Montag, 16. Oktober 2017

Herbstjacken Knit Along, Teil 1

Monikas Herbstjacken Knit Along (Ankündigung hier) kommt mir gerade recht, hatte ich doch gerade ein ebensolches Projekt begonnen. Genau genommen bin ich ja deshalb eine Spät- oder Quereinsteigern, denn Modell und Garn waren bei mir schon vorhanden und die ersten Reihen waren bereits gestrickt.



Was habe ich vor?
Ich stricke den Cardigan Agata von Leah Chapman, ein kostenloses Modell auf der Seite von knitty.com. Allerdings nicht genau so, wie er dort beschrieben ist, sondern mit meiner persönlichen Abwandlung. Das betrifft das Garn und einige Details.
Garn: Ich verwende kein Verlaufsgarn, sondern verschiedene Farben meiner eigenen Pflanzenfärbungen auf Sockenwolle. Inzwischen ist Indigo dazu gekommen! Über diese erste Indigo-Färbung werde ich demnächst noch gesondert bloggen. Ich habe für den Cardigan drei verschiedene Blautöne und je zwei Farbtöne von Catechu, Sandelholz und roten Zwiebelschalen zur Verfügung.



Details: Das rückwärtige Mittelteil des Cardigans stricke ich im Perlmuster statt kraus rechts und die Ärmel werde ich auch etwas anders gestalten. Aber soweit bin ich lange noch nicht. Da ich mir auch nicht sicher bin, ob ich Monikas Termin für die fertige Jacke werde einhalten können, bin ich ganz froh, dass ich durch meinen vorzeitigen Beginn einen  kleinen Vorsprung habe.

Ich habe mir Wolle und Strickzeug mit in den Urlaub genommen, aber soll ich mich beklagen, dass bisher das Wetter so genial gut ist, dass ich kaum zum Stricken komme? So weit bin ich jetzt:


Das mittlere Rückenteil ist fertig und ich habe begonnen, seitlich anzustricken. Das Aufnehmen der Maschen am Rand ist mir erstaunlich gut gelungen, obwohl ich das ewig nicht mehr gemacht habe. Abweichend von der Anleitung stricke ich am unteren Rand ein Bündchen im Perlmuster, um ein Einrollen der glatt rechts gestrickten Partie zu vermeiden. Den Tipp habe ich bei einem der Erfahrungsberichte auf ravelry gefunden.
Beim nächsten Treffen auf Monikas Blog werde ich dann hoffentlich zeigen können, wie die Seitenpartie und das Vorderteil farblich ausschauen werden. Ich bin selbst gespannt, denn insgesamt wird meine Jacke deutlich anders aussehen als die Vorlage.

Fehlt noch, diesen Post bei Monika zu verlinken, wo im Moment eigentlich erst die Vorstellung von Wolle und Anleitung dran ist, aber auch die Gastgeberin ist schon weiter, wie man sehen kann.




Sonntag, 24. September 2017

Stoffspielereien im September 2017

Herzlich Willkommen zu den Stoffspielereien, für die ich heute Gastgeberin sein darf. Das ausgegebene Thema ist:
Von der Natur inspiriert

Das Thema ist weit gefasst und ich kann mir vorstellen, dass da viele verschiedene Ideen textile Gestalt angenommen haben. Alle Beiträge der Mitmacherinnen werde ich hier verlinken; die "üblichen Verdächtigen" habe ich wahrscheinlich im Blick, darüber hinaus bitte in den Kommentaren melden, dann verlinke ich auch euch.

Die Liste der Mitspielerinnen befindet sich am Ende dieses Posts. Ich werde sie im Laufe des Tages  ergänzen; möglicherweise, wegen eines Ausflugs, erst am Spätnachmittag.

Ich habe mich von der Natur zu Eco Print inspirieren lassen, ein Färbeverfahren, das ich schon vor einigen Jahren für mich entdeckt hatte. Im Laufe der Zeit habe ich weiter experimentiert, verschiedene Materialien, Pflanzenteile und Beizen ausprobiert und schließlich im Frühjahr diesen Jahres auch einen Kurs besucht, über den ich im Blog berichtet hatte.



Nun sollte ich aber kurz erklären, was Eco Print eigentlich ist. Es handelt sich um eine Kontaktfärbung, bei der Pflanzenteile auf (meistens) gebeizte Naturfaserstoffe aufgelegt und dann straff eingewickelt werden. Die so gepressten und fixierten Bündel werden auf Wasserdampf gedämpft, was die Farben des Pflanzenmaterials auf den Stoff überträgt. Das Verfahren sorgt auch dafür, dass die Färbung dauerhaft auf dem Gewebe fixiert wird.
Diese Technik ist nicht neu, aber erst die australische Künstlerin India Flint hat das Verfahren Eco Print genannt und populär gemacht.

Bisher hatte ich Schals und verschiedene Stoffstücke aus Baumwolle, Wolle und Seide mit Pflanzen bedruckt. Für meinen Eco Print, den ich heute zeigen möchte, habe ich erstmals fertige, gekaufte T-Shirts verwendet. Aufhänger war ein weißes Shirt, bei dem ich nach dem Kauf und ohne Chance auf eine Reklamation ein kleines Loch im oberen Rückenteil entdeckt hatte. Dieses Shirt wollte ich für mein Experiment verwenden, in der Hoffnung, dass mein Print so ausfällt, dass das Loch (evtl. gestopft) nicht mehr auffällt.

Zunächst habe ich das Shirt mit Eisen-und Kupfersulfat gebeizt. Kleinste Mengen sind da ausreichend: jeweils 1% vom Stoffgewicht. Dann habe ich das Shirt an den Seiten- und Ärmelnähten auseinander geschnitten, damit ich es in einer Lage flach auslegen konnte.


Dann habe ich Vorder-und Rückenteil zunächst zur Hälfte mit Blättern belegt, einen Bogen Backpapier als Trennung darauf gelegt, wieder Blätter  ausgelegt und die zweite Hälfte des Shirts darauf geklappt. Das sah dann so aus:


Die offenen Ärmel liegen links und rechts oben sieht man das Plastikrohr, auf das das Shirt jetzt gewickelt worden ist. Fixiert und verschnürt habe ich das Bündel mit schmalen Stoffstreifen.


Die Ärmel liegen locker außerhalb der Rolle.
Dann habe ich das Bündel ca. 45 Minuten über Wasserdampf gedämpft. Ich lasse gern meine Eco Prints langsam, meist über Nacht, in einer Plastiktüte auskühlen, bevor ich sie dann auswickele. Das ist der spannende Moment. Was hat mir die Natur auf den Stoff gedruckt?



Wer erkennt die verwendeten Blätter? Am markantesten ist der Ahorn (die Sorte mit der roten Unterseite), das leicht Bläuliche sind Blutpflaumenblätter. Und hinten:


Die großen Abdrücke oben sind Bergenienblätter, oben rechts Rosenblätter und weiter unten Walnussblätter.
Dann habe ich in einem zweiten Färbedurchgang auf die gleiche Weise die Ärmel bedruckt, und zwar mit den Blättern vom Perückenstrauch, der sehr dankbares Material für den Eco Print liefert.
Was das erhoffte Verschwinden des kleinen Lochs angeht: Da es leider nicht mit einem Print überdeckt worden ist, habe es so gut wie ich konnte gestopft (und ich kann nur ganz schlecht stopfen).

 
(anklicken)

Na gut; angezogen wird es trotzdem:


Dieses Tragefoto, das ich erst vor ein paar Tagen gemacht habe, zeigt, dass sich die bläulichen Farbtöne in Richtung oliv gewandelt haben. Die Veränderung und letztlich auch das Verblassen ist ein Phänomen, das man bei Naturfarben auf der Rechnung haben muss.

Aber ich wollte es noch einmal wissen und habe ein zweites Shirt gefärbt:

vorn

hinten

Hier habe ich die Blätter nur einlagig in der Mitte verteilt und, weil mir das Ergebnis so wie es war  gut gefiel, die Ärmel naturweiß belassen.
Einige weitere Stoffstücke hatte ich noch im Dämpftopf, vornehmlich Seide. Die beiden folgenden Fotos zeigen das Blätter-Layout und das geprintete Ergebnis:



Von oben nach unten: Storchschnabel, Rose, Blutpflaume, Walnuss, Ahorn.
Solch ein "Durcheinander" kann schon mal den Blick auf die Wirkung der Details verstellen. Bei Sabine habe ich L-Shapes kennengelernt und mir aus Fotokarton eigene zugeschnitten:



Mit diesen Winkeln kann man sehr schön Ausschnitte hervorheben; sie sind verschiebbar, variabel und passen sich an.


Dieser Ausschnitt von Blutpflaumenblättern, gedruckt auf goldener (!) Dupionseide...


... hat im Kleinen seine Wirkung, auf dem großen Tuch ...


... muss man ihn suchen (unten links).

L-Shapes funktionieren wie Rahmen, Eco Prints in "richtigen" Rahmen habe ich auch; sie hängen in meinem Nähzimmer an der Wand:



Diese sind, obwohl sie schon ein paar Jahre dort hängen, kaum verblasst.

Danke für die Geduld!

Nun widmen wir uns den anderen Beiträgen der Stoffspielerinnen:

Tyche hat ein Yukata mit gestickten Federn und Muscheln verziert und die dazu passenden Gürtel zeigen ebenfalls Naturmotive.

Bei Martina gibt es auch Blätterdruck, aber ganz anders.

Bei Ines haben Ähren den Weg auf den Stoff gefunden.

Gaby beschreibt uns detailliert, wie sie versucht hat, ein Foto vom Meeresgrund auf Stoff zu bringen.

Auch bei Annelies gibt es Blätter: aus Nadelspitze.

Ute hat sich von der Tierwelt inspirieren lassen und zeigt uns eine Libelle.

Suschna hat einer Gartenrose in Pojagi-Technik unbegrenztes Blühen ermöglicht.

Karens Inspirationen sind in zwei Richtungen gegangen: gestickte Käfer und gestrickte Landschaft.

Ute lässt Häkelblüten wie auf Wasser schwimmen.

Die nächsten Stoffspielereien finden am 27. Oktober bei Ute - 123 Nadelei, statt. Das Thema ist: Fäden auf Farbe.

Sonntag, 10. September 2017

Einladung zu den Stoffspielereien im September

Nach der langen Sommerpause möchte ich heute noch hoffentlich rechtzeitig an die nächsten Stoffspielereien erinnern bzw. dazu einladen. Am letzten Sonntag im September, also am 24.9., treffen wir uns mit unseren textilen Arbeiten zum Thema

Von der Natur inspiriert

Ich hatte das Thema vorgeschlagen und darf erstmalig Gastgeberin sein. Ich freue mich auf hoffentlich zahlreiche und vielfältige Beiträge. Das Thema ist ja weit gefasst - viele Interpretationen und Umsetzungen in textile Arbeiten sind denkbar und möglich. Da gerade die Haupturlaubs- und Reisezeit zu Ende gegangen ist, haben wir vielleicht Anregungen von dort mitgebracht. Formen, Farben, Landschaften, Stimmungen - wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen und Inspirationen aus der Natur mit Hilfe von Stoff und Faden Gestalt annehmen lassen.

Für alle, die zum ersten Mal von den Stoffspielereien hören, sei kurz erklärt, was damit gemeint ist:

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch. (Zitat)

Neue Teilnehmer sind sehr willkommen!
Die Stoffspielereien gibt es seit Februar 2012. Ich habe vor einiger Zeit eine Liste der bisherigen Aktivitäten zusammengestellt; man kann die Seite oben unter dem Header meines Blogs anklicken. Dort gibt es Links zum jeweiligen Gastgeber des Monats, wo wiederum alle Beiträge verlinkt sind. Auch die bisherigen Themen, die es seit Juni 2013 gibt, sind ersichtlich. 

Ein Bild als Illustration muss natürlich in diesen Post mit rein; ich habe ein Foto ausgewählt, das am Ort meines diesjährigen Sommerurlaubs aufgenommen worden ist - Natur pur:



Am 24. September werde ich die Beiträge zu den Stoffspielereien hier im Blog verlinken. Die "üblichen Verdächtigen" werde ich wahrscheinlich im Blick haben, aber sonst bitte ich um einen Hinweis bei den Kommentaren, damit ich den Beitrag finde. 

Viel Spaß!

Freitag, 8. September 2017

Herren-Sweater

Hemden nähe ich ja wirklich häufig für meinen Mann, Sweater eher seltener. Jetzt hatte ich einen schönen Trikot-Stoff  im Schrank liegen; die Qualität ist mit einem Sommersweat vergleichbar. Das war einmal ein Coupon von Karstadt, der das Etikett "Baumwolle mit 4% Elasthan hatte - aber, wer's glaubt ... Ich schätze, da ist eine gewisse Menge Synthetik drin. Aber gut, das garantiert eine solide Formstabilität und kaum Bügelbedarf. Die Farbe des Stoffs ist eine Mischung von anthrazit und dunkelblau, was sich in einem kleinen Fantasiemuster vermischt.

Der Grundschnitt für diesen Sweater ist burdastyle 10-2008-134, von dem ich wusste, dass er passt, da ich ihn bereits zweimal verwendet hatte. Für diesen Sweater wollte ich gern einen eingesetzten Schalkragen haben, wie beim Modell "Titus" aus La Maison Victor 6-2016.


Ich habe mir also das Schnittmuster für diesen Kragen kopiert und ihn auf meinen Grundschnitt angewendet, in dem ich den Halsausschnitt vorn so angelegt habe wie bei "Titus". Eines hat mich jedoch beim Original-Modell gestört: Der Kragen zieht sich, sieht aus, als ob ihm etwas Weite am äußeren Rand fehlt. Also habe ich den Kragen gespreizt: Ich habe ihn zweimal von außen bis fast an die innere Kante aufgeschnitten. Einmal in Höhe der Schulter und einmal ca. 8cm tiefer und habe dort jeweils 1cm Weite eingefügt, die zur inneren Kante hin ausläuft. Auch in der hinteren Mitte habe ich auf die gleiche Weise 1cm Weite hinzugefügt, was jedoch eine Naht in der hinteren Mitte des Kragens nötig gemacht hat, da der Bruch dann nicht mehr im Fadenlauf war. Falls ich den Sweater noch einmal nähen sollte, werde ich noch eine Veränderung vornehmen, damit wieder im Bruch zugeschnitten werden kann. Durch das Spreizen habe ich außen insgesamt 6cm Weite mehr, ohne dass sich die Ansatzkante des Kragens verändert hat.
So sieht mein veränderter Kragenschnitt aus:



Ich hatte Glück: Das Ergebnis ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der erweiterte Sweater-Kragen hat den Vorteil, dass auch ein Hemdkragen gut darunter Platz hat.
Saum- und Ärmelbündchen habe ich aus dem gleichen Stoff gearbeitet.
Und so sieht der fertige Sweater aus:


Beflügelt von diesem Erfolg, möchte ich gern noch ein weiteres Modell nähen, bei dem ich mir auch vorstellen kann, den Kragen ein paar Zentimeter tiefer einzusetzen.

Aber halt! Gerade fiel mir ein, dass ich bei Monikas Blog vorbeischauen sollte, wo immer mal genähte Herrenmodelle verlinkt worden sind. Die Verlinkungsmöglichkeit gibt es wohl nicht mehr, aber dabei ist mir ein Post von Monika aufgefallen, wo sie einen Sweater zeigt, der im Prinzip den gleichen Ausschnitt hat wie meiner hier, aber mit einer Kapuze dran. Das ist genau das, was ich als weitere Variante suche. Der Schnitt ist in der burdastyle vom Mai diesen Jahres erschienen (Link zum Modell bei Burda). Super! Ich werde wieder meinen Grundschnitt verwenden, den Ausschnitt vorn vom Burdamodell übernehmen und nur die Kapuze kopieren.
Demnächst also mehr aus der Reihe: Nähen für den Mann.


Mittwoch, 6. September 2017

Me Made Mittwoch: Die unerwartete Karriere eines Nachthemds

Der erste Termin des Me Made Mittwoch nach der langen Sommerpause hat ein Thema: Mein schönstes Ferienerlebnis.
Was mich ein wenig an die Aufgabenstellung eines Grundschulaufsatzes erinnert, nehme ich zum Anlass, von der unerwarteten Karriere eines Nachthemds zu berichten. Es geschah nämlich im Urlaub (Hier und hier gibt es zwei Berichte von textilen Funden aus meinem Urlaub.). Als ich nach einer anstrengenden Wanderung geduscht und erfrischt nach einem Kleidungsstück gesucht habe, das ich einfach mal schnell überwerfen kann, fiel meine Wahl auf ... ein Nachthemd. Kein Problem, denn es sieht so aus:



Geht doch als Kleid durch, oder?
Genau genommen ist der Schnitt ein Kleid: burdastyle 06-2011-107.  Ich wusste ja bereits, dass dieses Modell schnell die Seiten wechseln kann, denn ich habe den Schnitt bereits zweimal für ein Nachthemd verwendet, hier eins von beiden:

 

Das neue Hemd/Kleid ist aus einer gecrashten Baumwolle genäht. Wobei ... Baumwolle stand auf dem Etikett, aber ist es nicht so, dass diese Fältchen nur dann dauerhaft sind, wenn das Material eine gewisse Menge Synthetik enthält? Der Stoff fühlt sich jedoch genau wie reine Baumwolle an, auch das Tragegefühl entspricht dem. Komisch ist außerdem, dass sich die Crashs ausbügeln lassen und sie auch nicht nach der Wäsche zurückkommen. Man kann das an den Seitennähten und am Saum erkennen, wo ich stärker gebügelt habe:



Und da solch ein Stoff durch die Fältchen dehnbar ist, brauchte ich auch hier keine Brustabnäher. Ich habe sie rauskonstruiert. Außerdem möchte ich gar nicht wissen, wie sie bei diesem Stoff ausgesehen hätten, wahrscheinlich unmöglich.

Ich habe noch 2m von diesem Stoff in einem kräftigen Türkis im Schrank (zur gleichen Zeit gekauft - konnte nicht widerstehen).


Da ich nun die besonderen Eigenschaften des Stoffs kenne, muss ich mir die Verwendung und Verarbeitung gut überlegen - es sei denn, es wird wieder ein Nachthemd.

Die erste Parade der Nähwütigen von Nah und Fern ist hier versammelt. Danke, dass es auf dem MMM-Blog weitergehen kann.

Sonntag, 20. August 2017

Urlaubsfunde: Kunstwebereien in Südtirol

Während unseres Urlaubs in Südtirol sind mir einige Kunstwebereien aufgefallen. Zunächst habe ich mich über den Begriff gewundert. Warum Kunstweberei? Wenn man die Stoffe dieser Webereien betrachtet, findet man schnell den Grund. Es werden tatsächlich kunstvolle Stoffe gefertigt, in verschiedenen Farben und Webarten, mit Mustern, größtenteils traditionelle aus der Region, und Jacquards. Es handelt sich dabei vornehmlich um Deko- und Gardinenstoffe sowie Tischwäsche.



Ich habe die Kunstweberei Franz in Bruneck besucht, die, wie die meisten anderen Webereien der Region, seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist. Es werden fast ausschließlich Naturfasern verwebt - Baumwolle, Leinen und Wolle. Hier ist in einem kurzen Video eine Jacquardmaschine der Firma Franz beim Weben zu sehen. Das Stoffangebot im Hauptgeschäft ist überwältigend und man könnte lange die wunderbaren Stoffe anschauen und befühlen. Eine kleine Beute habe ich mit gebracht. Es gab Tüten mit Stoffresten (meine sind aus feinem Leinen) für €10:


Inzwischen sind die Stoffe gewaschen und gebügelt und warten auf eine Verarbeitung. Da die Abschnitte nicht sehr groß sind, wird es wohl auf etwas in Richtung Patchwork hinauslaufen.

Ein Geschirrtuch aus reinem Leinen habe ich ebenfalls mitgenommen.


Ein hochwertiges Material, ein schönes Muster in gut gewählten Farben. Der Stoff hat einen leichten Glanz, der leider auf den Fotos nicht recht rüberkommt. Wenn es diesen Stoff als Meterware geben würde, hätte ich sicherlich etwas davon gekauft.



Wie schräg ist man, wenn man sich an einem Geschirrtuch so erfreuen kann?

Ich hatte auch das Glück eine Weberei für Bekleidungsstoffe aufzuspüren: Moessmer. Am Stammhaus in Bruneck gibt es einen Verkauf für Kunden, auch in Bozen und Cortina d'Ampezzo, aber einen Internet-Shop gibt es nicht. Es wird wohl hauptsächlich an Weiterverkäufer geliefert.
Auch hier sind die Stoffe ausschließlich aus Naturfasern. Die Regale sind gefüllt mit feinsten italienischen Wollstoffen. Einen Stoffcoupon habe ich mir mitgebracht:


Ein Wollstoff im Stile von Chanel - farblich vielfach einsetzbar; im naturfarbenen Grund kommen nahezu alle Farben vor.


Die Menge sollte gerade so für ein kürzeres Chaneljäckchen ausreichen.

Aber das Schönste ist: Ich werde im Herbst noch einmal in diese Gegend reisen (weil es uns dort einfach so gut gefallen hat) und dann werde ich die Gelegenheit nutzen, um bei Moessmer nach einem Stoff für einen Wintermantel Ausschau zu halten.

Der erste Teil meiner Urlaubsfunde befindet sich hier.

Donnerstag, 3. August 2017

Urlaubsfunde

Der Urlaub, für den ich im letzten Post den Koffer gepackt habe, ging in die Dolomiten.

Auf einer Wanderung um den Peitlerkofel in den Dolomiten machte ich diese Entdeckung am Wegesrand:


Ein Muster aus roten Seilen auf der Wiese?



Aus der Nähe betrachtet erscheinen sie wie in die Erde gestickt. Und tatsächlich: "Stitched Earth". Eine Tafel in der Nähe informiert, um was es sich dabei handelt. Dies ist ein Teil einer Ausstellung an verschiedenen Orten in zwei Gemeinden der Dolomiten, für die neun Künstler ihre Werke mit und in der Natur realisiert haben. Die Homepage des Projekts erklärt die Idee und die Thematik.
Hier hat Ilyn Wong natürlich gefärbte Wollfäden in den Boden gestickt und hat sich für ihre geometrischen Motive von den traditionellen Mustern der Textilen der Alpen inspirieren lassen. Sie verbindet so Kunsthandwerk mit zeitgenössischer Kunst; die Wollfäden treten in einen Dialog mit den Grashalmen und ihre rote Farbe fügt sich in das Farbspiel der blühenden Wiesen ein.* Für mich ein sehr gelungenes Kunstwerk, das mich sofort angesprochen hat. Mich hätte auch interessiert, wie das Werk rein technisch realisiert worden ist, aber darüber verrät auch das kleine Video, in dem die Künstlerin ihr Werk erläutert nichts.

Eine weitere Kunst-Begegnung, die sich mit meinen Hobby-Interessen verbindet, hatte ich in Klausen bei Bozen. In einer kleinen Kirche wurden Siebdrucke der Berliner Künstlerin Jördis Hirsch ausgestellt.



Sie war eine Beitragende des Projekts "kunst boden nah" im Stadtraum Klausen, wo Künstler leerstehende Räumlichkeiten für ihre Projekte zur Verfügung gestellt bekommen haben. Jördis Hirsch hat sich ihren Ausstellungsraum, die Kirche, mit einer Malerin und einem Tonkünstler geteilt.



Die Künstlerin hat für ihre vor Ort gearbeiteten Siebdrucke Pflanzen und Erden aus der Umgebung gesammelt, Gemüse auf dem lokalen Bauernmarkt gekauft und Schlamm vom Ufer eines Baches geholt und alles zu druckfähigen Pasten verarbeitet. Zu ihren Motiven hat sie sich durch ihre Eindrücke in Klausen und Umgebung inspirieren lassen. Hier finden sich noch weitergehende Informationen und Fotos.

Mehr textile Urlaubsfunde demnächst!

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* sinngemäß zitiert von der Homepage des Kunstprojekts.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Me Made Mittwoch: Der Urlaubskoffer

Seit einigen Jahres schon heißt das Motto am letzten Me Made Mittwoch-Termin vor der Sommerpause: Ich packe meinen Koffer. Wir, die HobbyschneiderInnen, sind aufgerufen zu zeigen, welche Kleidung wir in den Urlaub mitnehmen.

Doch bevor ich darauf eingehe, ist dies für mich der geeignete Zeitpunkt, um mich für die vielen netten Kommentare aus den letzten Wochen und Monaten zu bedanken. Jedes Feedback hat mich gefreut. Danke vielmals.

Ich habe es tatsächlich geschafft, mir rechtzeitig Gedanken über meine Urlaubsbekleidung zu machen. Erfreut konnte ich feststellen, dass es kaum Bedarf an neuen Kleidungsstücken für unser Reiseziel gab. Somit hatte ich in der letzten Zeit Raum für "Spaßnähen" statt "Paniknähen". Angenehm.

Das wichtigste selbstgenähte Kleidungsstück für den Urlaub war eine kurze Wanderhose. Für sie habe ich den Schnitt meiner langen Wanderhose einfach gekürzt. Der Stoff, eine Baumwolle mit satinartig glatter Oberfläche, war so gut und willig zu verarbeiten, dass ich seitlich rechts eine aufgesetzte Tasche mit Klappe und links eine Zippertasche eingebaut habe. Wenn man die Fotos durch Anklicken vergrößert, kann man diese Details wahrscheinlich erkennen.



Wenn man beim Link für die Wanderhose ein wenig runterscrollt, sieht man den Maxirock, den ich inzwischen recht gern mag - er darf auch auf diese Reise mit.

Da ich an unserem Urlaubsziel mit warmem Sommerwetter rechnen kann, werde ich viel Ärmelloses einpacken: eins oder zwei Shiftkleider, natürlich das neue Kleid mit dem Bindeband vorn und Tops wie das kürzlich gezeigte mit dem Dschungelmuster in Blau nebst neuem Jeansrock. Das Top habe ich inzwischen noch einmal genäht, auch wieder aus einem Rest. Wahrscheinlich habe ich nach der Reise ein Foto davon.

Es gibt aber noch mehr Selbstgenähtes im Koffer: Die Urlaubshemden meines Mannes, die ich vor rund fünf Jahren einmal als legere Bekleidung für eine Südfrankreich-Reise genäht habe. Und ein ganz neues Kurzarmhemd aus einem tollen Leinen-Viskose-Stoff von Florence (hier zu betrachten, solange es den Stoff noch gibt).


Auf dem oberen Foto kann man erkennen, dass das Hemd bereits getragen wurde. Wegen der schönen Materialmischung trägt es sich sehr angenehm (sagt hubby) knittert aber weniger als reines Leinen.

Wenn ich jetzt meinen/unseren Koffer wirklich packe, habe ich wahrscheinlich dieses Kleid an,

*

das in dieser Saison zu einem Zuhause-Wohlfühl-Kleid geworden ist. Es gibt es auch noch einmal in rot, ebenfalls aus einem Baumwollpikée, hier im Blog vor fast genau zwei Jahren gezeigt (incl. Info zum Schnitt).

Natürlich überlegt man sich auch, was man auf die Reise selbst anziehen wird. Bei uns wird es eine Autofahrt sein und ich denke an diese Kombination (schnell fürs Foto übergeworfen und deshalb vergessen zwei Knöpfe zu schließen ...):

*

Das ist der sandfarbene Rock, den ich hier bereits einmal gezeigt habe und der nach dem gleichen Schnitt entstanden ist wie der neue Jeansrock (besser gesagt: umgekehrt) - siehe oben. Die Bluse war bisher hier im Blog noch nicht zu sehen; sie hat einen nähtechnischen Mangel, der auf diesem Foto nicht auffällt und den ich auch weitestgehend ignorieren kann. Deshalb werde ich sie auch tragen.

Jetzt wünsche ich allen, die demnächst starten, eine sichere Reise in einen tollen Urlaub. Alle, die schon verreist waren, können noch einmal in Gedanken dahin zurückkehren und allen, die (im Moment) nicht verreisen, wünsche ich eine sehr schöne Zeit zuhause.

Ein ganz großes Dankeschön an die Organisatorinnen des MMM, ohne den die Nähgemeinde nicht mehr denkbar wäre, oder?

Wir sehen uns im September!

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* Sind irgendwem diese silberfarbenen Schuhe aufgefallen? Meine neuen "Hausschlappen" - Ich finde sie cool (obwohl ich sonst keinen Glitzer mag); hubby findet sie schrecklich ...

Mittwoch, 21. Juni 2017

Me Made Mittwoch: kurzer Jeansrock und ärmellose Bluse

Dieser Tage sind zwei neue Kleidungsstücke fertig geworden: ein kurzer Jeansrock und eine kurze ärmellose Bluse.




Der Rock ersetzt ein in die Jahre gekommenes Teil, das ich praktisch 1:1 ersetzt habe, nur der hellblaue Jeansstoff ist ein wenig dünner. Das ist im Sommer ohnehin angenehmer. Den Schnitt habe ich aus meinem Standardschnitt für einen kurzen, schmalen Rock entwickelt, indem ich die Abnäher vorn und hinten bis zum Saum durchgeschnitten habe. Die vordere mittlere Rockbahn ist noch einmal geteilt, so dass ich insgesamt neun Bahnen bekommen habe - egal, wer zählt das schon? So habe ich das schon einmal genäht; da ist es ein sandfarbener Rock geworden, den ich ziemlich genau vor zwei Jahren einmal beim MMM gezeigt habe. Auch bei dem neuen Rock sind wieder die Nähte doppelt abgesteppt, das habe ich gern so.



Die Bluse ist aus einem Rest entstanden, der von einer anderen Bluse übrig geblieben war, die ich als nicht besonders gelungen knapp vor der Fertigstellung wieder verworfen habe. Ich muss mal schauen, ob sie noch in einer meiner UFO-Kartons ist. Das Material ist eine Baumwolle mit Metallfäden, die aber offenbar so spärlich eingewebt sind, dass der Memory-Effekt, den sie bewirken sollen, kaum spürbar ist. Aber Farbe und Muster des Stoffs gefallen mir, deshalb war ich froh, dass die Restmenge noch für diese Bluse gerade so ausgereicht hat. Den Schnitt habe ich von einem Shiftkleid abgenommen. Hier habe ich also ein Kleiderschnitt für eine Bluse verwendet, wohingegen ich letzte Woche aus einem Blusenschnitt ein Kleid gemacht habe. Das Original-Shiftkleid ist hier mehrfach zu sehen und hier bereits einmal gekürzt als Top, jedoch noch ohne Knopfleiste. Eine Knopfleiste anzuzeichnen und einen Beleg als separates Teil ist ja für uns Hobbyschneiderinnen nicht schwer. Inzwischen ist ein zweites Top in der gleichen Art in Arbeit, ebenfalls aus einem Rest. Also: Reste verbraucht, keinen Euro ausgegeben (die Perlmuttknöpfe waren aus dem Vorrat und somit lange bezahlt...) und zwei neue Kleidungsstücke erhalten. Ist doch nicht schlecht!

Nun verweise ich noch auf den Me Made Mittwoch-Blog, wo wieder selbst gefertigte Damenbekleidung gezeigt wird.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Me Made Mittwoch: Bluse wird zum Kleid

Ich glaube, ich habe einen neuen Lieblings-Schnitt für ein Sommerkleid. Der Schnitt war ursprünglich eine Bluse, die ich zum Kleid verlängert habe. Ich spreche von Modell 110 aus der Maiausgabe von burdastyle.
Das Blusenmodell hat mich im Heft gleich angesprochen und als ich gesehen habe, dass der Schnitt im Rücken durch die Teilungsnähte eher figurnah ausfällt, vorn aber eine bequeme Weite aufweist, die durch ein Bindeband individuell reguliert werden kann, habe ich sogleich aus einem Stoffrest ein  Probemodell genäht. Test bestanden - mit Bravour! Noch beim Nähen kam mir der Gedanke, diesen Blusenschnitt zum Kleid zu verlängern. Und bevor ich eine "richtige" Bluse genäht habe, ist das Kleid entstanden. Einen Stoff hatte ich im Haus: eine weiche Baumwolle mit einem blauen ich-weiß-nicht-wie-ich-es-beschreiben-soll Muster und gutem Fall. Ursprünglich gekauft für ein Herrenhemd, aber für diesen Zweck als zu weich befunden.




Der Stoff hat sogar zwei schöne Seiten (siehe folgende Fotos) und ich musste mich schließlich für eine entscheiden. Als das Kleid fast fertig war, hatte ich doch Bedenken, dass es etwas langweilig aussehen könnte. Die Kanten kontrastfarbig absteppen? Vielleicht in rot? Ja, aber nicht absteppen, sondern mit der Hand besticken!
Das habe ich in dieser Form noch nie gemacht - dieses Kleid war eine gute Gelegenheit, das einmal zu probieren.
Et voilà:



Ich habe mehrere Stiche ausprobiert und mich schließlich für einen einfachen Vorstich entschieden, sozusagen nach Sashiko-Art, denn die Abstände zwischen den Stichen sind kürzer als die Stiche. Als "Hilfslinie" habe ich mit einem extra lang eingestellten Maschinenstich einmal an den Kanten dort entlanggesteppt, wo danach die Handstickerei verlaufen sollte.
Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn ich bis zuletzt überlegt habe, ob die Stickerei nicht noch etwas auffälliger sein sollte, etwa so wie hier getestet:


Auf diesem Foto ist das Muster, das sich nicht gut fotografieren lässt, noch am besten zu erkennen.

Aber auf jeden Fall sollte ich rote Accessoires dazu kombinieren, wie in den Fotos zu sehen, nur: Es fehlen mir noch rote Schuhe!
Ach ja, ich habe die Rückenpartie des Kleides so gelobt - hier:


Schön, dass ich die Gelegenheit habe, dieses Kleid beim Me Made Mittwoch zu zeigen. Vielleicht kommt ja noch die eine oder andere Hobbynäherin auf den Geschmack. Ich kann den Schnitt jedenfalls sehr empfehlen.