Donnerstag, 9. Februar 2012

Schwarz-weißes Jäckchen (burda 11-2003-117)

Dieses Jäckchen ist gestern (oder genauer gesagt: vorgestern) ganz knapp vor dem MeMadeMittwoch fertig geworden und da ich, wie die meisten Bloggerinnen beim MMM, nicht am selben Tag fotografiere und den Blogbeitrag schreibe, sondern wenigstens am Tag vorher, hat es am Mittwoch nicht mehr zum Foto mit dem Modell angezogen gereicht. Das sei nun nachgeholt:

(... und wieder mit einer schwarzen Hose...)


Der Stoff war ein Spontankauf und ich hatte gleich das Zielmodell im Kopf als ich bemerkt habe, dass der Stoff zwei schöne Seiten hat. Beim Zuschnitt muss man höllisch aufpassen, dass man die Teile richtig auflegt, sonst stimmt die Farbabfolge nicht. Und obwohl ich daran gedacht hatte, habe ich zwei Teile falsch zugeschnitten. Glücklicherweise hatte ich ausreichend Stoff, sogar so viel, dass es noch für einen Rock reicht. Ich denke, kurz und schmal wird zu der Jacke am besten aussehen, aber welche Stoffseite nehme ich nach außen? Schwarz: na ja, schwarz ist halt immer gut, aber dann kommt als Kombifarbe fürs Oberteil nur eine Kontrastfarbe in Frage; weiß: dann kann ich ein schwarzes Oberteil dazu tragen. Als Entscheidungshilfe habe ich zwei Fotos gemacht:




Oder vielleicht weder noch...?

Natürlich ist die Jacke gefüttert. Seit geraumer Zeit habe ich eine bestimmte Verarbeitungsweise für Futter in Jacken und Mänteln. Sie stammt aus einem alten Burdaheft; ich habe sie mir kopiert und sie hängt an prominenter Stelle an der Pinnwand in meinem Nähzimmer. Diese Vorgehensweise finde ich inzwischen nirgends mehr; sie ist m.E. aber so gut, dass ich sie hier erläutern möchte.*

Voraussetzung: die Jacke hat einen 4 cm breiten Saum, sie ist fertig genäht und die Säume sind eingebügelt aber noch nicht angenäht.
Die Futterteile bekommen eine 1,5 cm breite Saumzugabe, außer an den vorderen Kanten des Futtervorderteils. Hier zeichne ich an der Kante zum Besatz hin zunächst eine 4 cm breite Saumzugabe an (also die gleiche Breite wie die Saumzugabe am Besatz), an der Kante der Seitennaht jedoch eine Zugabe von 1,5 cm und verbinde diese beiden Punkte/Linien in einem flach verlaufenden Bogen.
Das nachfolgende Foto illustriert, was ich meine:

(Das Foto gehört zu dieser Jacke)

Man kann dieses Verfahren sowohl bei einem ein- als auch mehrteiligen Vorderteil anwenden. Bei Modellen mit vorderen Teilungsnähten kann man zunächst alle Teile mit 4 cm breiten Saumzugaben zuschneiden, die Teilungsnähte  steppen und dann die Zugabe zur Seitennaht hin im erwähnten flachen Bogen zurückschneiden.
Alle Futterteile zusammennähen, dabei in einer Seitennaht eine ausreichend große Wendeöffnung lassen. Nun wird das Futter rechts auf rechts auf den Besatz gesteckt, wobei natürlich die Schulternähte und die hintere Mitte aufeinandertreffen. Diese Naht steppen und die Zugaben ins Futter bügeln.
An den vorderen Jackenkanten den Besatz nach außen und die Saumzugaben nach unten legen. Die unteren Besatzkanten entlang der Saumkante (Bügelbruch) auf die Vorderteile stecken. Das Futter nach unten ziehen und die Zugabenkanten von Jacke und Futter aufeinander stecken. Das nächste Foto zeigt diesen Arbeitsschritt. Zur Verdeutlichung habe ich mit Kreide die Nahtlinie markiert. Fürs Foto habe ich die Jacke so hingelegt, dass man beide Jackenkanten erkennen kann.


(Dieses Foto gehört zu schwarz-weißen Jacke.)

Nun wird diese Naht gesteppt. Die Zugaben zurückschneiden. Wenn man die Jacke durch die Öffnung im Futter gewendet hat, sollte die vordere Kante so aussehen:


(Fotos von Modell Burda 10-2008-104)

Dieses Verfahren funktioniert sowohl bei eckigen als auch bei runden vorderen Kanten.

Ich hoffe, ich konnte das verständlich erklären. Bei Problemen oder offenen Fragen: bitte melden.
Genau genommen ist das Einnähen des Futters natürlich noch nicht beendet, denn die Ärmel fehlen noch. Wer hier Info-Bedarf hat, lässt es mich bitte wissen.

Nun zu meiner "Quizfrage" vom Vortag: die erste Umsetzung des Schnitts war dieses Modell, das ich bei meinem ersten Beitrag vom MeMadeMittwoch getragen habe:


Modell Nr. 2 ist aus Leinen, diesmal mit Kragen:


Dieses Modell hat bei mir den Namen "Domino-Jacke" bekommen.

Die blau-petrolfarbene Version aus Walk ist schon etwas abgetragen und ich kann mir durchaus vorstellen, dieses Modell noch ein viertes Mal zu nähen.

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* Dabei stütze ich mich auf die alte Anleitung von Burda und zitiere teils wörtlich, teils sinngemäß.

Kommentare:

  1. ...ich finde jedes Modell hat trotz des gleichen Schnittes durch die Farbwahl und die Wirkung der Stoffart einen ganz eigenen Charakter und ich habe im Kopf schon meinen Stoffvorrat durchforstet und Möglichkeiten durchgespielt. Eine tolle Idee und perfekt umgesetzt, wieder ein Floh im Ohr ;-)
    Liebe Grüße
    Claudia

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  2. mich begeistert deine präzision - die beidne farben schließen ja perfekt miteinander ab - die knopflöcher sind wirklich perfekt gesetzt.
    ich bin einfach zu schludrig....

    lg
    halitha

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  3. Deine Jacke gefällt mir total gut! Wenn du den Rest für einen Rock verwendest, würde ich mich an deiner Stelle für die helle Seite entscheiden. Zumindest auf dem Foto finde ich es bei der dunklen Seite irritierend, dass man nicht gleich sieht, wo die Jacke aufhört und wo der Rock anfängt. Wegen der Farbe ist das bei der helleren Varainte gleich zu sehen und wirk auf mich stimmiger.
    Gruß von SteffiHamburg!

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  4. Die Jacke ist wunderschön, aber auch die blau-schwarze gefällt mir sehr gut. Schön, dass ich Deinen Blog über den Umweg "Burda" gefunden habe.
    Dir eine schöne kreative Woche und liebe Grüße
    Roswitha

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