Dienstag, 3. März 2020

Mein Webrahmen: Ashford Rigid Heddle Loom 60cm

Seit Kurzem bin ich stolze Besitzerin eines Ashford Rigid Heddle Looms in 60cm Webbreite. Und den Standfuß habe ich gleich dazu gekauft, was sich sofort als eine sehr gute Idee erwiesen hat. Der RHL wird mit einem 30/10-Gatterkamm geliefert, 30/10, d.h., auf 10cm kommen 30 Fäden. Damit kommt man nicht weit; deshalb habe ich auch einen 50/10 und 60/10-Kamm gekauft. Der 40/10, den ich am liebsten gehabt hätte, war beim Kauf des Rahmens nicht vorrätig; jetzt konnte ich ihn nachbestellen - er ist jedoch noch unterwegs.


Der Ashford ist ein Bausatz und das Holz (Buche) ist unbehandelt. Also habe ich zunächst die Teile eingeölt und dann zusammengeschraubt. Das Einölen kann ich nur empfehlen, auch für die Optik.


Dann konnte es mit dem ersten Projekt losgehen. Es sollten Küchenhandtücher werden - einfach zu weben und eine gute Übung für kommende Werke, bei denen es mehr auf Gleichmäßigkeit und schöne Ränder ankommt. Ich habe den 50/10-Gatterkamm verwendet.

Indem ich den Rahmen auf dem Standfuß geschickt vor meinen 1,90m langen Zuschneidetisch gestellt habe, konnte ich bei der direkten Schärmethode auf eine Kettfaden-Länge von 2,40m kommen.


Am anderen Ende des Tisches wird genau mittig zum Rahmen der Schärzapfen befestigt und dann darf man zwischen Rahmen und Zapfen hin- und her rennen, bis alle Schlitze am Gatterkamm einen Faden eingezogen haben. Ich erkläre das hier nicht im Detail (wie viele meiner Leser interessieren sich überhaupt dafür?), denn es gibt im Netz genügend Videos dazu.


Jetzt wird das Fadenbündel vom Zapfen abgenommen und die Fäden werden an dieser Stelle durchgeschnitten (kann man aber auch später machen). Ein Helfer - mein Mann - hält die Kette stramm, während ich die Fäden auf dem Kettbaum (vorn im Bild) aufwickele. Um die Lagen der Fäden voneinander zu trennen, muss man Pappstreifen oder Papier mit aufwickeln. Ich habe mir dafür Packpapier in passender Breite zugeschnitten. Mehrere armlange Stücke ließen sich gut handhaben.


Hier sieht man die aufgewickelten Kettfäden. Zunächst sind zwei Fäden in jedem Schlitz; einer wird nun heraus- und in das benachbarte Loch eingezogen. Eine langweilige und etwas mühsame Arbeit, zumal man gut aufpassen muss, dass man kein Loch auslässt oder einen anderen Fehler macht. Ich habe alle paar Zentimeter prüfend nachgesehen und war nach ca. einer Stunde mit insgesamt 300 Fäden fertig. Das geht doch noch!

Nun werden die losen Fadenenden am Warenbaum befestigt; davon habe ich leider kein Foto - vergessen. Aber ich habe ein Bild nachdem ich einige Zentimeter gewebt habe:


Ich habe ein preiswertes Baumwollgarn von Drops in drei Farben verwendet: dunkel-, mittel- und hellblau. Die Streifen am Rand der Kette sind vorgegeben, mit den Schussfäden kann ich variieren. Mein erstes Küchentuch sollte an den beiden Enden die Randstreifen optisch wieder aufnehmen. Dann habe ich schnell gemerkt, dass mir mein hellblaues Garn nicht für ein zweites Tuch im gleichen Muster ausreichen würde. Deshalb habe ich für das zweite Tuch das mittelblaue Garn verwendet und nur alle 10cm einen dünnen dunkelblauen Streifen eingewebt.
So sah mein Gewebe nach dem Abnehmen vom Rahmen aus:


Die nächsten Schritte: durchschneiden, die Schnittkanten sichern und waschen. Halt: zunächst in kaltem Wasser mehrere Stunden einweichen, damit die Fasern sich vollsaugen können. Das vermeidet bleibende Knicke beim späteren Waschen in der Waschmaschine. Das mache ich übrigens bei gekaufter Meterware genau so. Ich habe zunächst bei 30° und dann bei 60° gewaschen.

Das Gewebe ist wie erwartet eingelaufen. Nach dem Abnehmen vom Rahmen war das kleinere Tuch 72,5cm lang, nach der Wäsche nur noch 65,5cm. Das größere Tuch ist von 91cm auf 81cm  geschrumpft. In der Breite habe ich nur 1,5cm verloren. Das ist am Anfang einer "Weblaufbahn" durchaus nützlich zu wissen. Jedes Garn wird sich wieder ein wenig anders verhalten (auch abhängig von der Webart), aber bei Baumwolle ist das ungefähr die Größenordnung.

Nun noch die Säume und die Tücher sind fertig:



Aus der Nähe:



Küchentücher: Das klingt erst einmal so banal - aber ich habe irgendwo bei einer Weberin gelesen, dass wenn man einmal mit selbstgewebten Tüchern angefangen hat, keine gekauften mehr haben möchte. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich das auch so sehen werde.

Sobald das bestellte 40/10-Webblatt da ist, werde ich weitermachen; einen Plan habe ich schon. Ich habe ja auch noch Einiges an selbst pflanzengefärbter Wolle, die ich verweben möchte. Und ich habe aus gutem Grund einen 60cm breiten Rahmen gekauft. Ich möchte zukünftig auch Gewebe für Kleidung machen. Da verbindet sich dann Hobby 1 mit Hobby ... wieviel? Na, mit dem neuesten jedenfalls.

Übrigens: Gekauft habe ich meinen Rahmen und das Zubehör bei Heikes-Handgewebtes. Bei der Suche nach einem Händler bin ich auf diesen Shop gestoßen, der für mich nahe genug war, um selbst hinzufahren und mich persönlich beraten zu lassen. Eine gute Idee, zumal Heike sich viel Zeit genommen und große Mühe gegeben hat. Auch ihre Auswahl an Garnen, natürlich auch und gerade zum Stricken, ist atemberaubend. Bemerkenswert finde ich auch, dass ihre Artikelbeschreibungen im Shop so ausführlich sind, wie ich sie sonst noch nicht gefunden habe. OK, das hört sich natürlich ganz und gar nach Werbung an, aber ich schreibe dies aus Überzeugung und bekommen habe ich auch nichts dafür.

Kommentare:

  1. Sehr faszinierend und auch eine ganz eigene Welt, das Weben. Die gewebten Tücher sehen wunderschön aus - ich wusste ja bis zu den entsprechenden Stoffspielereien nicht, dass man beim Handweben solche Ergebnisse erzielen kann. Ich freue mich auf weitere Bilder und Berichte!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Danke. ich freue mich, wenn ich Interesse wecken konnte. Natürlich wird es in Zukunft mehr Gewebtes auf meinem Blog geben.

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  2. Sehr hübsch geworden! Und ich finde es immer erstaunlich, wie viel Aufwand sowas "banales" wie Küchentücher sind, wenn man sie selbst herstellt. Da kann man erahnen, warum Kleidung früher so ein Luxus war (da kam das Spinnen ja noch hinzu). Aber es ist schön, wenn wir auch Alltägliches wieder mehr würdigen, wenn es selbstgemacht ist. Und wir können die Sachen ganz nach unserem Geschmack gestalten.
    Und ja, ich habe auch handgewebte Küchentücher und möchte keine anderen mehr (auch wenn ich sie mir leider noch nicht selbst weben kann). Sie saugen stärker und fühlen sich einfach besser an, abgesehen davon dass sie hübscher sind als industrielle Massenware.

    LG, Julia

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    1. Der Aufwand ist hauptsächlich die Kette; abgewebt ist das dann recht schnell. Jedenfalls diese Art Tücher mit meinem verwendeten Garn. Danke für dein Interesse.

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  3. Ich habe schon von so manchem Handwerk gelesen und gehört. Aber ich kenne wirklich keine Dame die webt. Ich bin fasziniert.
    Eine fast vergessene Kunst :))
    LG heidi

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    1. Danke. Genau genommen kenne ich auch nur sehr wenige Weberinnen, aber im Netz findet man durchaus Informationen und gute Beispiele, z.B. Bei Ravelry.

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  4. Ich bin beeindruckt! Danke für´s Zeigen
    Liebe Grüße
    Ruth

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  5. Toll, wenn und wie sich die textilen Hobbies verbinden. Eines führt zum Anderen. Danke für den Tipp mit dem stundenlangen Einweichen vor dem Waschen, und Beratung im Laden von Ort kann durch nichts ersetzt werden, finde ich! ICH bin jedenfalls (als eine deiner Leserinnen) sehr interessiert an Deinen Web-Berichten, nur weiter so! Liebe Grüße, Gabi

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  6. Ich hab deinen Artikel gelesen und bin dann gut vorbereitet zu jemandem aufgebrochen, wo ich den gleichen Rahmen (privat) zum 1/2 Preis gekauft habe. Die beiden Zahnräder hat diejenige nicht verschraubt, die Schrauben und Unterlegscheiben fehlen, aber hey, es ist ein Anfang. Als nächstes brauch ich natürlich noch dichtere Webkämme (50/10 und 60/10) und Garn. Das werd ich wohl bei deiner Händlerin holen, weil sie tolle Preise und Versandkosten hat. Zügig sollen dann noch ein Doppelkammhalter und diese tollen Handschützen von Ashford (oder andere vom Flohmarkt) folgen. Uuuh, ich freu mich schon wie doof. So ein Teil wollte ich schon immer haben. Jetzt gilt es noch rauszufinden welche Garne passen, was die Abkürzungen bedeuten bei den Webgarnen und all das neue Vokabular. Sag mal, womit hast Du deinen Rahmen eingeölt? Ich möchte das mit meinem auch machen, denn der ist noch sehr neu und ungeölt.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Schön, dass ich zur Kaufentscheidung beitragen konnte. Ich habe für meinen Rahmen ein Öl verwendet, das im Handel für nicht vorbehandelte Möbel angeboten wird; es hat sich sehr gut geeignet. Wenn du genauere Informationen benötigst, schreibe mir bitte eine Mail.
      Dann wünsche ich dir einen guten Start in die Weberei!

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