Das Thema in diesem Monat lautet: Biesen und Falten. Gabriele hat es vorgeben und sammelt heute auf ihrem Blog "Langer Faden" unsere Beiträge.
Ich habe mir zunächst Colette Wolffs Buch "Manipulating Fabric" zur Hand genommen, aber die entsprechenden Kapitel haben diesmal bei mir keine Idee hervorgebracht, die ich hätte umsetzen wollen. Dann kam ich auf Shibori. Da produziert man zwar keine bleibenden Falten, aber ohne Falten im engeren ode weiteren Sinne geht es dabei nicht. Das war also mein Projekt. Ich habe Vorerfahrung; die letzten Arbeiten liegen jedoch länger zurück - ein guter Grund diese japanische Textiltechnik wieder auszuprobieren.
Exkurs: Was ist Shibori? Hier ist der Wikipedia-Artikel dazu und hier eine Bildergalerie.
Am besten gefallen mir nach wie vor Kreise wie dieser hier, eine Rostfärbung, bestickt und gequiltet, der in meinem Nähzimmer an der Wand hängt:
Beim Stoff musste ich improvisieren, denn ich hatte keinen Baumwollsatin mehr, den ich sehr gern verwendet hätte. Das Material, das ich schließlich genommen habe, war nicht wirklich gut geeignet, weil zu steif.
Ich habe den Stoff zur Hälfte gelegt und eine Halbkreis-Schablone aus Papier geschnitten, auf die ich im 1,5cm Abstand Linien parallel zum Umfang aufgezeichnet habe. Am Papierrand habe ich mir mit einem wasserlöslichen Stift Markierungen auf den Stoff gesetzt.
Dann wurde die erste Reihe in kleinen Vorstichen einmal um den Halbkreis herum genäht. Für die nächsten Schritte bzw. Nähte habe ich jeweils einen Streifen Papier abgeschnitten, so dass mein Papier nach und nach kleiner wurde, bis schließlich der ganze Halbkreis gefüllt war.
Die Stiche sind unregelmäßig lang und haben nicht den gleichen Abstand; das war so gewollt. Den Faden nimmt man doppelt; das ist haltbarer und verhindert ein Reißen, denn nun wird der Stoff mit Hilfe der Fäden zusammengezogen. Am Ende kann man, da man zwei Fäden hat, bequem einen Knoten binden. Ich sehe gerade, dass ich vom zusammengezogenen und ungefärbten Stoff leider kein Foto habe.
Im nächsten Schritt wird der Stoff gefärbt. Die Idee dabei ist, dass durch das Zusammenziehen bzw. -pressen Bereiche entstehen, in die die Farbe nicht eindringen kann. Man nennt das Reservierung. Auf diese Weise entsteht das typische Shibori-Muster.
Ich wollte zwei Farben verwenden, blau und rot, und sie sich am Übergang zu lila verbinden lassen. Und jetzt kommt mein Fehler! Ich habe mir die Arbeitsweise mit Procion Reaktivfarben auf Baumwolle nicht noch einmal durchgelesen und hatte noch das Vorgehen für Wolle im Kopf, das sich in den Vordergrund geschoben hat. Und deshalb habe ich heiß im Topf gefärbt. Kalt wäre richtig gewesen. Zu blöd! Ich sollte meinem Gedächtnis und meinem (angeblichen) Wissen nicht zu sehr vertrauen.
Hier sind ein paar Fotos vom Färben:
Nach dem Färben wird das Werkstück getrocknet und dann dürfen die Fäden herausgezogen werden. Zunächst sieht das noch sehr "plissiert" aus:
Dann wird gebügelt. Die Fotos lassen die Farben kräftiger aussehen, als sie in Wirklichkeit sind.
Man kann sehen, dass auch etwas Farbe in die Reservierungen eingedrungen ist, so dass es hier keine gänzlich ungefärbten Stellen gibt, was für Shibori eigentlich typisch ist. Die Gründe sind wahrscheinlich der weniger gut geeignete Stoff und die falsche Färbemethode.
Jedenfalls bin ich wieder auf Shibori aufmerksam geworden und habe große Lust, demnächst - mit besseren Stoffen und der richtigen Färbemethode - da weiterzumachen. Ich besitze auch zwei sehr gute Bücher zu diesem Thema:
Das Werk von Jane Callender ist sehr umfangreich und man braucht eigentlich kein anderes. Ich kann es empfehlen.
So, ich hoffe, hier waren ausreichend Falten zu sehen, um dem Thema gerecht zu werden ..... Mehr Falten und Biesen gibt es bei Gabriele zu sehen. Sie sammelt heute die Beiträge. Vielen Dank für das Thema und die Anregung. Jetzt brauche ich eigentlich nur noch ein wenig Zeit, um meine Ideen zu realisieren. Aber: Das wird sich finden, denn gerade sehe ich, dass im Mai das Thema "Blau" heißt; da kann ich doch noch einmal Shibori anbringen. Und dann richtig!
Bei den Stoffspielereien kann jeder mitmachen, der zum gestellten Thema etwas Textiles werkeln möchte.
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Die weiteren Termine in diesem Jahr:
- 27.04.2025: „Nadelkissen“ bei feuerwerk by KaZe
- 25.05.2025: „Die Farbe Blau“ bei Stoffnotizen
- 29.06.2025: „Wasser“ bei Siebensachen zum Selbermachen (also bei mir)
- Juli und August: Sommerpause
- 28.09.2025: „Der letzte Schliff“ bei Petersilie und Co
- 26.10.2025: „Applikation“ bei 123-nadelei
- 30.11.2025: „Techniken im Dialog“ bei Tyche
- Dezember: Winterpause