Sonntag, 28. Oktober 2012

Stoffmanipulationen 7

Nach einigen Monaten Pause bei den Stoffmanipulationen, bin ich heute wieder dabei.

Ich habe aus einem ausrangierten Kaschmirpullover einen Schal gefilzt.

Vor rund einem Jahr habe ich das schon einmal gemacht und hier darüber berichtet; dort kann man auch die Vorgehensweise nachlesen. Zwei weitere Schals können hier angeschaut werden.

So sieht mein neues Werk aus:





Vor dem Filzen war der Schal 160cm lang und 38cm breit, nachher 140x33cm . Bei diesem Schal habe ich auch Stücke in der Längsrichtung zusammengefügt (bei meinen Prototypen hatte ich nur quer gestückelt) und die einzelnen Teile mit einem schmal und lang eingestellten Zickzackstich zusammengenäht, was gut funktioniert hat. Für diesen Schal habe ich zwei Ärmel und ein Rumpfteil verarbeitet. Die keilförmigen Stücke, die ich zum Begradigen der Ärmel abgeschnitten habe, habe ich an der schrägen Kante wieder angenäht und so ein neues rechteckiges Schalstück bekommen.

Als nächstes werde ich einmal einen mehrfarbigen Schal in dieser Technik ausprobieren, denn ein blaues Rumpfteil habe ich ja noch übrig und darüber hinaus liegen noch zwei andere Pullover bereit.

Außerdem würde ich auch gern einmal einen Schal aus einem neu gekauften Wollstrickstoff filzen, das hätte den Vorteil, dass ich mir die Farbe einmal gezielt aussuchen kann. Vielleicht würde die Technik ja auch mit Wolletamin funktionieren...?

Vielen Dank an Suschna, die die Aktion koordiniert und die hier ihr eigenes Projekt vorstellt und die Links zu den heutigen Beiträgen sammelt.


Samstag, 27. Oktober 2012

Eco Print - Folge 3 (Seide und Wollstoffe)

Eco Print ist faszinierend!

Ich habe meine nächste Kollektion gefärbt und diesmal Seide und Wollstoff verwendet. Da ich wusste, dass diese Materialien die Farben besser annehmen als Baumwolle oder gar Leinen, wolle ich das gern in dieser Runde ausprobieren. Ich habe Bouretteseide, Seidenpongé, Taft und einen Wollstrickstoff nach der Methode gefärbt, die ich hier erstmalig beschrieben habe. Ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und bin mit den Ergebnissen durchaus zufrieden.

Doch der Reihe nach.

Nach meinen ersten Versuchen hatte ich den Eindruck, dass die Resultate verbessert werden können, wenn ich die Stoffe auf einen sowohl stabilen als auch leicht flexiblen "Kern" aufwickeln könnte; es wickelt sich auch leichter. Meine Lösung ist ein "Wickelkern":



Dafür habe ich einfachen Nesselstoff aufgewickelt und die Enden festgenäht. Diese Rollen kann ich natürlich immer wieder verwenden. Wenn sie Farbe angenommen haben, umwickele ich sie einfach mit etwas Plastikfolie, um die nachfolgenden Stoffe vor unerwünschten Abdrücken zu schützen. Nach einem Versuch kann ich bereits sagen, dass die Methode sich bewährt hat.

Bouretteseide: Sie ist m. E. nur eingeschränkt geeignet, da sie eine relativ raue Oberfläche hat. Ich habe verschiedene Pflanzen ausprobiert, jedoch hat mich nur der Rote Ahorn wirklich überzeugt:



Seidenpongé: Angefeuchteten Pongé doppellagig glatt auf einer Arbeitsfläche auszubreiten, ist ein Kapitel für sich! Schließlich habe ich es einigermaßen hinbekommen und die letzten Falten ignoriert. Ich überlege, ob man nicht auch trockenen Stoff mit Pflanzenmaterial belegen und ihn erst in aufgewickeltem Zustand durchfeuchten könnte. Müsste doch eigentlich funktionieren (mit Geduld).
Auf meinem Pongé habe ich braune und rote Zwiebelschalen und kleine Stücke von Eukalyptusblättern  ausgelegt. Das ist das Ergebnis:



Taft: Hier ist der Print der Blätter vom Perückenstrauch sehr pastellig ausgefallen:



Wolljersey: es handelt sich, genauer gesagt, um einen Merinojersey im Schlauch. Ich habe den Schlauch innen ganzflächig mit Blättern der Blutpflaume belegt, einmal auf die Hälfte zusammengefaltet und dann aufgewickelt.





Auch wenn Braun-und Naturtöne bisher nicht zu meinen Lieblingsfarben gehört haben, bin ich von den Färbeergebnissen recht angetan. Vielleicht ist das ein Hinweis, meine Farbpräferenzen einmal zu überdenken...?

Alle Stoffe wurden vor dem Färben gewaschen und gebeizt. Färbedauer: eine Stunde. Dann habe ich die Bündel zwei, drei Tage in einem verschlossenen Plastikbeutel ruhen lassen, bevor ich sie ausgewickelt habe. Nach dem Trocknen wurden die Stoffe heiß gebügelt. Nun ruhen sie noch ein paar Tage, bevor ich sie auswasche. Das ist die Methode, die India Flint in ihrem Buch empfiehlt.







Mittwoch, 10. Oktober 2012

MeMadeMittwoch - Teil 44

Mein erstes Kleidungsstück mit Eco Print möchte ich zum heutigen MMM* präsentieren:



Im vorherigen Post habe ich erklärt, wie ich den Blätterdruck gemacht habe. Das Shirt hat ihn jedoch nur auf dem Vorderteil; Rückenteil und Ärmel sind einfarbig, aber auch von mir gefärbt. Dafür habe ich eine größere Menge Blätter vom Perückenstrauch klein geschnitten, in Wasser eingeweicht und eine Stunde köcheln lassen. Dann durfte die Farbbrühe noch 24  Stunden ruhen, bevor ich die Pflanzenpartikel abgeseiht habe. Die Brühe hatte jetzt die Farbe von hellem Brombeersaft. Nun habe ich Wasser aufgefüllt, damit mein Stoff beim Färben ausreichend schwimmen konnte. Dabei habe ich meine Färbeflotte wohl zu weit verdünnt, so dass die grünen Farbanteile so stark dominiert haben, dass mein Stoff schließlich pastellgrün geworden ist. Zunächst dachte ich: sieht irgendwie ungesund aus. Aber in Kombination mit dem bedruckten Teil und als ganzes Kleidungsstück ist es ganz annehmbar und passt überraschend gut zu Jeans (die ich ja sowieso sehr häufig trage).

Nun liegen zwei Seidenstoffe und ein Wolljersey fertig gebeizt bereit für das nächste Experiment.

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* Was der MMM ist, erfährt man hier und was die anderen Hobbyschneiderinnen heute getragen haben hier.



Montag, 8. Oktober 2012

Eco Print - Folge 2


Ich hatte ja eine Fortsetzung meiner ersten Versuche angekündigt. Dies einzuhalten, fiel mir wirklich nicht schwer. Ich finde, es ist eine spannende Technik mit Suchtpotential.

Eco Print (nach India Flint) ist eine Färbetechnik, bei der Blätter, Blüten und andere florale Teile ihre Farbe direkt auf den Stoff abgeben. Blätter werden auf dem Stoff ausgelegt, dieser wird straff aufgewickelt und über Wasserdampf gedämpft (30-60 Min.). Dann darf das Bündel noch einige Zeit ruhen, bevor es wieder auseinander gewickelt und getrocknet wird. Dann wird heiß gebügelt und danach erst gespült. In meinem ersten Post zu diesem Thema erläutern ein paar Fotos die Vorgehensweise.

Nun habe ich nach dieser Methode ein Stoffstück gefärbt, das ich zu einem Kleidungsstück verarbeiten will. Das Material ist ein Interlockjersey aus Baumwolle. Als Färbepflanzen habe ich hauptsächlich Blätter vom Perückenstrauch (Cotinus) verwendet, außerdem einige Zwiebelschalen und Blütenblätter der Färberkamille. Das Pflanzenmaterial habe ich nur auf der Hälfte des Stoffstücks verteilt, dann die andere Hälfte darüber geklappt, ein Stück Plastikfolie (Bratschlauch, hitzebeständig) daraufgelegt, damit sich die Abdrücke der Blätter nicht auf mehrere Stofflagen durchdrücken, und dann aufgewickelt. Zum Fixieren habe ich ein etwas dickeres Nähgarn drum herum gewickelt. Das gefällt mir deutlich besser als die zuerst erprobten Gummibänder. Die Fäden kann man später einfach wieder abwickeln oder abschneiden.

Ergebnis:


In der Nahaufnahme kann man sogar ein wenig die Blattadern erkennen:



Wie ich bei der Verarbeitung vorgegangen bin und welches Kleidungsstück schließlich daraus entstanden ist - nun... das zeige ich am Mittwoch zum MMM.

Mittwoch, 26. September 2012

MeMadeMittwoch - Teil 43

Nach meinen zwei nachträglich mit Reversapplikationen versehenen Shirts (hier und hier anzuschauen) wollte ich gern eines machen, das von Anfang an mit dieser Technik geplant ist. Inzwischen ist es fertig und kann zum heutigen MMM* vorgezeigt werden:



Der Stoff ist ein Baumwolle-Interlockjersey in rauchblau und schokobraun von Anita Pavani. Ich besitze bisher praktisch keine braunen Kleidungsstücke und wollte mit diesem Modell einmal ausprobieren, ob ich diese Farbe nicht doch mag.

Auch hier habe ich die Applikation wieder mit der Maschine gemacht, jedoch das Verfahren vereinfacht. Nachdem ich mich nach ein paar Probenähten davon überzeugt hatte, dass der Jersey-Stich meiner Nähmaschine auch von links durchaus ansehbar ist, habe ich hier nun das Motiv seitenverkehrt auf der Rückseite aufgezeichnet und von links genäht. Den Unterlegstoff habe ich mit einer elastischen Vlieseline verstärkt, so dass ich auf das Stickvlies verzichten konnte.

Hier noch ein Foto, das ein Motiv im Detail zeigt:



Beim Ausschnitt kann ich noch eine Verarbeitungsvariante zeigen:


Ich habe einen 4cm breiten Jerseystreifen so rechts auf rechts an die Ausschnittkante genäht, dass die Schnittkanten von Streifen und Ausschnitt bündig liegen. Nun den Streifen so nach innen legen, dass er 2-3mm breit in den Ausschnitt ragt. Mit der Zwillingsnadel feststeppen und links den unter der Zwillingsnaht überstehenden Stoff abschneiden.

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* Was der MeMadeMittwoch ist, kann man hier nachlesen und alle anderen Beiträge von heute hier anschauen. Danke an die Organisatorinnen.

Freitag, 21. September 2012

Noch eine textile Technik: Eco Print

Warum habe ich das erst jetzt entdeckt?

India Flint gilt als "Erfinderin" des Eco Prints, eine Färbetechnik, bei der die Pflanzenteile ihre Farbe direkt auf den Stoff abgeben. Einen Eindruck bekommt man auf Indias Homepage oder durch ihre Bücher. Ich habe mir kürzlich Eco Colour gekauft und bin begeistert! Auch in Deutschland wird das praktiziert, wie man hier und hier sehen kann.

Ich habe erste Versuche gemacht und dafür kleinere Stofftstücke aus Seide, Baumwolle und Leinen verwendet. Die Stoffe müssen vor dem Färben gebeizt werden, damit sie die Farbe besser aufnehmen. Wie man das macht, wird natürlich auch in India Flints Buch beschrieben; ich habe mich, weil ich es sehr übersichtlich fand, an die Angaben in dem Buch Natürlich Färben aus dem Haupt Verlag gehalten.

Bevor ich das Verfahren erkläre, ein paar Fotos:

braune und rote Zwiebelschalen auf Seide, Baumwolle und Leinen

diverse Blätter auf Baumwoll-Feinstrick

Detail, vergrößert


Das Verfahren in aller Kürze:
Stoffe beizen; auf die angefeuchteten Stoffe geeignete Blätter, Blüten und Zweige auflegen; aufrollen; die Bündel mit Gummibändern fixieren; in einem geeigneten Topf Wasser zum kochen bringen, einen Siebeinsatz hineinstellen, auf den die Stoffbündel gelegt werden. Eine Stunde dämpfen; auskühlen lassen. Den Stoff in einen Plastikbeutel stecken und mindestens einen, besser mehrere Tage ruhen lassen. Dann die Bündel entrollen, die Pflanzenpartikel entfernen und den Stoff trocknen lassen. Heiß bügeln, evtl. auch bereits mit Restfeuchte. Wieder einige Tage ruhen lassen. Stoff spülen bis das Wasser klar bleibt, evtl. dem letzten Spülbad einen Schuss Essig zugeben.

Zurück zu den Mustern; so habe ich die Zwiebelschalen auf den Stoffen ausgelegt:



und so haben die Stoffbündel vor dem Dämpfen ausgesehen:


hier liegen meine Muster auf dem Siebeinsatz im Kochtopf:



und so sahen meine drei Zwiebel-Bündel nach dem Dämpfen aus:


Versuch eines Fazits nach meinen ersten Versuchen:

Besonders gut haben die Zwiebelschalen funktioniert. Schön fand ich, dass braue und rote Schalen auch wirklich unterschiedliche Farben ergeben. Vielleicht hätte ich die Schalen weniger dicht auflegen sollen. Das ist auf jeden Fall einen zweiten Versuch wert.

Weiterhin haben die Blätter von Blutbuche, rotem Ahorn, Blutpflaume und Perückenstrauch gut gefärbt. Die Blätter in Muster Nr. 4 sind vom Perückenstrauch. Die Blütenblätter der Färberkamille (wie der Name ahnen lässt) färben ein kräftiges Gelb.
In India Flints Buch ist viel über die Färbekraft von Eukalyptus zu lesen. Das möchte ich natürlich gern ausprobieren und versuche jetzt an Eukalyptusblätter zu kommen.

Die verschiedenen Materialien nehmen die Farben unterschiedlich gut auf. Was ich zuvor in der Literatur gefunden hatte, hat sich bestätigt: Seide funktioniert am besten, Leinen (leider) am schlechtesten.

Die Farben durchdringen auch bei den dickeren Stoffen mehrere Stofflagen, so dass die Umrisse einzelner Blätter dann nicht mehr erkennbar sind. Beim nächsten Färbeversuch will ich die aufgelegten Pflanzenteile mit einer hitzebeständigen Folie (Bratschlauch) abdecken, bevor ich den Stoff aufrolle.

Die Knicke im Stoff sind teilweise dauerhaft. Das kann man auch als Effekt einsetzen - ein Crash entsteht. Bei meinem Muster Nr. 14 ist das passiert und es gefällt mir mit der Seide recht gut. Wenn ich das vermeiden will, muss ich versuchen, sehr sorgfältig und glatt aufzurollen, muss auf ein zweites Aufrollen verzichten (das gibt Beulen) und auch die Gummibänder zum Fixieren durch eine andere Methode ersetzen. Zur Not kann man die Bündel zusammennähen.
Die Stoffmuster auf den obigen Fotos sind zugegebenermaßen noch nicht optimal gebügelt.

Ich habe bereits eifrig Blätter gesammelt und gepresst - man braucht ja schließlich einen Vorrat - und zu dieser Jahreszeit und im kommenden Herbst findet sich eine Menge an farbkräftigen Pflanzenteilen.

Eine noch offene Frage ist die Farbechtheit. Dazu gibt es in der Literatur diverse Angaben. Licht- und Waschbeständigkeit sind zunächst von der verwendeten Pflanzenart abhängig. Dann sollte man berücksichtigen, dass starke Sonnenbestrahlung die Farben angreifen kann. Konventionelle Waschmittel sind zu vermeiden. India Flint sagt dazu in ihrem Buch, dass alle Farben ausbleichen, auch konventionell gefärbte. Sie steht auf dem Standpunkt, dass die teilweise nachlassene Farbintensität bei diesem Verfahren einfach dazu gehöre und den individuellen Charakter des Eco Prints noch betone. Außerdem könne man ja den Stoff jederzeit noch einmal färben.

Mein Ziel ist, aus schön gefärbten Stoffstücken ein Kleidungsstück zu nähen.

Fortsetzung folgt.









Mittwoch, 5. September 2012

MeMadeMittwoch - Teil 42

Die vielleicht letzten Anstrengungen des Sommers wollen genutzt sein, um noch einmal Sommerkleidung zu tragen. So auch heute (oder ehrlicherweise: gestern).



Ich trage hier einen kurzen, schmalen Rock aus einer naturfarbenen Baumwolle. Wie er zu dem Motiv an der Saumkante gekommen ist, kann man hier nachlesen. Ja, dieser Rock ist ein Dauerbrenner und unverwüstlich; ich habe damit sogar schon Gartenarbeit und Hausputz gemacht. Das Oberteil, ein Shirt aus bedrucktem Baumwolljersey, ist auch einer meiner Favoriten in diesem Bereich. Genäht nach meinem Standard-Shirtschnitt, der immer passt. Die Farbgebung finde ich absolut glücklich, denn das Shirt passt zu schwarz, blau, zur Jeans und - wie man sehen kann - auch zu naturfarbenen Unis. Die reine Baumwolle trägt sich m.E. viel angenehmer als Viskose und selbst ohne Beimischung von Elasthan ist dieses Shirt auch nach vielen Wäschen immer noch formbeständig wie am ersten Tag.

Der Schmuck, den ich dazu trage, habe ich leider nur selbst gekauft (im Urlaub). Ein Ring aus Horn und eine Kette nebst passenden Ohrringen aus Muschel.

Was der MeMadeMittwoch ist, kann man hier nachlesen und alle anderen heutigen Posts aus der Nähgemeinde hier anklicken.
Ein dickes Danke an die MMM-Crew, die sich mit dem Blog viel Arbeit macht. Aber: was wären wir inzwischen ohne?