Donnerstag, 3. August 2017

Urlaubsfunde

Der Urlaub, für den ich im letzten Post den Koffer gepackt habe, ging in die Dolomiten.

Auf einer Wanderung um den Peitlerkofel in den Dolomiten machte ich diese Entdeckung am Wegesrand:


Ein Muster aus roten Seilen auf der Wiese?



Aus der Nähe betrachtet erscheinen sie wie in die Erde gestickt. Und tatsächlich: "Stitched Earth". Eine Tafel in der Nähe informiert, um was es sich dabei handelt. Dies ist ein Teil einer Ausstellung an verschiedenen Orten in zwei Gemeinden der Dolomiten, für die neun Künstler ihre Werke mit und in der Natur realisiert haben. Die Homepage des Projekts erklärt die Idee und die Thematik.
Hier hat Ilyn Wong natürlich gefärbte Wollfäden in den Boden gestickt und hat sich für ihre geometrischen Motive von den traditionellen Mustern der Textilen der Alpen inspirieren lassen. Sie verbindet so Kunsthandwerk mit zeitgenössischer Kunst; die Wollfäden treten in einen Dialog mit den Grashalmen und ihre rote Farbe fügt sich in das Farbspiel der blühenden Wiesen ein.* Für mich ein sehr gelungenes Kunstwerk, das mich sofort angesprochen hat. Mich hätte auch interessiert, wie das Werk rein technisch realisiert worden ist, aber darüber verrät auch das kleine Video, in dem die Künstlerin ihr Werk erläutert nichts.

Eine weitere Kunst-Begegnung, die sich mit meinen Hobby-Interessen verbindet, hatte ich in Klausen bei Bozen. In einer kleinen Kirche wurden Siebdrucke der Berliner Künstlerin Jördis Hirsch ausgestellt.



Sie war eine Beitragende des Projekts "kunst boden nah" im Stadtraum Klausen, wo Künstler leerstehende Räumlichkeiten für ihre Projekte zur Verfügung gestellt bekommen haben. Jördis Hirsch hat sich ihren Ausstellungsraum, die Kirche, mit einer Malerin und einem Tonkünstler geteilt.



Die Künstlerin hat für ihre vor Ort gearbeiteten Siebdrucke Pflanzen und Erden aus der Umgebung gesammelt, Gemüse auf dem lokalen Bauernmarkt gekauft und Schlamm vom Ufer eines Baches geholt und alles zu druckfähigen Pasten verarbeitet. Zu ihren Motiven hat sie sich durch ihre Eindrücke in Klausen und Umgebung inspirieren lassen. Hier finden sich noch weitergehende Informationen und Fotos.

Mehr textile Urlaubsfunde demnächst!

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* sinngemäß zitiert von der Homepage des Kunstprojekts.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Me Made Mittwoch: Der Urlaubskoffer

Seit einigen Jahres schon heißt das Motto am letzten Me Made Mittwoch-Termin vor der Sommerpause: Ich packe meinen Koffer. Wir, die HobbyschneiderInnen, sind aufgerufen zu zeigen, welche Kleidung wir in den Urlaub mitnehmen.

Doch bevor ich darauf eingehe, ist dies für mich der geeignete Zeitpunkt, um mich für die vielen netten Kommentare aus den letzten Wochen und Monaten zu bedanken. Jedes Feedback hat mich gefreut. Danke vielmals.

Ich habe es tatsächlich geschafft, mir rechtzeitig Gedanken über meine Urlaubsbekleidung zu machen. Erfreut konnte ich feststellen, dass es kaum Bedarf an neuen Kleidungsstücken für unser Reiseziel gab. Somit hatte ich in der letzten Zeit Raum für "Spaßnähen" statt "Paniknähen". Angenehm.

Das wichtigste selbstgenähte Kleidungsstück für den Urlaub war eine kurze Wanderhose. Für sie habe ich den Schnitt meiner langen Wanderhose einfach gekürzt. Der Stoff, eine Baumwolle mit satinartig glatter Oberfläche, war so gut und willig zu verarbeiten, dass ich seitlich rechts eine aufgesetzte Tasche mit Klappe und links eine Zippertasche eingebaut habe. Wenn man die Fotos durch Anklicken vergrößert, kann man diese Details wahrscheinlich erkennen.



Wenn man beim Link für die Wanderhose ein wenig runterscrollt, sieht man den Maxirock, den ich inzwischen recht gern mag - er darf auch auf diese Reise mit.

Da ich an unserem Urlaubsziel mit warmem Sommerwetter rechnen kann, werde ich viel Ärmelloses einpacken: eins oder zwei Shiftkleider, natürlich das neue Kleid mit dem Bindeband vorn und Tops wie das kürzlich gezeigte mit dem Dschungelmuster in Blau nebst neuem Jeansrock. Das Top habe ich inzwischen noch einmal genäht, auch wieder aus einem Rest. Wahrscheinlich habe ich nach der Reise ein Foto davon.

Es gibt aber noch mehr Selbstgenähtes im Koffer: Die Urlaubshemden meines Mannes, die ich vor rund fünf Jahren einmal als legere Bekleidung für eine Südfrankreich-Reise genäht habe. Und ein ganz neues Kurzarmhemd aus einem tollen Leinen-Viskose-Stoff von Florence (hier zu betrachten, solange es den Stoff noch gibt).


Auf dem oberen Foto kann man erkennen, dass das Hemd bereits getragen wurde. Wegen der schönen Materialmischung trägt es sich sehr angenehm (sagt hubby) knittert aber weniger als reines Leinen.

Wenn ich jetzt meinen/unseren Koffer wirklich packe, habe ich wahrscheinlich dieses Kleid an,

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das in dieser Saison zu einem Zuhause-Wohlfühl-Kleid geworden ist. Es gibt es auch noch einmal in rot, ebenfalls aus einem Baumwollpikée, hier im Blog vor fast genau zwei Jahren gezeigt (incl. Info zum Schnitt).

Natürlich überlegt man sich auch, was man auf die Reise selbst anziehen wird. Bei uns wird es eine Autofahrt sein und ich denke an diese Kombination (schnell fürs Foto übergeworfen und deshalb vergessen zwei Knöpfe zu schließen ...):

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Das ist der sandfarbene Rock, den ich hier bereits einmal gezeigt habe und der nach dem gleichen Schnitt entstanden ist wie der neue Jeansrock (besser gesagt: umgekehrt) - siehe oben. Die Bluse war bisher hier im Blog noch nicht zu sehen; sie hat einen nähtechnischen Mangel, der auf diesem Foto nicht auffällt und den ich auch weitestgehend ignorieren kann. Deshalb werde ich sie auch tragen.

Jetzt wünsche ich allen, die demnächst starten, eine sichere Reise in einen tollen Urlaub. Alle, die schon verreist waren, können noch einmal in Gedanken dahin zurückkehren und allen, die (im Moment) nicht verreisen, wünsche ich eine sehr schöne Zeit zuhause.

Ein ganz großes Dankeschön an die Organisatorinnen des MMM, ohne den die Nähgemeinde nicht mehr denkbar wäre, oder?

Wir sehen uns im September!

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* Sind irgendwem diese silberfarbenen Schuhe aufgefallen? Meine neuen "Hausschlappen" - Ich finde sie cool (obwohl ich sonst keinen Glitzer mag); hubby findet sie schrecklich ...

Mittwoch, 21. Juni 2017

Me Made Mittwoch: kurzer Jeansrock und ärmellose Bluse

Dieser Tage sind zwei neue Kleidungsstücke fertig geworden: ein kurzer Jeansrock und eine kurze ärmellose Bluse.




Der Rock ersetzt ein in die Jahre gekommenes Teil, das ich praktisch 1:1 ersetzt habe, nur der hellblaue Jeansstoff ist ein wenig dünner. Das ist im Sommer ohnehin angenehmer. Den Schnitt habe ich aus meinem Standardschnitt für einen kurzen, schmalen Rock entwickelt, indem ich die Abnäher vorn und hinten bis zum Saum durchgeschnitten habe. Die vordere mittlere Rockbahn ist noch einmal geteilt, so dass ich insgesamt neun Bahnen bekommen habe - egal, wer zählt das schon? So habe ich das schon einmal genäht; da ist es ein sandfarbener Rock geworden, den ich ziemlich genau vor zwei Jahren einmal beim MMM gezeigt habe. Auch bei dem neuen Rock sind wieder die Nähte doppelt abgesteppt, das habe ich gern so.



Die Bluse ist aus einem Rest entstanden, der von einer anderen Bluse übrig geblieben war, die ich als nicht besonders gelungen knapp vor der Fertigstellung wieder verworfen habe. Ich muss mal schauen, ob sie noch in einer meiner UFO-Kartons ist. Das Material ist eine Baumwolle mit Metallfäden, die aber offenbar so spärlich eingewebt sind, dass der Memory-Effekt, den sie bewirken sollen, kaum spürbar ist. Aber Farbe und Muster des Stoffs gefallen mir, deshalb war ich froh, dass die Restmenge noch für diese Bluse gerade so ausgereicht hat. Den Schnitt habe ich von einem Shiftkleid abgenommen. Hier habe ich also ein Kleiderschnitt für eine Bluse verwendet, wohingegen ich letzte Woche aus einem Blusenschnitt ein Kleid gemacht habe. Das Original-Shiftkleid ist hier mehrfach zu sehen und hier bereits einmal gekürzt als Top, jedoch noch ohne Knopfleiste. Eine Knopfleiste anzuzeichnen und einen Beleg als separates Teil ist ja für uns Hobbyschneiderinnen nicht schwer. Inzwischen ist ein zweites Top in der gleichen Art in Arbeit, ebenfalls aus einem Rest. Also: Reste verbraucht, keinen Euro ausgegeben (die Perlmuttknöpfe waren aus dem Vorrat und somit lange bezahlt...) und zwei neue Kleidungsstücke erhalten. Ist doch nicht schlecht!

Nun verweise ich noch auf den Me Made Mittwoch-Blog, wo wieder selbst gefertigte Damenbekleidung gezeigt wird.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Me Made Mittwoch: Bluse wird zum Kleid

Ich glaube, ich habe einen neuen Lieblings-Schnitt für ein Sommerkleid. Der Schnitt war ursprünglich eine Bluse, die ich zum Kleid verlängert habe. Ich spreche von Modell 110 aus der Maiausgabe von burdastyle.
Das Blusenmodell hat mich im Heft gleich angesprochen und als ich gesehen habe, dass der Schnitt im Rücken durch die Teilungsnähte eher figurnah ausfällt, vorn aber eine bequeme Weite aufweist, die durch ein Bindeband individuell reguliert werden kann, habe ich sogleich aus einem Stoffrest ein  Probemodell genäht. Test bestanden - mit Bravour! Noch beim Nähen kam mir der Gedanke, diesen Blusenschnitt zum Kleid zu verlängern. Und bevor ich eine "richtige" Bluse genäht habe, ist das Kleid entstanden. Einen Stoff hatte ich im Haus: eine weiche Baumwolle mit einem blauen ich-weiß-nicht-wie-ich-es-beschreiben-soll Muster und gutem Fall. Ursprünglich gekauft für ein Herrenhemd, aber für diesen Zweck als zu weich befunden.




Der Stoff hat sogar zwei schöne Seiten (siehe folgende Fotos) und ich musste mich schließlich für eine entscheiden. Als das Kleid fast fertig war, hatte ich doch Bedenken, dass es etwas langweilig aussehen könnte. Die Kanten kontrastfarbig absteppen? Vielleicht in rot? Ja, aber nicht absteppen, sondern mit der Hand besticken!
Das habe ich in dieser Form noch nie gemacht - dieses Kleid war eine gute Gelegenheit, das einmal zu probieren.
Et voilà:



Ich habe mehrere Stiche ausprobiert und mich schließlich für einen einfachen Vorstich entschieden, sozusagen nach Sashiko-Art, denn die Abstände zwischen den Stichen sind kürzer als die Stiche. Als "Hilfslinie" habe ich mit einem extra lang eingestellten Maschinenstich einmal an den Kanten dort entlanggesteppt, wo danach die Handstickerei verlaufen sollte.
Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn ich bis zuletzt überlegt habe, ob die Stickerei nicht noch etwas auffälliger sein sollte, etwa so wie hier getestet:


Auf diesem Foto ist das Muster, das sich nicht gut fotografieren lässt, noch am besten zu erkennen.

Aber auf jeden Fall sollte ich rote Accessoires dazu kombinieren, wie in den Fotos zu sehen, nur: Es fehlen mir noch rote Schuhe!
Ach ja, ich habe die Rückenpartie des Kleides so gelobt - hier:


Schön, dass ich die Gelegenheit habe, dieses Kleid beim Me Made Mittwoch zu zeigen. Vielleicht kommt ja noch die eine oder andere Hobbynäherin auf den Geschmack. Ich kann den Schnitt jedenfalls sehr empfehlen.

Freitag, 2. Juni 2017

Ausstellung "Divine x Design", Glyptothek München

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, bei einem Besuch in München die Ausstellung "Divine x Design - Das Kleid der Antike" in der Glyptothek zu besuchen.


Diese Sonderschau wurde zusammen mit Studierenden der AMD - Akademie Mode & Design verwirklicht.



Die jungen Gestalter der Akademie haben sich von den antiken griechischen Vorbildern, d. h. von einzelnen, ausgewählten Skulpturen der Glyptothek inspirieren und begeistern lassen. Dabei haben sie sich unter anderem mit der Frage auseinandergesetzt, welches Aussehen, welche Funktion und welchen gesellschaftlichen Stellenwert Kleidung im antiken Griechenland hatten und wie diese Vorstellungen im Laufe der Jahrhunderte in unsere heutige Zeit tradiert wurden und werden.

Wenn das Hauptmerkmal der antiken griechischen Kleidung die Drapage in Form von gefalteten, gelegten, geklammerten, geknöpften oder nur einfach um den Körper geschlungenen Stoffbahnen ist, dann galt es für die Studenten, den Bezug zur heutigen, modernen Bekleidung herzustellen, die auf raffinierte Schnittführung zurückgreifen kann.*



In der Ausstellung steht jedes neue Design neben dem antiken Vorbild und auf einer Schautafel werden Referenzen zu weiteren "Kunst"-werken oder -strömungen angegeben, z.B. tauchen da Lara Croft, Matrix Reloaded, Astronautenanzug und der Russische Konstruktivismus auf. Ebenso gibt es Angaben zu Thema, Bearbeitung, Gestaltung und Material. Auf diese Weise sind Vorbild, Inspirationen, Idee und Arbeitsweisen, die jedem Ausstellungsstück zu Grunde liegen, sehr gut nachvollziehbar.



Der sehr ansprechend gestaltete Katalog fächert diese Aspekte noch breiter auf und liefert ausführliche Hintergrundinformationen, wie ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis beweist:



Und wer sich für schneidertechnische Details interessiert (wie ich), bekommt zumindest für einige Modelle recht ausführliche Angaben, nach denen man das gezeigte Gewand sogar nachbauen könnte.



Die Gewänder hängen in der Ausstellung auf Puppen, im Katalog kann man sie an Models bewundern, was den Gesamteindruck vertieft.




Die Ausstellung dauert noch bis zum 8. Oktober. Ich kann sie nur wärmsten empfehlen ebenso den Kauf des Katalogs.

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* sinngemäß zitiert aus dem Ausstellungskatalog ISBN 978-3-945751-5


Mittwoch, 24. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Poloshirt mit weißer Hose

Beim Me Made Mittwoch zeigen näh- und handarbeitsbegeisterte Menschen ihre Kleidungsstücke und verlinken sie hier. Dabei sind sog. "Tragefotos" erwünscht, also angezogen, nicht nur die Bluse auf dem Kleiderbügel oder die Jacke auf der Puppe.
Also, hier meine Bekleidung von gestern:

( ... wirklich nur aus Versehen mit "Merkel-Raute"...)

Wobei ich einräumen muss, dass ich beim Hausputz und bei der Gartenarbeit anders angezogen war. Der Tag gestern war halt mit verschiedenen Tätigkeiten angefüllt. Übrigens: Bei "schmutzigen" Arbeiten trage ich auch oft Selbstgenähtes, das ich ausgemustert habe, aber zum Wegtun noch zu schade wäre. Aber das nur nebenbei.

Im Foto oben trage ich die weiße Jeans, die ich hier bereits vorgestellt hatte. Das Poloshirt ist neu; im sehr zeitigen Frühjahr entstanden, als an kurze Ärmel noch gar nicht zu denken war. Der gemusterte Jersey hatte mir spontan gefallen, eine Baumwolle mit kleinem Elasthananteil von Karstadt.


Und da ich endlich einmal ein Poloshirt nähen wollte, habe ich Ausschnitt und Unterkragen mit einfarbig dunkelblauem Jersey abgesetzt. Diese kleinen Mengen hatte ich in meiner Restekiste. Dass die Ärmel am Saum ebenfalls einfarbig abgesetzt sind, haben sie nur dem Umstand zu verdanken, dass mir die Ärmel sonst zu kurz gewesen wären. Dabei hatte ich sie am Schnittmuster bereits verlängert. So habe ich die vorgesehenen 4cm Saum fast ganz dem Ärmel zugeschlagen und so knapp wie möglich diesen kleinen Bund angenäht.




So ganz kann ich den Gedanken, dass das Poloshirt ein wenig bieder aussieht, nicht vertreiben. Aber ich denke, zusammen mit der weißen Jeans geht das.

Nun noch die Angaben zum Schnitt:
Shirt: burdastyle 04-2010-113
Da ich die Passform für mich ziemlich gelungen finde (genau die richtige Weite, auch bei den Armlöchern), verwende ich das Basis-Schnittmuster inzwischen auch für andere Shirts.
Hose: burdastyle  04-2010-120 (ach, das selbe Heft!)
Klassischer 5-Pocket-Jeansschnitt, mittlerweile mehrfach genäht.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Neuer Rock mit alter Jacke

Beim Me Made Mittwoch zeigen Hobbyschneiderinnen ihre selbstgenähte Kleidung, wie sie im Alltag (und natürlich auch bei besonderen Gelegenheiten) getragen wird.

Das war meine Kleidung vom Montag:



Der Rock ist neu; kurz und schmerzlos genäht nach meinem vielfach benutzen Schnitt. Er ist ungefüttert, was sich inzwischen als weniger gute Idee herausgestellt hat. Ich denke, ich werde noch nachträglich ein Futter einnähen.
Die "schwarze Masse" im oberen Bereich besteht aus einem selbstgenähten Kurzarm-Shirt aus Jersey - unspektakulär, deshalb gehe ich nicht näher darauf ein. Und einer Leinenjacke, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Für diese Jacke hatte ich einen Super-Stoff erwischt: mittlere Stärke, aber wunderbar weich und mit einem sanften Glanz (Pavani). Der Schnitt: burdastyle 07-2008-112.
Auf dem folgenden Foto kann man dann auch etwas erkennen:


Die Kanten von Kragen und Taschenklappen haben eine flache Paspel aus schwarzer Dupionseide und der Gürtel, der sich vorn durch zwei breite und hinten durch einen sehr breiten Tunnel zieht, ist ebenfalls aus dieser Seide. Die Knöpfe sind noch speziell: Kann man das erkennen? Sie haben vier Löcher in einer Reihe.
Aus diesem Stoff habe ich noch einen kurzen und einen wadenlangen Rock, die ich jedoch nur selten trage; warum eigentlich?
Am Montag habe ich noch diese Kombination ausprobiert:



Die olivgrüne Leinenjacke könnte man kennen, nämlich von hier. Ehrlich gesagt, habe ich den Rockstoff nur gekauft, weil mir im Geschäft sofort die Kombination zu dieser Jacke in den Sinn kam.  Und dann habe ich gleich soviel mitgenommen, dass ich noch eine Jacke nach diesem (oder einem anderen) Schnitt nähen könnte. Nur, oben und unten bunt gemustert ist wahrscheinlich ein bisschen viel. Aber es gibt ja noch mehr Kombinationsmöglichkeiten.

Der Schal war eigentlich nur Deko fürs Foto; natürlich ist er selbst gestrickt und sieht so aus:


Die Farbe ist ein dunkleres Olivgrün. Die Wolle habe ich mit Blutpflaumenblättern selbst gefärbt (hier habe ich Ende 2013 darüber berichtet). Das Strickmuster ist "Upstairs". Vielen Dank, dass es kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

So, ich glaube, es ist alles gesagt für heute und ich übergebe an den MMM-Blog, wo auch heute wieder viel selbstgefertigte Kleidung zu sehen ist. Danke für die Organisation.

Nur für die Qualität der heutigen Fotos bitte ich um Nachsicht und hoffe, dass die nächsten wieder besser gelingen.



Mittwoch, 10. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Neue Hemdbluse in Braun-Blau

Das war jetzt konsequent: Eine Hemdbluse habe ich ausgemustert, da sie abgetragen und löchrig war, eine neue habe ich genäht - aus einem Stoff vom Stofflager (reine Baumwolle, beim Holl. Stoffmarkt gekauft).




Der Schnitt ist wieder aus der Ottobre 5/2012 Modell 7. Diesen Schnitt habe ich bereits einmal für eine karierte Flanellbluse verwendet und für gut befunden. Diese zweite Bluse hat natürlich keine Quernaht im Vorderteil; das war hier überflüssig.
Aber sie hat eine andere Besonderheit: Die inneren Knopfleisten und Manschetten, der Unterkragen und der innere Kragensteg sind aus einem einfarbig dunkelblauen Stoff gefertigt.



Beim Zusammensetzen des Kragens muss man sich gut überlegen, welche Stoffseite nach außen und welche nach innen kommt. Das hatte ich wohl nicht ausreichend gründlich gemacht, denn nach dem Annähen an die Bluse war plötzlich der einfarbige Kragen außen! Blöd. Alles wieder abtrennen? Nein! Ich habe vorsichtig die Verbindungsnaht von Kragen und Steg getrennt, den Kragen umgedreht wieder in die Öffnung geschoben, sorgfältig geheftet und die Stegkanten mit dem Kragen dazwischen ganz schmal wieder aufeinander gesteppt. Hat geklappt. Fehler behoben und wieder was dazu gelernt.

Zur Bluse trage ich eine selbstgenähte Hose aus einem dunkelblauen Baumwoll-Denim nach burdastayle 04-2010-120. Der Schnitt hat sich bewährt und ich habe ihn schon vielfach genäht.

Auch die Kette ist selbstgemacht. Sie besteht aus blauen und braunen Keramikscheiben, die auf ein schwarzes Baumwollband gefädelt sind. Das ist eine ganz frühe Arbeit aus einem Anfänger-Keramikkurs. Ich trage sie selten, da sie farblich nie so recht passt - aber zu dieser Bluse gefällt sie mir gut.



Mehr selbstgemachte Kleidung gibt es auf dem Me Made Mittwoch-Blog zu sehen.


Mittwoch, 3. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Vom Mantel zum Kostüm

Wenn ich hochwertige Stoffe kaufe, hebe ich mir die Rechnungen auf. Bei zumindest zweien meiner bevorzugten Händler (Pavani und Florence) finden sich nämlich auf der Quittung auch Angaben über die Stoffzusammensetzung und die empfohlene Pflege. Das kann später mal nützlich sein.

Im aktuellen Fall habe ich der abgehefteten Rechnung das Kaufdatum des Stoffs entnehmen können: 2008. Den vor neun Jahren gekauften Stoff - ein mittleres Bicolor-Leinen, kobaltblau-schwarz garngefärbt - habe ich damals (zeitnah) zu einem teilgefütterten Mantel verarbeitet. So richtig gemocht habe ich das Kleidungsstück offenbar nicht, denn ich habe es im Laufe der Jahre kaum getragen. Vielleicht auch, weil der Mantel ziemlich lang geraten war. Kürzen, wie hier an einem Wollmantel erfolgreich praktiziert, wollte ich den Leinenmantel nicht. Dann habe ich ein ca. 70 cm langes Reststück des Leinens in einer Kiste gefunden und so langsam ist eine brauchbare Idee gereift. Ich hatte ja das olivgrüne Leinenjäckchen, das nicht lange zuvor entstanden ist, noch gut in Erinnerung.

Ich habe den Mantel komplett zerlegt und alle brauchbaren Teile herausfiletiert. Günstigerweise hatte der Mantel praktisch keine Teilungsnähte, so dass diese Stücke plus der Rest ausreichend waren, um ein kleines Kostüm zu nähen. Die Jacke - gleicher Schnitt wie die olivgrüne - entstand aus den Mantelfragmenten, der Rest ergab einen kurzen, schmalen Rock. Gepokert hatte ich bei den Ärmeln: Meine Hoffnung, dass ich sie wie sie waren wiederverwenden konnte, hat sich schließlich erfüllt. Ich habe nur die Armkugeln etwas abgeflacht, dann passten sie.

Lange Rede - jetzt kommt das Foto:

aufgenommen am letzten Sonntag bei einem Jazzkonzert* im Ernst-Leitz-Saal in Wetzlar

Die Jacke ist wieder ungefüttert. Damit sie auch innen einigermaßen schön aussieht, ohne dass ich die Nahtzugaben einfassen muss, habe ich sie auf die halbe Breite nach links gebügelt und abgenäht. Damit verschwindet optisch die Overlocknaht. Auch bei den Innenkanten des Besatzes bin ich so verfahren. Schnell und gut:


Die Saumzugabe habe ich mit (gekauft, aber aus dem Vorrat) Schrägband eingefasst und dieses mit der Hand angenäht.



Den Rock, schnell und gelingsicher genäht nach meinem vielfach bewährten Schnitt, habe ich gefüttert. Einen ausreichenden Rest in schwarz hatte ich in der Kiste mit den Futterstoffen.

Letztlich habe ich nur einen einzelnen schwarzen Knopf gekauft. Die Mantelknöpfe hatten eine andere Farbe, die ich hier nicht haben wollte: Schwarz musste es sein.

Fazit: So mag ich Stoff-Recycling!

Auch heute reihe ich mich wieder in die Parade der Hobbyschneiderinnen ein, die auf dem MMM-Blog ihre selbstgemachte Kleidung zeigen.
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* Das Quartett ist sehr zu empfehlen!


Sonntag, 30. April 2017

Stoffspielereien im April 2017: Alte Techniken

Das vorgegebene Thema für die Stoffspielereien im April 2017 heißt: seltene Techniken.
Das ist bei mir: Jogakbo oder Pojagi.



Zwei Begriffe für die selbe Technik, die aus Korea stammt. Ich hatte noch nie etwas davon gehört bis ich vor einiger Zeit mal in Gabis Blog "made with Blümchen"über diese Namen gestolpert bin und ich konnte gleich ihre Erfahrung bestätigen: Einmal Bilder im Netz aufgerufen, kann man Stunden damit verbringen, sie zu betrachten.

Häufig wird diese Art von einlagigem Patchwork mit halbtransparentem Stoff für Gardinen verwendet (haben mir viele Fotos verraten) und da ich gern neue Gardinen fürs Schlafzimmer hätte, stand der Plan schnell fest: Pojagi-Gardinen aus Ramie in zwei Farben mit dazwischen gestreuten Siebdruckmotiven. Für das Fenster wird es drei Panels geben, in dem jeweils ein Pojagi-Streifen von zwei durchgehenden und ungepatchten Stoffstreifen eingerahmt wird.

Wie macht man Pojagi bzw. Jogakba? Man näht wie beim Patchwork einzelne Stoffstücke aneinander. Da jeweils zwei Nähte für eine Verbindung gemacht werden, sind, ähnlich wie bei einer Kappnaht, beide Stoffseiten sauber. Das ist hier wichtig, denn Pojagi besteht nur aus einer Stofflage. Bei diesen "Kappnähten" liegen vier Stofflagen übereinander, was dem Ganzen die Optik von Tiffany- Glaskunst gibt. Traditionell näht man mit der Hand; das habe ich sofort für mich verworfen, denn das würde bei mir eine Ewigkeit dauern. Aber es gibt auch Anleitungen für das Nähen mit der Maschine: hier und hier.

Mein Stoff ist ein halbtransparenter Ramie, den ich bei Pavani gefunden habe. Weiß und hellgrau hat für mein Vorhaben genau gepasst. Ich hatte zunächst verschiedene Blöcke entworfen, die ich zu einem langen Streifen zusammen nähen wollte, habe aber dann nach den ersten Nähten festgestellt, dass exaktes, millimetergenaues Nähen wichtig ist und ich mir das Ganze nur erschwere, wenn ich meine vorgegebenen Maße einhalten will. Also habe ich nur die grobe Aufteilung geplant und die einzelnen Stücke mehr nach Optik aneinander genäht.

Nach ein paar Probenähten hat sich bei mir folgende Vorgehensweise - basierend auf den oben verlinkten Anleitungen - herauskristallisiert:

  • Beim geraden Ausrichten der Stoffkante hilft mir mein Patchworklineal, das ich an die Kante anlege.
  • Da das zweite, oben liegende Stoffstück genau 1cm eingerückt werden muss, markiere ich mir diese Linie, in dem ich - wieder mit Hilfe des PW-Lineals - mit dem Falzbein eine Linie in den Stoff drücke. Das geht schneller als eine Markierung mit dem Stift und ist auf jeden Fall hinterher unsichtbar.
  • Beim Annähen weiterer Teile messe ich ab einer bereits existierenden Naht, das wird genauer.
  • Da sich Vorder- und Rückseite des Werkstücks darin unterscheiden, dass einmal eine und einmal zwei Nähte zu sehen sind, muss man beim weiteren Annähen von Teilen beachten, dass beim unten liegenden Teil die 1-Naht-Seite oben liegt, beim oberen Teil die 2-Naht-Seite.
  • Per Definition ist die Seite mit einer Naht die rechte.






Meine Siebdruckmaotive sehen so aus:


Ob ich die mehrfarbigen Drucke verwenden werde ist noch nicht entschieden. Bisher habe ich nur zwei eingearbeitet, die hellgrau ausfallen.
Soweit bin ich bis heute gekommen:


Im Detail:



Das Stück ist jetzt 92cm lang; ein wenig länger muss es noch werden, bevor ich die geraden Bahnen annähen und die Gesamtwirkung beurteilen kann. Ich werde über den Fortgang der Arbeit berichten.

Heute werden die Stoffspielereien von Suschna gesammelt (hier klicken für die Übersicht). Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Beiträge.