbekommen sollte.

Einen Versuch will ich aber gern zeigen; dafür habe ich die Bluse vorn locker in den Hosenbund gesteckt, sonst hätte sie 1 bis 2 cm unter der Jacke hervorgeblitzt und das hätte wirklich blöd ausgesehen:



Diese bisher unverbloggte Jacke ist aus einem Sweatstoff mit angedeutetem Giraffenmuster genäht. Zur Zeit gibt es den Stoff noch bei Pavani zu kaufen. Der Schnitt ist aus der Ottobre Nr.2 von 2013. Ich habe ihn für einen einfarbigen Cadigan bereits einmal verwendet, für dieses zweite Modell jedoch die kleinen Brustabnäher entfernt - das entspricht einer SBA/Anpassung bei kleiner Oberweite. Diese Jacke ist auch ein paar Zentimeter länger als ihre Vorgängerin, was nicht geplant war sondern auf mein Ignorieren der Angaben zur Saumzugabe zurückzuführen ist. Na gut, in dieser Kombination kommt es mir zupass.

Noch einen schönen Tag ohne Regenkatastrophen.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Me Made Mittwoch: Ungewohnte Farbkombination

Beim Me Made Mittwoch zeigen HobbyschneiderInnen ihre selbstgemachte Kleidung (sie darf auch gestrickt oder gehäkelt sein, wie mir letzte Woche klar geworden ist), die sie an diesem oder einem anderen Tag, der zeitlich in der Nähe liegt, tragen.

Mit der Kombination, die ich heute zeigen möchte, bin ich gestern zu einer Frühstückseinladung gegangen:

(der Klick auf die Bilder vergrößert sie)

Alle Kleidungsstücke sind selbst gemacht.

Die weiße Bluse (burdastyle 04-2009-105) habe ich schon einmal im April 2012 gezeigt.
Die beige Hose aus Baumwolle ohne Elasthan (das war mir wichtig) habe ich erst kürzlich genäht: burdastyle 04-2010-120. Bei diesem Schnitt war nur eine kleine Hohlkreuzanpassung nötig, sonst hat mir die gewohnte Gr. 40 gut gepasst. Erstaunlich, wenn ich mir überlege, wie viele Änderungen ich beim zuvor verwendeten Hosenschnitt gemacht habe. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich demnächst in einem separaten Hosen-Post erzählen werde.
Die Jacke habe ich letztes Jahr im November zu einem Rock kombiniert bereits einmal gezeigt. Ich glaube, ich habe sie gestern erst zum zweiten Mal getragen.

Diese Kleidungsstücke sind insofern für mich eine noch ungewohnte Farbkombination, da ich sonst hauptsächlich blau und schwarz trage. Der Umstand, dass sich in meinem Kleiderschrank einige Stücke befinden, die am besten zu natur, beige/camel oder braun passen, hat dazu geführt, dass ich mich auf der Suche nach Kombipartnern auf farbliches Neuland begeben habe. Eine Hose  und ein Oberteil in schokobraun gibt es bereits. Die Hose wird dann im Hosen-Post auftauchen und das Oberteil wird demnächst auch hier gezeigt werden.

Übrigens: Reste vom weißen Blusenstoff - ein Baumwolle-Seide -Gemisch - habe ich in Streifen geschnitten zum Umwickeln der Bündel beim Eco Print verwendet. In diesem Blogbeitrag vom August 2014 zeige ich, was ich aus den Stoffstreifen, die bei den Färbereien ihr Aussehen gründlich verändert haben, gemacht habe. Im Link ist auch erklärt, was Eco Print ist und wie genau die Stoffstreifen dabei eingesetzt worden sind.

Allen Lesern wünsche ich viel Spass beim Stöbern in den anderen Beiträgen vom MMM, die heute hier gelistet sind.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Me Made Mittwoch: Genähtes zu Besuch bei Getöpfertem

Zum heutigen Me Made Mittwoch zeige ich meine Kleidung vom letzten Donnerstag. Denn dieser Tag hat zu einem besonderen Wochenende gehört, das wir am Ammersee verbracht haben. Anlass war u.a. der Töpfermarkt in Dießen. Ein großer, schöner Markt, wunderbar gelegen direkt am See. Ich erhoffe mir Motivation und Inspiration für zukünftige Keramikarbeiten in diesem Jahr. Ja, Töpfern ist ebenfalls ein Hobby von mir, auch wenn man hier im Blog eher seltener etwas davon sieht. Aber das darf sich gern ändern.

Am Donnerstagmorgen war es noch ein wenig frisch und direkt am See sogar windig, so dass lange Ärmel (und sogar ein Schal) noch angebracht waren:


Das Foto - heute mal mit Kopf; ohne wäre hier gar nicht gegangen -  zeigt mich in einer Leinenbluse, die beim Jahresrückblick im Januar  (etwas scrollen) schon einmal kurz aufgetaucht, aber darüber hinaus noch nicht verbloggt ist. Aber ihre Schwester nach dem gleichen Schnitt: hier; burdastyle 05-2014-113.  Der Eco-Print-Schal ist ebenfalls aus eigener Werkstatt und wurde schon sehr viel getragen. Er war auch regelmäßig bei den letzten Reisen dabei.
Ich stehe hier übrigens hinter keramischen Objekten mit einer interessanten, textilartig anmutenden Oberfläche. Leider habe ich mich am Stand nicht nach der Technik erkundigen können, so dass ich hier weitere Informationen schuldig bleiben muss.

Zugegeben, mit meinem heutigen Foto hinke ich dem Me Made Mittwoch sechs Tage hinterher; beim nächsten Mal werde ich dann wieder schneller sein. Jedenfalls ist die aktuelle Sammlung selbstgenähter Kleidung heute hier zu bewundern.

Nachtrag:
Nach nochmaligem Betrachten meines Fotos wird mir bewusst, wie wenig man eigentlich von der Bluse sehen kann. Deshalb hier noch Kleiderbügel-Fotos:




Wie schon bei der ersten Bluse nach diesem Schnitt erwähnt, habe ich die im Original vorgesehenen Kräuseln durch kleine Fältchen ersetzt; die Detailfotos zeigen das genauer. Mit dem rückwärtigen Bindeband habe ich versucht, die Weite im Rücken etwas einzuhalten.


Mittwoch, 27. April 2016

Me Made Mittwoch: feiner schwarzer Rock, downdressed

Zum heutigen Me Made Mittwoch, bei dem Hobbyschneiderinnen (und manchmal auch ein -schneider) selbstgenähte Kleidung präsentieren, möchte ich einen relativ neuen Rock - kurz, schmal, schwarz - zeigen, den ich vor ein paar Tagen so getragen habe:


Ja, für mich ist ein solcher Rock durchaus fein; genäht aus einer leichten Cool Wool mit etwas Elasthan. Aus dem gleichen Stoff ist zuvor schon ein Kleid entstanden, von dem es noch kein Tragefoto gibt, wie ich gerade bemerke. Sollte ich mal nachholen, gelegentlich.
Die legere Streifenbluse aus Baumwolle habe ich nach dem gleichen Schnitt genäht wie diese, diese und diese Bluse. Da gefühlt von diesem Schnitt noch mehr Varianten existieren, habe ich bestimmt nicht alle verbloggt. Aber egal.
Um den Hals trage ich einen meiner Loopschals (der Link zeigt noch andere) aus Jerseyresten und eine lange Kette mit einem selbstgemachten Anhänger aus Rakukeramik (auf der verlinkten Seite im letzten Bild zu sehen).

Der Rock hat eine eigene Entstehungsgeschichte. Ich habe ihn an einem halben Tag genäht: gleich morgens begonnen und abends zum Konzert im Stadttheater getragen. Glücklicherweise hatte ich an diesem Tag nicht nur Zeit, sondern auch den Stoff und alle Nähzutaten da; der Schnitt war ohnehin erprobt und somit risikofrei. Da konnte ich mir sogar erlauben, die Abnäher am Rock sorgfältig mit unterlegten Futterstreifen zu nähen. Das geht so:


Abnäher einzeichnen und an einem Schenkel eine Hilfslinie in ca. 1,5cm Abstand einzeichnen. Einen Futterstreifen im schrägem Fadenlauf zuschneiden: 2cm länger als der Abnäher und längs gefaltet ca. 3cm breit.


Den Abnäher so in der Mitte falten, dass die eingezeichneten Linien genau aufeinander liegen. Dann den Futterstreifen mit der Bruchkante an der Hilfslinie anlegen und feststecken, evtl. heften. Der Abnäher wird dann von der anderen Seite gesteppt und der Futterstreifen mit festgenäht.


Jetzt wird gebügelt: erst glattbügeln, dann den Abnäher nach der einen, den Futterstreifen nach der anderen Seite bügeln. Dieses Verfahren lässt den Abnäher wie eine feine gleichmäßige Naht aussehen; es gibt keine Absätze, da sich auf beiden Seiten der Naht Stoff befindet und nicht nur auf einer, wie beim "normal" genähten Abnäher. Beweis:


Bei diesem Rock habe ich übrigens zum ersten Mal die Markierungen mit der schmalen Kante eines fast aufgebrauchten Seifenstücks gemacht statt mit Schneiderkreide. Das hat hervorragend geklappt und es ist regelrecht schade, dass ich diesen Trick erst jetzt angewendet habe, obwohl ich ihn schon länger kenne. Jetzt wird im Hause Siebensachen natürlich jedes Seifenrestchen aufgehoben.


Am Abend beim Konzert habe ich übrigens diesen Blazer dazu getragen, habe aber davon wieder kein Tragefoto.
Inspiriert durch diesen Näherfolg und weil der Schnitt ohnehin noch rumlag, habe ich am nächsten Tag gleich noch einen Rock genäht, den ich hier vor einiger Zeit bereits gezeigt habe; es ist der Karorock mit dem sichtbaren Zipper hinten.



Sonntag, 13. März 2016

Schnittmusteranpassung bei kleiner Oberweite: SBA

Meike hat kürzlich auf ihrem Blog eine Reihe mit Erläuterungen zum Thema Schnittmusteranpassung gestartet. Bereits erschienen sind Grundlagen und LängenanpassungenFBA und SBA,das sind Änderungen bei großer bzw. kleiner Oberweite, und Abnäherverlegung. Die Full Bust Adjustment hat sie detailreich erklärt, aber zur Small Bust Adjustment könnte man noch etwas mehr sagen.
Ich werde mich daran versuchen, da ich diese Schnittmusteranpassung schon mehrfach für meine Kleidung durchgeführt habe.

Ein guter Start ist, sich zunächst Meikes Post durchzulesen, wo sie die Grundlagen erklärt. Als ich meine erste SBA machen wollte, habe ich das Burdabuch "Nähen leicht gemacht" zu Rate gezogen, wo am Ende der FBA nicht viel mehr als der lapidare Satz geschrieben steht: Die Änderung erfolgt genau entgegengesetzt. Aha.

Nun mal Butter bei die Fische!

Entgegengesetzt, das heißt, da, wo bei der FBA das Schnittmuster gespreizt wird, schiebt man bei der SBA die aufgeschnittenen Kanten übereinander. Wieviel das zu sein hat, kann man durch Ausmessen des eigenen Oberkörpers ermitteln (wie in Meikes Post beschrieben) oder man probiert es an (Probe-)Modellen aus und bekommt dann einen Erfahrungswert.

Änderung bei Oberteilen ohne bzw. mit Brustabnäher von der Seite:

Ich starte mit Meikes Skizze:


Für die SBA schneidet man genauso ein:



Auf meinem Foto sieht man eine weitere Linie, auf die ich gleich zurückkomme. Nun schiebt man das seitlich Teilstück in Richtung der VM und achtet darauf, dass man parallel zum FL bleibt. Der Einschnitt in der Höhe des gedachten oder existierenden Brustabnähers schiebt sich ebenfalls zusammen.



Auf diese Weise wurden Länge und Weite reduziert. Zu Egalisierung der unteren Kante schneidet man das Schnittmuster an der eingezeichneten Querlinie auf und schiebt die Teile so übereinander, dass die Länge wieder gleich ist. Bei einer einfachen, geraden Kante bzw. Saum könnte man auch einfach unten das Überstehende abschneiden, aber bei gebogenen Kanten, Falten etc. empfiehlt sich das nicht.
Da das VT nun an der Seitennaht um einen kleinen Betrag kürzer ist als das RT, an das es angenäht wird, muss man diese Differenz ausgleichen. Wie man das macht, hängt vom Modell und Stoff bzw. dessen Muster ab. Bei einfarbigem Stoff hat man da mehr Freiheiten als bei einem Karo, zum Beispiel. Denkbar ist, die hintere Mehrlänge in der Seitennaht einzuhalten oder man kann die Taillennaht leicht gebogen zeichnen, um seitlich die Länge des RT zu erreichen.
Das VT ist jetzt auch an der unteren Kante um einen kleinen Betrag schmaler geworden. Bei einer legeren Bluse muss man wahrscheinlich gar nichts tun. Wenn aber die Weite am Saum nicht mehr ausreicht oder an der unteren Kante ein Schnittteil angesetzt wird, gibt man am VT unten an der Seitennaht den weggenommenen Betrag zu und lässt nach oben hin auslaufen.


Änderungen bei Oberteilen mit Brustabnäher im Armloch:

Zum Beispiel bei diesem Modell:

(burdastyle 06-2004)

Bei dieser Änderung muss man beachten, dass sich die Größe des Armlochs verändert, da man die Abnähertiefe reduziert.



Parallel zur VM eine Linie von der Schulter bis zur unteren Kante ziehen, die knapp an die Abnäherspitze stößt. Von unten bis knapp an die Schulter ein- aber nicht durchschneiden. Ebenso die Mitte des Abnähers bis knapp vor die Spitze einschneiden. Am langen Einschnitt die beiden Teile um den gewünschten Betrag übereinander schieben und fixieren; dabei verkleinert sich auch der Abnäher, was das Armloch verkleinert. Deshalb das Armloch soviel vertiefen, dass die alte Größe wieder erreicht wird. Kettenreaktion: nun ist die Seitennaht kürzer (auf meinem Foto komischerweise nicht zu erkennen). Ausgleich: siehe oben.

Änderungen bei Oberteilen mit Prinzessnaht:

Hier habe ich es mir in der Vergangenheit immer recht einfach gemacht, in dem ich lediglich an der Verbindungsnaht der beiden Vorderteile Weite weggenommen habe.

Aber auch das Vorgehen nach "Lehrbuch" ist recht einfach:


Man schneidet wie auf der Skizze zu sehen an beiden Schnittteilen ein und schiebt übereinander.

Änderungen bei besonderen Brustabnähern:

Hier wird es schwieriger - dachte ich zunächst.
Ich habe mich eimal erfolglos am "Jumper" aus burdastyle 09-2012 Mod. 106 versucht; er hat französische Brustabnäher:


Man sieht auf der technischen Zeichnung, dass der Abnäher tief an der Seitennaht beginnt und bogenförmig bis zum Brustpunkt verläuft. Quasi Brustabnäher und Taillierung auf einen Streich. Sehr kleidsam und eigentlich ein Designelement. Für meinen ersten Versuch an diesem Modell habe ich einen schwereren schwarzen Baumwollpikee verwendet, dessen Farbe gnädigerweise vertuscht, dass der Abnäher für meine Verhältnisse zu groß ist. Da ich das als nicht so gravierend eingeschätzt hatte, habe ich mir einen zweiten Stoff gekauft für ein weiteres Modell. Da hat sich dann deutlich gezeigt, dass ich dieses Oberteil unverändert nicht tragen kann und ist in der Mülltonne gelandet. Doch ich wollte nicht aufgeben und habe versucht, den Schnitt zu ändern.

So bin ich vorgegangen:

Den Abnäher in der Mitte bis kurz vor die Spitze einschneiden. Die weiteren Einschnitte wie in den oberen Skizzen durchführen. Wie gehabt übereinander schieben und zusammenkleben.

 

Am Schnittmuster sieht das dann so aus:


Beim Absatz an der unteren Kante wieder wie weiter oben beschrieben verfahren.

Ich habe noch eine weitere Variante gefunden:
Einen langen, zur VM parallel verlaufenden Einschnitt machen wie bei der Variante "Abnäher im Armloch" und den Abnäher wie im obigen Bild in der Mitte einschneiden.

 


Zunächst durch die Abnähertiefe reduzieren. Dann das linke Teilstück über das rechte schieben bis die untere Kante wieder geschlossen ist. Die nun gebogene Saumlinie begradigen. Bei meinem Schnittmuster habe ich dadurch 1cm Länge reduziert, jedoch die Länge der Seitennaht gehalten. Schließlich habe ich noch den Brustpunkt überprüft und den Abnäher um einen guten Zentimeter nach unten versetzt.

Ich habe sogar noch eine dritte Variante gefunden, glaube aber, dass sie komplizierter ist und lasse sie deshalb hier weg.

Fazit: Nachdem ich mich mit diesem Thema intensiv beschäftigt habe, finde ich das Ganze gar nicht mehr so kompliziert. Aber dennoch: Bislang habe ich das so geänderte Schnittmuster noch nicht umgesetzt. Ich warte nun einmal auf Kommentare; vielleicht gibt es bessere Ideen oder Fehlerkorrekturen. Dann werde ich den Jumper (so heißt er bei mir) selbstverständlich nähen und hier im Blog zeigen.

Andere Änderungen bei kleiner Oberweite:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei tiefen V-Ausschnitten, wie bei gewickelten Oberteilen, im Ausschnitt Weite wegkneifen sollte, damit sie nicht aufsperren. Fotos dazu finden sich in einem der Links unten in der Liste.

Bei kompliziert konstruierten Schnitten, wo sich die erwähnten Änderungsverfahren nicht ohne Weiteres anwenden lassen, lohnt sich eine gründliche Suche im Netz. Bei meiner Recherche zum Thema bin ich auch auf Anleitungen gestoßen, die die SBA an konkreten Modellen durchführen.

Linksammlung:

Dafür komme ich auf die Firma burda zurück, über die ich mich zu Beginn beklagt habe. Die Lücke in meinem Burda-Anleitungsbuch wird inzwischen durch ein Tutorial auf der Homepage gefüllt (vielleicht auch in einer neueren Auflage des Buchs - ich habe eine ältere):

Burda-Workshop: Der Busen ist zu klein. (Na ja, ich habe den Titel nicht gemacht.)

Auf dem Blog von Megan Nielsen Patterns wird die SBA zwar an einem Modell aus deren Sortiment erklärt, ist aber auch allgemein anzuwenden (Englisch).

Bei SewAlongs with Colette Patterns gibt es ein SBA-Tutorial zum Kleid Myrtle, das jedoch ebenfalls übertragbar ist. Hier ist außerdem das Ausmessen der Oberweite mit Fotos erklärt (Englisch).

Dixie DIY.com zeigt die SBA bei einem Oberteil mit zwei Abnähern und verwendet sehr klare Skizzen, wie ich finde (Englisch).

In Melly Sews Post über Oberweiten-Änderungen kann man FBA und SBA nachlesen. Hier wird auch die Änderung bei Wiener- bzw. Prinzessnähten gezeigt (Englisch).

Der Blog von by hand London zeigt die SBA gleich dreimal: beim Anna Dress, bei dem das VT unten zwei große Falten hat, die von den Änderungen betroffen werden. Vielleicht kann man sich für andere, ähnliche Modelle etwas abgucken. Und hier gibt es Hinweise für eine SBA bei einem Bustier-Oberteil. Bei den Erläuterungen zum Flora Dress sieht man sehr schön, dass Brustpunkt und Abnäherspitze nicht identisch sind, was bei Oberweitenänderungen nicht ganz unwichtig ist (Englisch).

Eine Bloggerin aus Kanada zeigt in drei Beiträgen (12) ihre Small Bust Adjustments. Nr. 2 bezieht sich auf das Vogue-Modell 5611. In einem dritten Post berichtet sie von ihrem Vorgehen bei einem Neckholder Oberteil.

Hier habe ich alle Posts von The Slapdash Sewist mit dem Label SBA rausgesucht.  Eine recht ergiebige Sammlung. Hier erklärt sie z.B. das Kneifen in Ausschnitten, das ich weiter oben schon erwähnt habe (Englisch).

Bei Pinterest habe ich auch etwas gefunden und wenn man bei You Tube  mit "Small Bust Adjustment" sucht und dann alles ignoriert, was nichts mit Nähen zu tun hat, bleibt noch Info für uns übrig.

So. Ich möchte jetzt ausdrücklich erwähnen, dass meine Anleitungen "ohne Gewähr" sind, da vielleicht lückenhaft oder nicht fehlerfrei. In diesen Fällen bitte ich um Korrektur, die ich dann nachträglich im Post einbauen werde.

Danke an Meike, die mich mit ihrer Initiative "Schnittanpassungen" zu diesem Tutorial verleitet hat.