Donnerstag, 20. April 2017

Eco Print Kurs in Speyer: Ein Erlebnis!

Seit ich weiß, dass es diese Kurse gibt, wollte ich einmal mitmachen. Jetzt hat es endlich geklappt. Zur Monatswende März/April habe ich an einem viertägigen Eco Print-Kurs in Brunhilde Scheidmeirs Atelier in Speyer teilgenommen.



Was alles in vier Tage Kurs passt:

  • Rostfärbungen auf Baumwolle
  • Eco Print von den Anfangsgründen bis zu Fortgeschrittenen-Techniken
  • Eco Print von Eukalyptus auf Wolle
  • Tray Dyeing Techniken mit Eisenpulver und Gerbstoffen
  • Low Water Immersion Dyeing mit Pflanzenfarben
  • Eco Print auf Papier
  • Informationen über Gerbstoffe und Beizen
  • Überfärben von weniger gelungenen Eco Prints
  • Verstehen lernen, was bei einer Färbung passiert ist
Neben Kursleiterin Brunhilde war Mitausrichter Fritz Jeromin immer anwesend und hat uns an seinem profunden Färbewissen teilhaben lassen. 

Ich war vor allem gespannt auf die Rostfärbungen und auf die Eukalyptus-Prints, denn das war für mich komplettes Neuland.

Rostfärbungen sind ja total einfach zu machen, denn man arbeitet kalt, braucht außer Stoff nur Eisenpulver bzw. rostige Gegenstände, evtl. Lösungen aus Gerbstoffen und Zeit. Wir haben im Kurs mit Eisenpulver und Gerbstofflösungen aus Gallapfel, Granatapfel und Catechu gearbeitet. Der Stoff wird mit Essigwasser angefeuchtet, dann gefaltet, geknüddelt,  gerollt oder, oder oder ... und in einer flachen Schale ausgelegt. Jetzt streut man das Eisenpulver auf die Oberfläche, hält das Ganze einigermaßen feucht und wartet - Stunden oder auch über Nacht. Wickelt man rostige Gegenstände in Stoff oder um sie herum oder, oder, oder ... muss man i.d.R. mehrere Tage warten, bis der Stoff den Rost angenommen hat. Danach ist gründliches Spülen wichtig, denn es darf kein Rost auf dem Stoff verbleiben, das würde zu Schäden führen. Man kann gleichzeitig oder auch hinterher den Stoff partiell mit den Gerbstofflösungen befeuchten, was zu weiteren Farben führt. Das Gute an den genannten Gerbstoffen (oder auch Tee und Kaffee) ist, dass sie nicht dampffixiert werden müssen.

Baumwoll-Fransenschal mit Rost und Gallapfel

Mein rost-gefärbter Stoff hängt zum trocknen vor Brunhildes Atelier im Baum.


Auf den Eco Print von Eukalyptusblättern auf Wolle war ich sehr gespannt. Ich hatte schon viel davon gelesen und Bilder gesehen, aber dieses tolle Rot-Orange selbst noch nicht erreicht, da ich immer die falsche Sorte Eukalyptus verwendet hatte. Hier gibt es Informationen zu den richtigen Sorten. Der verwendete Stoff ist ein Wolletamin, ungebeizt - das ist wichtig. Die Blätter habe ich in der Mitte des Stoffs (Schalformat) in Rollenbreite aufgelegt, stramm gewickelt sowie eng und kräftig mit Seidenschnüren umwickelt, so dass dieser Bereich weitestgehend von der anschließenden Färbung in einem Blauholzsud ausgespart bleibt. Bei meinen drei Schals sind die Ränder eher grau als blau geraten, was mich aber gar nicht stört - im Gegenteil. Einen blauen hätte ich vielleicht gern gehabt ... aber das kann ich ja jetzt selbst bei mir zuhause versuchen.

So kommt die Rolle aus dem Dämpftopf.


Das Auswickeln beginnt.

nach dem Auswickeln

Der Schal misst immerhin 200x70cm.

 
Ein Schalende zeigt die Spuren der Wicklung - das macht den Gesamteindruck interessant.

Der Abdruck der Eukalyptusblätter im Detail.

Low water immersion dyeing war eine Überraschung für mich, denn ich hatte den Begriff zuvor noch nicht gekannt und wusste auch nicht, dass das im Kurs vorkommen würde. Diese Methode wird vornehmlich mit Procion oder anderen Reaktivfarben praktiziert. Zurück zuhause habe ich ein wenig recherchiert, aber über diese Technik zusammen mit Pflanzenfarben habe ich nichts gefunden. Ein Gutteil Erfahrung damit ist wohl nötig, denn Brunhilde hat das Arrangieren der Stoffe im Glas und die Verteilung der Farben und Zusätze für uns durchgeführt; wir haben nur die grobe Farbrichtung vorgegeben.

 vor dem Dämpfen


Das mit Stoff und Farbe und - wie der Name sagt - wenig Wasser gefüllte und fest verschlossene Glas wird "eingekocht", wie wir das vielleicht mit Gemüse in Weckgläsern aus Großmutters Zeiten noch kennen, d.h. die Gefäße werden wie die Eco Print-Rollen über kochendem Wasser gedämpft.

nach dem Dämpfen

Auch hier kann man die Färbungen nur bis zu einem gewissen Grad steuern. Somit wird jede Arbeit zu einem Unikat.
So kam mein Stoff aus dem Glas:



Und so sieht er aus:


Gefärbt mit Blauholz, Krapp, braunen Zwiebelschalen und verschiedenen Gerbstoffen - alles soweit ich mich erinnere. Das Stoffstück ist 150x100cm groß und hat tatsächlich in dieses Glas gepasst.

Ich habe in dem Kurs viel gelernt. Mal abgesehen davon, dass es großen Spaß gemacht hat und es schön war, neun andere Färbebegeisterte kennenzulernen und mit ihnen vier Tage zusammen zu arbeiten.
Danke an Brunhilde Scheidmeir und Fritz Jeromin, die uns ihr geballtes Färbewissen zur Verfügung gestellt haben.

Dieser Blogpost war bereits vor Ostern so gut wie fertig. Ich habe jedoch mit der Veröffentlichung noch gewartet bis ich den Stoff vom letzten Foto zuhause hatte, denn ich hatte ihn in Speyer liegen gelassen und er musste mir erst zugeschickt werden. Deshalb fehlt er auch im ersten Foto oben, wo alle größeren im Kurs entstandenen Stoffe zu sehen sind.
Inzwischen habe ich auch angefangen, die Eukalyptus-Schals zu säumen. Ich mache zum ersten Mal einen Rollsaum mit der Hand! Bei diesen Schals lohnt sich die Handarbeit wirklich. Meine Quote ist: ca. drei Fernsehabende für einen Schal, bei dem sich immerhin 5,40m Rollsaum summieren. Je nach dem, wie fesselnd der Film ist.


Mittwoch, 12. April 2017

Me Made Mittwoch: Grüner Sommerrock

Als es am Sonntag so schön sonnig und warm war, habe ich eines meiner neuen Sommer-Kleidungsstücke angezogen:

 


Der Rock aus grünem Leinen ist nach dem Schnitt Nr.9 aus der Ottobre 2/2015 entstanden. Im Heft hat er den Namen "Mandarine". Das Modell mit dem interessanten Sattel, der die vorderen Abnäher aufnimmt, hat mir gleich gefallen.

(Ist das zu erkennen?)

Damit dieses Detail auch zur Wirkung kommt, sollte man, finde ich, einen einfarbigen Stoff verwenden. Ein mittleres Leinen, wie bei mir, ist einfach der ideale Stoff dafür. Meinen grasgrünen habe ich einmal für ein anderes Projekt gekauft. dieses aber dann nicht realisiert. Somit lag der Coupon eine Weile im Schrank und war jetzt ideal, um diesen Schnitt zu testen.

Ich kann den Schnitt nur wärmstens empfehlen. Der Rock ist einfach zu nähen, hat ein gewisses Etwas durch den Sattel und ist bequem zu tragen. Ich habe in ihm am Sonntag sogar Gartenarbeit gemacht. Das Top ist alt, war aber das einzige wirklich passende Kombiteil in meinem Schrank.

Da mir der Rock bei der ersten Anprobe etwas zu kurz war, habe ich erstmals den Saum mit einem Schrägstreifen eingefasst, um die Saumzugabe komplett zu nutzen. Irgendwo, die Quelle finde ich gerade nicht, wurden bei einer Umsetzung des Schnitts noch Taschen eingefügt, für die das Schnittteil des Sattels hochkant verwendet wurde. Eine super Idee! Das werde ich nachmachen, wenn ich den Rock nochmals nähe. Auch einen schmalen Bund kann ich mir hier vorstellen.

Dieses Outfit präsentiere ich beim heutigen Me Made Mittwoch, wo wieder Hobbyschneiderinnen ihre selbstgemachten Kleidungsstücke zeigen; auch Gestricktes usw. ist erlaubt, solange es "an der Frau" zu sehen ist. Danke an die Organisation.

Samstag, 8. April 2017

Eco Print-Kurs in Speyer: Kleine Vorschau

Zur Monatswende (30.3. bis 2.4.2017) war ich Teilnehmerin eines Eco Print-Kurses im Textilstudio Speyer, wo Inhaberin Brunhilde Scheidmeir und Mitveranstalter Fritz Jeromin uns die Grundlagen dieser spannenden Färbetechnik vermittelt haben.
Das waren ganz wunderbare vier Tage!
Ein ausführlicher Bericht ist in Arbeit, dauert aber noch ein wenig.

Hier und heute nur zwei Fotos: (Klick aufs Bild vergrößert)

ein "Abfallprodukt" beim Eco Print


Eco Print auf Papier


Sonntag, 26. März 2017

Stoffspielereien im März 2017: Shibori

Das Thema der Stoffspielereien im März lautet: Shibori.


Karen hat das Thema ausgesucht und sie sammelt heute auch auf ihrem Blog die Beiträge.

Shibori gehört zu den japanischen Kunsthandwerks-Techniken, die ich persönlich sehr interessant finde. Man arbeitet mit Stoff, Garn und Farbe - das sind alles "meine" Materialien.
In aller Kürze: Der zu färbende Stoff wird abgebunden, gefaltet oder genäht und anschließend fixiert. Grundsätzlich geht es darum, bestimmte Partien des Stoffs davor zu bewahren im anschießenden Farbbad Farbe anzunehmen; das nennt man Reservierungsfärbung. Auf diese Weise entstehen Muster, zufällige oder mehr oder weniger gelenkte.

Auf der Website shibori.org habe ich eine sehr schöne Beschreibung gefunden, die die ursprüngliche Idee der Stoffspielereien aufgreift, nämlich den zweidimensionalen Stoff in die dritte Dimension zu bringen:

When the cloth is returned to its two-dimensional form after dyeing, the design that emerges is the result of the three-dimensional shape, the type of resist, and the amount of pressure from the thread or clamp that secured the shape during the cloth’s exposure to the dye. The cloth sensitively records both the form and the pressure; the “memory” of the shape remains imprinted in the cloth.

Ein kleines Basiswissen zu Shibori habe ich mir im Netz angelesen. Als Material für meine ersten Versuche habe ich verschiedene Stoffservietten genommen, die vor einiger Zeit in meinen Besitz gelangt sind. Auch ein baumwollenes Handtuch, das ein wenig Struktur aufweist, ist dabei, damit ich testen kann, wie Shibori auf nicht glattem Stoff herauskommt.

Die traditionelle Farbe für Shibori ist Indigo. Ich habe jedoch auch hier etwas aus meinem Vorrat verwendet: Ich hatte noch ein paar Döschen Procion MX. Da jedoch kein Blau dabei war, habe ich mich für "raspberry" entschieden. Bei der Verwendung dieser Farbe wird empfohlen, den vorgewaschenen Stoff in einer Sodalösung zu baden. Er wird dann nur ausgewrungen, nicht gespült und kann dann entweder sofort in feuchtem Zustand gefärbt werden, oder man trocknet, bügelt und legt sich einen "Vorrat" an.

Wie man mit Procion MX färbt, habe ich mir z.B. hier und hier angelesen. Den Umgang mit der Farbe und gleichzeitig Anregungen zu Shibori findet man auch auf dem Blog Textile-Ideen.

Jetzt geht's los mit vielen Fotos. Damit man gut erkennen kann, welche Technik zu welchem Ergebnis geführt hat, habe ich die zusammengehörenden Fotos immer nebeneinander gestellt. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Fotos durch Anklicken zu vergrößern.

1. Parallel ausgeführte Vorstiche

 


                                             
2. Zweimal ziehharmonikaartig gefaltet und mit Gummibändern fixiert

 


3. Zweimal ziehharmonikaartig gefaltet und mit zwei Scheiben (Nähmaschinenzubehör!!!) fixiert

 


4. Eingebundene Objekte (kleine Schneckenhäuser ...), mit Gummiringen fixiert

 




5. Auf gefalteten Stoff mit Vorstechen genähte Halbkreise

 




 
linker Kreis: Vorder- und Rückseite sehen unterschiedlich aus

6. Einmal gefaltetes Stoffstück, schräg auf ein Plastikrohr gewickelt

 


7. Abbindungen und Fixierungen mit Foldback-Klammern

 


Bei der Anleitung zur Farbe hieß es, man solle nach dem Färben zunächst nicht spülen, sondern den Stoff für wenigstens 10 Std. auf der Leine trocknen lassen. Das habe ich getan, dann habe ich gespült. Und gespült und gespült und nochmals und wieder gespült. Gefühlt hundertmal. Und das Spülwasser war immer noch nicht klar. Ist das normal? Oder was habe ich falsch gemacht? Meine einzige Idee ist: Ich habe zuviel Farbpulver genommen; ich habe nichts abgewogen, habe nach Gefühl dosiert.
Was ich auch nicht verstanden habe, ist das Verhältnis von Soda zu Farbe. In den Anleitungen heißt es, man solle nicht nur Salz sondern auch Soda in die Farbflotte rühren. Andererseits habe ich auch gelesen: Die angerührte Farbe darf nicht mit Soda in Berührung kommen. Ja, was denn nun? Außerdem würde der mit Soda vorbehandelte und nicht gespülte Stoff beim Färben Soda in die Flotte abgeben, denke ich. Oder nicht? Fragen, die jetzt nicht unbedingt zum Thema Shibori gehören, aber ich stelle sie trotzdem; vielleicht bekomme ich ja Antworten, denn ich würde schon gern einen zweiten Shibori-Versuch wagen.

Zu meinen verwendeten Stoffen: Ich denke, etwas dünnere Stoffe hätten sich besser geeignet, vor allem auch für die Technik Nr.6 (Akashi Shibori). Das würde ich gern nochmal mit einem dünneren Seidenstoff probieren. Damit sollte diese Technik eigentlich gut herauskommen und einen Seidenschal oder -tuch kann ich mir in dieser Optik sehr gut vorstellen.

Im Moment habe ich noch keinen Plan, was ich mit meinen Shibori-Stoffen anfange. Ich müsste auch zuvor noch das Problem lösen, dass sich ja immer noch Farbe ablöst, wahrscheinlich auch durch Reibung.
Ich habe die noch nicht weiter ausgegorene Idee, Shibori mit Siebdruck zu verbinden. Meine ersten Siebdruckversuche bringen mich auf diesen Gedanken.

Danke an alle, die organisiert und mitgemacht haben. Ich freue mich übrigens schon auf die Stoffspielereien im April (Thema: seltene Techniken), ich habe sogar schon mit meinem Projekt begonnen...

Mittwoch, 8. März 2017

Me Made Mittwoch: Wasserfall-Shirt

Alle haben Wasserfall-Shirts genäht. Jetzt hab' ich auch eins:



Wasserfall-Shirt? - Ja, hinten:



Das Shirt ist Modell 103 aus Burdastyle 01-2016. Der Rumpf ist doppellagig. Die untere Lage, die am Saum etwa handbreit herausschaut, ist bei mir schwarz und deshalb auf dem Foto nur schlecht zu erkennen. Burda verwendet zwei verschiedene Schnittteile für die obere (etwas weiter) und untere (etwas enger) Lage. Damit das Shirt etwas lockerer ausfällt, habe ich für beide Lagen den Schnitt für das obere Shirt verwendet. Das funktioniert.

Das Problem: Der Wasserfall hinten soll schön fallen, aber ich habe keine Kontrolle darüber, da außer Sicht.



Die Lösung: ein kleines angenähtes Gewicht in Form eines Knopfs, der den "Fall" an Ort und Stelle hält.

(Wenn man weiß, was man sehen soll, sieht man den Knopf auch.)

Ich muss zwar nach dem Anziehen ein paar Verrenkungen machen, bis hinten am Shirt alles gerichtet ist, denn der Knopf hängt immer erst mal außen.  Aber der Trick funktioniert. Müsste eigentlich auch bei vorderen Wasserfällen klappen. Mag das jemand ausprobieren und berichten?

Mein Shirt ist allerdings nur etwas für die sich anbahnende wärmere Jahreszeit, denn durch den einigermaßen tiefen hinteren Ausschnitt war mir das bei den zuletzt noch kühleren Temperaturen zu wenig wärmend am Hals.

Der Vollständigkeit halber:
Zum Shirt trage ich eine selbst genähte schwarze Hose, die ich auf den Fotos ausgespart habe, weil Schwarz eh' ganz schlecht zu fotografieren ist, aber womöglich hätte man gesehen, dass sie arg verknittert war.
Die verwendeten Stoffe: Der Rosendruck ist ein Baumwolle mit Elasthan-Jersey - Zufallsfund bei Karstadt - und den schwarzen aus dem gleichen Material hatte ich im Vorrat.

Hiermit reihe ich mich beim heutigen Me Made Mittwoch ein, wo wieder selbstgenähte Kleidung an der Frau gezeigt werden kann. Woche für Woche gibt es um die Hundert (mal mehr, mal weniger) verlinkte Beiträge. Danke an die Damen vom MMM-Team für ihr Engagement bei der Betreuung des Blogs.
Ein dickes Danke auch an meine LeserInnen und für die netten Kommentare aus der letzten Zeit.


Mittwoch, 1. März 2017

Me Made Mittwoch: Flanellkaro-Bluse

Bevor es hoffentlich endgültig frühlingshaft wird und winterlich anmutende Kleidung erstmal im Schrank verschwinden darf, möchte ich beim heutigen Me Made Mittwoch meine kürzlich entstandene Flanellkaro-Bluse zeigen. Seit ihrer Fertigstellung habe ich sie häufig getragen.


Der Schnitt ist "Gardener" aus der Ottobre 5/2012 Herbst/Winter. In der Modellübersicht auf der Ottobre-Seite ist es das Modell 7.

Auf der Suche nach einem Hemdblusenschnitt, der etwas lockerer ausfällt als mein bisheriger, viel verwendeter aus einem Burdaheft von 2003 (hier eine Version und hier eine weitere mit techn. Zeichnung), bin ich über Susanne/Sujuti auf diese Bluse aufmerksam geworden.

Das quer zweigeteilte Vorderteil wollte ich so übernehmen und den oberen Teil schräg zuschneiden. Bei den Anproben habe ich noch gezweifelt, ob das eine gute Idee war, denn der weiche Stoff verhält sich im Schrägzuschnitt etwas anders als im geraden Fadenlauf. Dann gab es noch zu entscheiden, wie die Brusttaschen aussehen sollten. Ich habe zum Ausprobieren auch zwei im geraden Fadenlauf zugeschnitten und aufgesteckt, aber mein häuslicher Modeberater - aka Ehemann - meinte, das würde zu unruhig und hat für die Version plädiert, bei der die Taschen, wie oben zu sehen, genau dem Muster folgen. Das war auch die bessere Entscheidung.

Figurbedingt habe ich die Brustabnäher um 1,5cm nach oben verlegt und in Brusthöhe auf beiden Seiten ca. 1cm Weite reduziert. Die im Original konischen Brusttaschen habe ich rechteckig gezeichnet (damit war der schräge Zuschnitt auch leichter); die unteren Spitzen sind jedoch geblieben.

Diese Änderungen habe ich mir dann doch auf den Schnitt übertragen, denn nachdem die Bluse jetzt "eingetragen" ist, mag ich sie und eine weitere Umsetzung kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht aus einem gestreiften Stoff, den ich beim geteilten Vorderteil in beiden Richtungen verwenden könnte. Gestreifte Stoffe habe ich im Vorrat, ebenso wie einen blau karierten Baumwollflanell, den ich dann vor der nächsten kalten Jahreszeit in ein Modell wie oben verwandeln könnte. Mal sehen.

Freitag, 10. Februar 2017

Siebdruck: Meine ersten Schritte

In der letzten Zeit hatte sich die Idee im Hinterkopf festgesetzt: Siebdruck. Wie macht man das? Welche Ergebnisse kann man erzielen? Ist das ohne allzu großen Aufwand machbar? Soll ich das nicht mal probieren?
Dann habe ich zufällig ein Buch zum Thema gefunden, das nicht nur Siebdruck sondern auch Stempeln und Schablonieren detailliert erklärt. Und ich habe zuhause von meinem Interesse erzählt mit der Folge, dass ein Einsteiger-Siebdruck-Set unter dem Weihnachtsbaum lag.
Inzwischen habe ich die ersten Versuche gemacht und bin begeistert!

Mein Siebdruck-Set enthält zwar die komplette Ausstattung für das Belichten eines Siebs, ich habe aber ein paar Nummern kleiner angefangen und zunächst Schablonen aus Papier geschnitten.



Dafür habe ich gewöhnliches Druckerpapier verwendet und mit der schwarzen Farbe aus dem Set auf Baumwollstoff gedruckt. Das Papier hat sich nach dem ersten Farbauftrag durch die Feuchtigkeit der Farbe an etlichen Stellen leicht gewellt. Trotzdem konnte ich die selbe Schablone mehrfach verwenden.
Vor den nächsten Versuchen habe ich mir noch weitere Farben und zwei der fertigen Siebdruckschablonen von Jeromin bestellt. Für diese Siebe bzw. Folien wird für den Farbauftrag ein Schaumstoffroller empfohlen. Ich finde, die Jeromin-Schablonen sind sehr leicht zu handhaben und haben bei mir gute Ergebnisse gebracht. Diese Siebe sind relativ klein (maximal 15x20 cm) und man muss sie mehrfach auflegen, wenn man eine Fläche bedrucken will. Wie ich dabei mit der noch feuchten Farbe umgehe um nichts zu verwischen, habe ich noch nicht so richtig raus. Im Moment habe ich mehrere Tücher parallel bedruckt, so dass jedes ein wenig Zeit zum Trocknen hatte. Der Fön hat auch ausgeholfen.
Für die folgenden Drucke habe ich meine blaue, rote und gelbe Farbe  gemischt und bin dabei ziemlich spontan vorgegangen. Ich habe auch das Sieb beim Farbwechsel nicht ausgewaschen sondern habe den Farbverlauf, der sich aus dem Wechsel ergeben hat, mit einbezogen.



Hier habe ich auf ein Naturleinen mit leichter Struktur aber glatter Oberfläche gedruckt; ich finde, das harmoniert sehr gut. Hier die beiden Tücher nebeneinander im Vergleich:


Der nächste Schritt: Ich habe für die Schablonen Plastikfolie statt Papier verwendet, zunächst die einfachen Klarsichthüllen. Das mit dem Motiv bedruckte Blatt Papier steckt verrutschsicher in der Hülle. Mit einem scharfen Cutter lässt sich das Plastik ganz gut schneiden und ich habe gleich zwei Schablonen auf einen Streich.



Bei diesem Motiv habe ich sowohl mit Rakel als auch mit dem Schaumstoffroller gearbeitet um zu testen, was besser funktioniert. Ein echtes Ergebnis habe ich noch nicht, denn auch die aufgetragene Farbmenge beeinflusst das Ergebnis ja erheblich. Hier ein weniger gut gelungener Druck:



Beim blauen Streifen war zu wenig Farbe im Spiel und bei den ockerfarbenen Streifen zu viel, auch sind die Ränder nicht überall scharf begrenzt. Wenn man das nicht unbedingt zum Ziel hat, ist das auch in Ordnung. Zum Vergleich ein - aus meiner Sicht - sehr gut gelungener Druck:


Bei dieser Nahaufnahme kann man auch erkennen, wie die Farben sich verhalten, wenn man übereinander druckt. Ich wollte auch ausprobieren, wie man auf ganz dünnem Stoff druckt:



Klappt. Da wäre wahrscheinlich ein etwas hellerer, transparenterer Farbton schöner.

Bei einem der beiden oben gezeigten Drucke werde ich bei der nächsten Druck-Session noch weitere Farben aufbringen. Und auch das Rosenmotiv werde ich mir noch aus Plastikfolie ausschneiden, um noch eine weitere Farbe zum schwarzen Druck hinzuzufügen.

Den bunten Schirmchen-Druck von ganz oben habe ich dann gleich verarbeitet:




Kürzlich habe ich den Blog "So mach ich das" entdeckt. Dort werden monatlich Links gesammelt, zu Beiträgen, die Arbeiten aus und mit Stoff beinhalten. Wichtig ist, dass man erklärt, wie man gearbeitet hat, welche sonstigen Materialien benutzt worden sind, woher die Inspirationen und Anleitungen stammen etc. Hier sind die Teilnahme-Regeln im Detail und hier ist die Linkliste für den Monat Februar, wo ich diesen Blogpost verlinkt habe.

Außerdem passt mein Stoffbeutel natürlich in Utes Linksammlung "Nix Plastix", wo genähte Stoffbeutel als Alternative zu Plastikbeuteln zusammengetragen werden.

Ich danke den Bloggerinnen für die Möglichkeit, meine Arbeiten dort zu zeigen.

Zusammengefasst:

  • Das ganz oben erwähnet Buch: Lena Corwin, Printed at Home, Verlag EMF (deutsch)
  • Link mit Info zu Siebdruck mit Papierschablonen (und mehr); Blog: Am liebsten bunt
  • Link mit Info vom Jeromin Blog